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DVD-Kritik: „Ghost Rider“ (USA 2007)

März 19, 2008
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Wer kennt sie nicht, all die kleinen bunten Heftchen mit ihren berühmten Protagonisten wie etwa Superman, Spiderman, dem unglaublichen Hulk oder wie sie noch so alle heißen. Für nicht wenige Menschen bedeuten diese Superheldengeschichten die Welt. Sie tauchen ein, in eine faszinierende, unwirkliche Geschichte voller unglaublicher Geschehnisse und Personen. Wie unschwer erkennbar, ist hierbei von den Comics die Rede. Ein Printmedium, welches seit Anbeginn seiner Entstehung eine weltumspannende treue Fangemeinde besitzt und auch in Sammlerkreisen sehr beliebt ist. Schon lange haben sie sich dabei von den Vorurteilen der mal so schnell hingepinselten Bilderchen gelöst und gelten nunmehr als eine große und beachtenswerte Kunst, dessen Schöpfer von so manchen Lesern angebetet werden.

Nachdem im Laufe der letzten Jahre immer mehr bahn brechende Möglichkeiten in Sachen Special Effects Einzug in die Traumfabrik fanden und somit die Grenzen zu vorher unrealisierbarem immer mehr verschwommen, wurde damit auch den filmischen Umsetzungen der Comicgeschichten eine immer größere Rolle zuteil. Galt es zuvor noch als eine pure Vision Spiderman über die große Leinwand schwingen zu lassen, waren nun alle Vorraussetzungen gegeben, um diesen Traum wahr werden zu lassen. Doch bei nicht wenigen Comicfans stellte sich zu Recht Unbehagen ein, ob ihren Helden und Idolen ein würdiger Sprung ins Filmgeschäft bevorstehe, denn die Angst vor einer großen Enttäuschung war stets präsent.

Seit der Jahrhundertwende also, folgte eine wahre Welle von Comicverfilmungen, welche aber aufgrund der vielen unterschiedlichen Macher allesamt von wechselnder Qualität geprägt waren. Das Spektrum reichte von Phänomenaler Umsetzung bis hin zu purer Enttäuschung. Vor allem das Marvel-Universum empfand sich dabei sehr großer Beliebtheit und brachte mit den X-Men und dem Spiderman die wohl bekanntesten und besten filmischen Comicumsetzungen hervor. Groß angekündigte, aber nicht wirklich überzeugende Werke wie „Hulk“ oder die „Catwoman“ schmälerten dabei leider den tollen Gesamteindruck zunehmend. Was die Macher aber schon früh bemerkten, war, dass man mit diesen Blockbustern, egal wie gut sie waren, Unmengen an Geld scheffeln konnte und diese eine stetige und vor allem „fast“ risikofreie Einnahmequelle bedeuteten. So war es also nichts ungewöhnliches, als mit „Ghost Rider“ im Jahr 2007 eine weiterer Film dieser Machart Einzug in die Lichtspielhäuser fand mit dem Ziel, auf den erfolgreichen Zug seiner Vorgänger aufzuspringen.

Verantwortlicher hierfür, ist der US-Amerikaner Mark Steven Johnson, welcher bereits 2003 mit seiner Verfilmung des Daredevil-Comics im Genre Luft schnupperte und mit jenem Film eine eher solide aber keineswegs herausragende Arbeit ablieferte. Umso gespannter darf man also auf sein neuestes Projekt sein, in welchem er wie auch schon zuvor zugleich die Rolle des Drehbuchautors übernimmt und somit maßgeblich für Erfolg oder Misserfolg des Streifens verantwortlich ist.

War im Kino seinerzeit nur die normale Fassung von „Ghost Rider“ zu sehen, wird dem potentiellen Käufer nun die Möglichkeit geboten den Extended Cut auf DVD zu erwerben, welcher auch das „Testmuster“ für diese Kritik bereitstellt. Dieser trumpft mit einer 13 Min längeren Laufzeit auf dessen einzelne neue Szenen zwar im kaum in ihrer Darstellung auffallen, aber im Vergleich zum Kinobesuch für einen durchaus runderen, da ausgewogeneren Filmgenuss sorgen.

Vor vielen Jahren schließt der junge Motorrad-Stuntfahrer Johnny Blaze einen Pakt mit dem Teufel. Um den Vater von seinem Krebsleiden zu heilen, verkauft ihm Blaze seine Seele. Der Teufel hält seinen Teil der Abmachung zwar ein, aber schon kurze Zeit später verstirbt Johnnys Dad stattdessen bei einem seiner Stunts. Johnny, aufgrund dieser Tragödie nervlich am Ende, lässt seine damalige große Liebe sitzen um den Traum seines Vaters fortzusetzen und erlangt durch seine halsbrecherischen Shows eine große Berühmtheit. Doch der Vertrag besteht auch heute noch und es wird der Zeitpunkt kommen, an dem Mephistopheles seinen Rider herbeirufen wird, so wie es schon seit Jahrhunderten geschieht. Jetzt, scheint es endlich soweit zu sein, denn eine dämonische Gestalt namens Blackheart lehnt sich gegen seinen höllischen Vater auf und will dessen Macht übernehmen. Nun ist es also an der Zeit Johnnys Schuld zu begleichen und nicht nur die Welt, sondern auch das Leben von seiner großen Liebe Roxanne zu retten…

Nach eigenen Angaben der Macher nahmen diese die Vorlage nicht so genau, wie es sich viele Anhänger des Riders vielleicht gewünscht hätten. Was gefiel wurde umgesetzt, anderes verändert. Jene, welche die Comics nicht kennen wird das sicherlich nicht stören, doch Fans werden sich dabei vielleicht ein wenig hintergangen fühlen. Nichtsdestotrotz kann sich Johnsons Film durchaus in der schieren Masse der anderen Genrevertreter behaupten, wenn nicht allein schon der äußerst gelungenen Atmosphäre wegen. Wie auch schon in „The Punisher“ oder „Sin City“ ist der Style eher düster gehalten und das ganze Szenario wirkt sehr erwachsen. Für die Hauptrolle des Johnny Blaze ist kein geringerer als Superstar Nicolas Cage (The Rock, Con Air) verpflichtet worden und auch der restliche Cast birgt mit Sam Elliot (Wir waren Helden) und Eva Mendes (Hitch) einige bekannte Gesichter. Und wer darf in einem Motorrad-Film nicht fehlen? Natürlich kein geringerer als „Captain America“ alias Peter Fonda höchstpersönlich, welcher hier die Rolle des Mephisto übernimmt und dabei eine außerordentlich gute Figur abliefert. Wes Bentley (American Beauty) verleiht dem Ensemble noch den letzten Schliff und bei solch einem Aufgebot von Superstars dürfte einem gelungenem Film ja eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Doch wie so oft ist Perfektion eine Sache, welche nur sehr wenigen Werken zugeschrieben werden kann. Leider schrammt der „Ghost Rider“ nur ganz knapp daran vorbei. Doch beleuchten wir zunächst einmal die einzelnen Details des Films.

Angefangen bei der großartigen Kamerarbeit des erfahrenen Russel Boyd und der perfekten Schnittmontagen eines Richard Francis-Bruce, kann man hierbei nur positives verlauten lassen. Unterschiedlichste Kamerawinkel, der Einsatz von Spider- und Steadycams, und variantenreiche Schnittmuster, all das ist zwar nichts wirklich neues, wirkt aber im Gesamtkonzept ungemein stimmig und unterhaltsam. Allen voran die Motoradstuntszenen welche nicht am PC entstanden sind in ihrer finalen Ausarbeitung sehr gut gelungen und toll in Szene gesetzt. Der Rider, selbst teilweise am PC erstellt, stellt genauso wie das „Hell-Bike“ die besonderen optischen Schmankerl des Filmes dar. Vor allem letzteres besitzt eine solche Detailverliebtheit in seiner Ausarbeitung das es jedem Motorradfan Tränen in die Augen jagen wird, es in Action zu sehen. Die Feuereffekte und auch die animierten Knochensegmente von Johnny sind ein absoluter Hingucker und machen den Rider in Sachen „Äußeres Erscheinungsbild“ zu einem der coolsten Superhelden überhaupt.

Wenn man den Film aber genauer betrachtet, fallen dem aufmerksamen Zuschauer sicher noch so einige Dinge ins Auge, welche an ein altehrwürdiges, uramerikanisches Genre erinnern: Den Western. Der Saloon in der Wüste, die Story um den Helden, den Bösewicht und das Mädchen in Not, der letzte gemeinsame Ritt und der Showdown zum Schluss, all das waren (sind) bis heute die Zutaten eines gelungenen Vertreters seines Genres. So kann man „Ghost Rider“ also durchaus als eine moderne Westernvariante bezeichnen, welche sich statt Pferden und Cowboys an die heutige Zeit anpasst, aber einige traditionelle Elemente mit einfließen lässt Als wäre das noch nicht genug, ist der coole Titelsong „Ghost Riders in the Sky“ von Spiderbait, eine Mixtur aus Techno-, Rock- und Countryelementen. Die Originalversion stammt dabei aber von keinem geringerem als Johnny Cash.

Die Akteure, allen voran Hauptdarsteller Nick Cage liefern zwar „nur“ eine gute Leistung ab, mehr wäre aus ihren Rollen aber nicht herauszuholen gewesen. Es ist eben eine Comicverfilmung, schauspielerische Raffinesse spielt hierbei eine dem Unterhaltungswert eher untergeordnetere Rolle. Der Film soll Spaß machen, den Zuschauer mit seinen Effekten beeindrucken und mit einigen gelungenen Gags zum Lachen bringen – Blockbuster-Kino eben. Und das schafft er auch auf der ganzen Linie, wenn da nicht nur dieser eine Punkt wäre, welcher den sonst so überzeugenden Streifen ein wenig aus der Bahn wirft. Man sollte es den Machern zwar zu gute Halten, das sie sich viel Zeit dafür nahmen ausreichend auf die Hintergründe von Johnny Blaze und die anderen Personengeflechte einzugehen, doch nimmt dies leider einiges an Fahrt aus dem sonst so flüssigem Ablauf und bewirkt einige Längen in der Mitte des Films. Es sind verhältnismäßig wenige Actionszenen vorhanden und die Möglichkeiten, welche sich aufgrund des vielfältigen Charakters des Riders ergeben, lassen so viel Potenzial verschwendet. Da hätte man durchaus noch die die eine oder andere Kampfhandlung mit einfließen lassen können um den prächtigen Pyroeffekte noch mehr Raum zu verleihen. Doch trotz allem, ist dem „Ghost Rider“ ein würdiger Sprung ins Filmgeschäft gelungen. Wenn man von vereinzelten Logiklöchern mal absieht und nicht immer alles so ernst nimmt, kann man mit dem Fazit: stylisch, modern, selbstironisch und einfach teuflisch gut, denke ich durchaus leben.

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