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DVD-Kritik: „World Trade Center“ (USA 2006)

März 19, 2008
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Es war der 11. September 2001, welcher die Welt für immer verändern sollte. Zuerst ein Tag wie jeder andere, glich New York doch schon bald einem wahren Hexenkessel. Der Grund: Zwei Flugzeuge, welche in die Twin-Towers flogen und im Verlauf der folgenden Stunden tausende von Menschenleben forderten. Ein schwarzer Tag für America. Ein schwarzer Tag für die gesamte Menschheit, welche wie erstarrt vor dem Fernseher verharrten und die traurigen Geschehnisse auf ihren Bildschirmen verfolgten. Nicht wenige stellten sich die Frage, wer zu solch etwas grausamen im Stande sei und verfluchten die Verantwortlichen für das, was sie getan hatten.

Da es ja mittlerweile nichts Neues mehr ist, alle möglichen brisanten, tragischen oder Konfliktbeladenen Stoffe auch zu verfilmen, war es also nur eine Frage der Zeit bis sich jemand dieses Ereignisses annehmen und auf die große Leinwand bringen würde. Doch für nicht wenige galt dies als ein unrealisierbares Projekt. Aber es kam wie es kommen musste und allgemeine Verwunderung machte sich breit bei der Bekanntgabe des Verantwortlichen Regisseurs, mit welchem wohl niemand so wirklich gerechnet hatte. Kein geringerer als Hollywoodveteran Oliver Stone zeichnete sich für dieses umstrittene Projekt verantwortlich. Jener Regisseur, welcher sich mit der Vielzahl seiner Werke, seien es nun etwa „Platoon“ oder auch „Geboren am 4. Juli“, eine nicht gerade „US-freundliche“ Filmographie geschaffen hatte. Stets kritisierte er aufs Härteste die Politik und Mentalität seines Heimatlandes, in welchem der Nationalstolz so groß ist, wie in kaum einem anderen. Die Diskussionsrunden waren also eröffnet und ganz Amerika fieberte Stones neuestem Film entgegen, welcher für die Bevölkerung vielleicht so wichtig wie kaum ein anderer in der Geschichte Hollywoods werden sollte.

Denn dieser schicksalsreiche Tag barg nicht nur Opfer aus den Trümmern. Nein, es wurden Helden geboren. Egal ob Männer oder Frauen, alle waren sie zur Stelle, um ohne Rücksicht auf ihr eigenes, das Leben anderer zu retten. Auch sie gehörten dazu, die beiden Polizisten John McLoughlin und William Jimeno. Doch noch beim Start ihres Rettungsversuches, stürzte eines der Gebäude ein und die tapferen Männer wurden unter meterdicken Geröllschichten begraben. Doch sie überlebten schwer verletzt diese Hölle und ihre Geschichte weckte schon wenig später reges Medieninteresse. Ihre unvorstellbaren Erlebnisse sind es, die den Grundstein bilden für den passend betitelten Film „World Trade Center“, welcher es sich zum Ziel gesetzt hat, die vergangenen Ereignisse für das breite Publikum greifbar zu machen und Geschehenes zu verarbeiten.

Wir schreiben den 11.09.2001. Es ist ein typischer New Yorker Tag, der Verkehr ist grauenvoll und Menschenmassen tummeln sich auf den Straßen. Doch als dieser jäh von einem gigantischen Knall unterbrochen wird, ahnen viele schon, das bald nichts mehr so sein wird wie vorher. Binnen kürzester Zeit sind die Medien voll der Berichte über einen Flugzeugabsturz in einen der Twin-Tower. Besteht anfangs noch die Hoffnung, es handele sich um einen Unfall, bestätigt sich schon kurze Zeit später die schreckliche Wahrheit. Die Stadt wurde Opfer eines terroristischen Anschlages und zum zweiten Mal nach 1993, trifft es das World Trade Center. Was den Attentätern damals fehlgeschlagen ist, hat an diesem Tag seine Vollendung gefunden. Seien es Polizisten, Feuerwehrmänner, Soldaten oder der Katastrophenschutz, aus allen Teilen des Landes eilen die Menschen herbei um zu helfen. Zu retten, was zu retten ist. Zwei Männer derer, welche als erstes an den Ort des Geschehens gelangen sind die beiden Port-Authority Polizisten John McLoughlin (Nicolas Cage) und William Jimeno (Michael Pena). Sie und eine weitere kleine Gruppe von Freiwilligen befindet sich im Gebäude 2, als es zum Einsturz kommt und während alle anderen ein schneller Tod ereilt, finden sich die beiden und ihr Kamerad Dom Pezzulo schon kurze Zeit später begraben unter den Trümmern des Towers wieder. Letzter bleibt unverletzt und versucht sein Möglichstes, um die Verschütteten aus ihrem steinernen Gefängnis zu befreien. Aber alle Versuche sind vergeblich und obwohl alle Hoffnung auf Erfolg zu schwinden droht, bleibt er an der Seite seiner Freunde. Wenig später jedoch, wird er selber von herabstürzenden Trümmern erschlagen und Jimeno und McLoughlin sind fortan auf sich allein gestellt. Während sie um ihr Überleben bangen, bestreiten ihre Familien daheim ihren eigenen, ganz persönlichen Kampf…

Es bedarf einiger Kompetenz und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, sich eines solchen heiklen Themas anzunehmen. Es gilt nicht nur die Erwartungen der Fans zu erfüllen, sondern gleich noch die einer ganzen Nation. Doch wie hat der Film auszusehen, um beider Seiten gerecht zu werden. Es gilt also einen schmalen Spagat zwischen der Realität und der „Massentauglichkeit“ zu vollbringen, sodass alle mit dem Ergebnis zufrieden sein können. Und dies, ist Stone außerordentlich gut gelungen. So vollkommen anders, als in früheren Werken verzichtet er diesmal auf seine harsche, kritische Art zu Drehen und vollendet so einen Film, welcher genau auf die Wünsche und Vorstellungen der amerikanischen Bürger zugeschnitten ist. Pathos, strahlende Helden, ein Happy End und nur so vor Hilfsbereitschaft und Nächstenliebe strotzende Menschen, all das integriert Stone in sein Werk und dies ist auch absolut richtig so. Gewiss, in der Vergangenheit nutzte die„Traumfabrik “ diese Mittel immer wieder aufs Neue aus, um ihr Land ungeachtet jeder noch so zweifelhaften Methoden jederzeit ins rechte Licht rücken zu können. Doch wer „World Trade Center“ diese Glorifizierung negativ anrechnet, dem sei gesagt, das er nicht im geringstem verstanden hat, um was es in diesem Film überhaupt geht bzw. was er für die Menschen in seinem Heimatland bedeutet. Es ist wahr, dass an diesen schrecklichen Tagen die Menschen füreinander einstanden. Es ist außerdem wahr, dass Menschenunmöglichstes getan wurde, um Leben zu retten, das Strapazen und Anstrengungen aufgenommen wurden, nur um ein letztes Fünkchen Hoffnung zu erhalten. Dies ist die wahre Geschichte des 11. Septembers und nicht anders sollte sie erzählt werden. Amerikanischen Patriotismus hin oder her, wenn dieser jemals angebracht war, dann hier in diesem Film.

Wenn man den Film nun in seine Einzelteile zerpflückt, alles ganz genau analysiert und Details fokussiert, so ist dem Betrachter nur ein Urteil möglich: Egal ob es sich um die die Kameraarbeit, die Photographie, die Musik oder die Darsteller handelt, es gibt nichts Negatives zu äußern

Die Cinematographie ist ins bis ins kleinste Detail perfekt umgesetzt, denn jedes Bild entfaltet eine wuchtig anmutenden Wirkung auf den Betrachter. Emotionen sind in jeder Szene, im Gesicht eines jeden Charakters zu sehen, es gibt aber auch wirklich nichts und niemanden, was nicht in irgendeiner Art und Weise unbeteiligt oder gar unbeeindruckt erscheint. Die Wunden, welche dieses Ereignis verursacht hat sind deutlich auszumachen. Jeder hat nach diesen schweren Tagen seine Narben davongetragen. Die Musik von Craig Armstrong schlägt dabei einen sehr dramatischen, teils sogar melancholischen Ton an, welcher diese eh schon bedrückende Atmosphäre nur noch verschlimmert und sicherlich den einem oder anderem eine Träne abgewinnen wird.

Die Schauspieler waren in der Darstellung ihrer sehr emotionsgeladenen Charaktere sicherlich nicht zu beneiden. Sei es der weibliche Part rund um Maggie Gyllenhaal und Maria Bello in ihren Rollen der Frauen der Verschütteten, oder aber auch die Männer wie Nicolas Cage oder Michael Pena, alle mussten sie ihr gesamtes Repertoire aufbieten, um den Personen die nötige Glaubwürdigkeit und Tiefe zu verleihen. Dabei enttäuscht keiner von ihnen. Man spürt den Schmerz, welcher in ihnen von Minute zu Minute wächst und schon bald in Verzweiflung umschlägt. Die Ungewissheit, die sie plagt lässt den Außenstehenden zu keiner Sekunde kalt und die Hoffnung auf ein gutes Ende ist stets präsent.

Oliver Stone hat es also geschafft, all diese Dramatik in knapp über 2 Stunden Laufzeit auf Zelluloid zu bannen und erstellt damit ein filmisches Porträt dessen, was in diesen jenen Tagen wirklich zählte: Zusammenhalt, Entschlossenheit, Mut und der Wille zu helfen. Die Menschen waren füreinander da und machten Unmögliches Möglich. Wahrlich eine Heldengeschichte wie aus einem billigen Groschenroman, doch hat es sich hierbei wirklich so zugetragen. Der Anfänglichen Skepsis zu trotz bekommt man mit „World Trade Center“ ein anrührendes und emotionales Drama geboten, welches es absolut würdig ist, über diese Menschen und ihre beispiellosen Taten zu berichten. Ein wichtiger Film, nicht nur für die amerikanische Bevölkerung!

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