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DVD-Kritik: „Miami Vice“ (USA 2006)

Juli 11, 2007

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Miami Vice

Miami Vice. Nur eine der vielen berühmten 80er Jahre Serien, aber ohne Zweifel eine der renommiertesten. In den Jahren 1984 bis 1989 entstanden 5 Staffeln mit insgesamt 112 Folgen und bis heute erfreut sich die Serie großer Beliebtheit. Doch was ist dran, an diesem Mythos Miami Vice. Nun, heute würden viele Leute sagen, dass alles darin veraltet ist. Die Klamotten, die Autos und die Locations. Alles Relikte einer vergangenen Zeit, welcher sich nicht wenige Menschen heute schämen. Miami Vice ist der Inbegriff für bunte Pastelltöne, grelle Neonlichter und Klamotten nahe an der Grenze des guten Geschmacks. Aber genau das, waren die 80er. Mit den Abenteuern von Sonny Crocket und Ricardo Tubbs identifizierte sich eine ganze Generation.

Nach den Unmengen an Prequels und Remakes in den letzten Jahren, war es also nur eine Frage der Zeit bis diesem neuem Modetrend schließlich auch Miami Vice zum Opfer fiel. Und die Macher hatten ein wahrlich schweres Erbe anzutreten. Galt es doch, diese längst vergangene Ära für das heutige Publikum zugänglich zu machen und zugleich aber auch den Charme des Orginals beizubehalten.

Michael Mann, ehemals Produzent der Serie, ließ es sich nicht nehmen, diesmal das Zepter selbst in die Hand zu nehmen und sich dieser schwierigen Herausforderung zu stellen. Als Nachfolger für Don Johnson und Philip Michael Thomas wurden die beiden Hollywoodsuperstars Colin Farrell(Sonny Crocket) und Jamie Foxx(Rico Tubbs) verpflichtet. Letzterer hatte schon bei „Collateral“ mit Michael Mann zusammengearbeitet.

Nach einer gescheiterten Übergabeaktion wird ein Spitzel inerhalb der beteiligten Polizeiorganisationen vermutet. Sonny und Ricardo werden damit beauftragt, sich undercover in einem Drogensyndikat einzuschleusen um den Spitzel und auch die Täter zu identifizieren. Dies gelingt den beiden auch und fortan werden sie mit mehreren Transporten beauftragt um ihr Können unter Beweis zu stellen und das in sie gesetzte Vertrauen zu rechtfertigen. Nachdem die beiden immer tiefer in die Machenschaften von Drogenbaron „Erzengel Jesus“ hingezogen werden, müssen sich sich fragen, auf wessen Seite sie eigentlich noch stehen. Als Sonny dann auch noch eine Affäre mit der Frau von Jesus beginnt, verkomplizieren sich die Umstände nur noch. Hinzu kommt noch, dass der Mittelsmann zwischen den Cops und dem „Erzengel“ den beiden nicht traut und ihnen schlussendlich eine Falle stellt, wobei ein tödliches Aufeinandertreffen dann nicht mehr zu vermeiden ist…

Mit seiner Neuverfilmung von 2006 schuf Micheal Mann einen Film, welcher gezielt mit den Traditionen der Vorgängerserie bricht. Nichts ist mehr übrig von dem locker, läßigen grell-bunten 80er Jahre Look. Dieser musste stylisch-realistischen, veträumten…ja beinahe schmutzigen Bildern weichen, welche mit dem Original nichts mehr gemeinsam haben. Sehr deutlich wird dies etwa bei der Kleidung der Protagonisten. Heute trägt man legere Hemden und Jeans anstatt bunten Anzügen oder Hawaihemden.

Der Film ist deutlich durch Michael Manns Handschrift gezeichnet, welche vielen schon durch frühere Werke wie Insider oder Collateral bekannt sein dürfte. Seine Faszination für Nachtaufnahmen der Großstädte Amerikas sowie die verwackelte Handkamera und die überaus realitätsnahe Inszenierung sind auch diesmal wieder anzutreffen und verleihen dem Film ein ganz besonderes Flair.

Wie schon in Heat und Collateral verzichtete Mann auf Schussverstärker um damit authentische Schusswechsel und Actioneinlagen zu ermöglichen, welche ihren realen Vorbildern in nichts nachstehen. Manchmal kommt es einem so vor, als ob man eines dieser beliebten Polizeivideos ansehen würde. Detailaufnahmen auf die Ordnungshüter, verwackelte Hand- und Digicam und das alles in einer grobkörnigen Auflösung, eben typische Merkmale dieser Art zu filmen. Durch diese Stylmittel und oft eingesetzten Farb- und Rauschfilter werden dem Zuschauer solch realistische Bilder vermittelt, sodass er sich mitten im Geschehen wägt. Durch diese besondere und innovative Kameraarbeit wird man richtiggehend in das Geschen auf dem Bildschrim hineingesogen. Man erlebt hautnah, was Sonny und Ricardo erleben.

Die Schauspieler wurden allesamt hervoragend ausgewählt. Vor allem Colin Farrell und Jamie Foxx hatten ein schweres Erbe anzutreten, welches sie aber mit Bravour meisterten. Es hätte kaum bessere Darsteller für diese Rollen gegeben. Gong Li, welche schon in die Geisha ihr Talent unter Beweis stellte, brilliert hier genauso wie John Ortiz oder Luis Tosar, welche ihren Rollen eine ungeahnte Lebendigkeit verleihen und somit wesentlich zu dieser „besonderen“ Atmösphäre beitragen. Was die beiden Hauptdarsteller betrifft, so tritt hier Jamie Foxx leider ganz klar in den Hintergrund. Er schafft es in seiner Rolle als bodenständiger, familiärer Mensch einfach nicht, mit der Präsenz seines Kollegen mitzuhalten. Zu stark, spielt sich Sonny(Farrell) hierbei allein durch seine sehr intensive Beziehung zu Isabella(Gong Li) in den Vordergrund.

Was man den Machern wirklich zu Gute halten muss, ist, dass man es gekonnt geschafft hat die tiefe Verbundenheit welche Sonny und Ricardos berufliche Partnerschaft verbindet, dem Zuschauer glaubhaft darzustellen. Auch nimmt man ihnen ihre Gefühle, ihre Ängste…einfach alles sehr gut ab, wo hierbei aber die schon genannte realistische und intensive Kamerarbeit von Dion Beebe einen nicht unerheblichen Teil dazu beiträgt. Die Bildersprache vermittelt eine derart unglaubliche Spannung und Intensität, dass man diese wahrlich nur schwer in Worte fassen kann.

Auch spielt auch die Sounduntermalung eine wichtige Rolle bei welcher auf vielerlei Varianten zurückgegriffen wurde. John Murphy orientierte sich dabei sehr an John Hammers legendärem Theme, schuf aber zugleich eine stimmige, moderne Version des altbekannten. Hinzu kommt eine wirklich gelungene Cover-Version von „In the Air Tonight“, welche hierbei nicht von Phil Collins sondern von der Band Non Point inszeniert wird. Auch der restliche Soundtrack begeistert durch eine gelungene Mischung aus Techno-Trance Mix , Hip Hop- und auch einigen Rockelementen. All diese einzelnen Komponenten passen perfekt in die jeweilige Szenerie und untermalen diese in atmosphärischer Hinsicht einfach hervoragend.

Michael Mann gelingt mit seinem jüngsten Werk ein ungemein atmosphärischer und stylischer Actionfilm, welcher weniger durch eben jene Genretypischen Szenen besticht sondern viel mehr durch die ungemein packende und Regisseur typische Inszenierung. In die Bewertung fallen eigentlich nur zwei negative Aspekte ein. Da wären zum einen, der kaum vorhandene Bezug zur Originalserie und zum anderen, die in vielerlei Szenen fehlende Schnelligkeit. Der Film verläuft insgesamt gesehen leider etwas zu „ruhig“. Ein wenig mehr Action hätte hierbei sicherlich gut getan, wobei nicht abzuwägen ist, in wieweit dies die restliche Inszenierung des Films beeinträchtigt hätte. Auch die von vielerlei Seiten kritisierten Sex- und Duschszenen empfand ich im Kontext zum restlichen Film als absolut passend und die Authensität des Streifens nur noch unterstreichend.

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3 Kommentare leave one →
  1. fincher permalink
    März 20, 2008 9:35 am

    Ansich eine schön gestaltete Kritik, die aber nicht meine persönliche Meinung widerspiegelt. Michael Mann hat mich schon ein wenig enttäuscht, obgleich die Shoot Outs sensationell und die Visualisierung grandios gewurden sind, allen vorran die verschiedenen Farbfilter oder die stets präsente Handkamera unterstreichen das Gesamtbild ädaquat.

    Trotzdem geht Mann viel zu sehr auf die mitunter auch kitschige Lovestory ein und der Film verliert in der Mitte arg an Fahrt. Mann hat zwar einen stilistisch und schauspielerisch einwandfreien Film inszeniert, der aber meilenweit hinter der Perfektion liegt.

    Aber die Kritik ist nun mal klasse! 😀

  2. dukesmovieblog permalink*
    März 20, 2008 10:27 am

    Freut mich, dass sie dir gefallen hat. Aber wie ich auch schon geschrieben habe, perfekt ist der Film noch lange nicht und anderen Mann-Produktionen wie „Heat“ hinkt er immernoch meilenweit hinterher:). Die von dir angesprochenen Längen trüben dabei das Gesamtbild am meisten.

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