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Filmkritik: „8 Blickwinkel“ (USA 2007)

März 21, 2008

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Es gibt Werke, die, wenn man verheißungsvollen Worten Glauben schenken mag oder sich von einem berühmten Cast beeindrucken lässt, den Eindruck erwecken als erwarte den geneigten Zuschauer eine äußerst sehenswerte und dazu vielleicht auch noch originelle Leinwanddarbietung, sodass einem freudigem Filmgenuss ja eigentlich nichts mehr im Wege stehen sollte. Doch wie so oft trügt der Schein und das Resultat, welches dann schlussendlich zu sehen ist, spiegelt so gar nicht das wieder, was die Macher und man sie sich selbst davon versprach. „8 Blickwinkel“ rutscht dabei ohne weiteres in diese spezielle Sparte Film, welche aufgrund einer innovativen Story und einem guten Trailer Lust auf mehr macht, doch schlussendlich dazuführt, dass so mancher aus dem Publik das Kino sicherlich etwas resigniert verlassen wird.

Dabei klingt das Grundkonzept ja schon mal sehr interessant. Wie der Titel bereits sagt, spielen die 8 Blickwinkel eine sehr große Rolle, jeder wird durch eine andere Person verkörpert, welche Zeugen des Attentats auf den US-Amerikanischen Präsidenten sind. Da sind die Secret-Service Agenten Thomas Barnes (Dennis Quaid) und Kent Taylor (Matthew Fox), die TV-Lady Rex Brooks (Sigourney Weaver), der amerikanische Urlauber Howard Lewis (Forest Whitaker), Präsident Ashton (William Hurt), der spanische Polizist Enrique und die Terroristen, welche sich für den Anschlag verantwortlich zeigen. All jene Personen besitzen ihre eigene kleine Episode, die ihre Beteiligung am Geschen aufzeigt und sich immer wieder aufs neue mit denen anderer Charakteren kreuzt.

So weit so gut, doch an der Umsetzung dieses Stoffes hapert es gewaltig. Dem recht unerfahrenen Pete Travis stand ein, mit solch berühmten Namen wie Sigourney Weaver, Dennis Quaid, Forest Whitaker, Matthew Fox oder William Hurt gefülltes, beachtliches Darstellerensemble zur Verfügung, aber man muss dieses eben auch einzusetzen wissen. Viele dieser renommierten Akteure spielen in „8 Blickwinkel“ deutlich unter früheren Leistungen, nur wenige stechen besonders aus der Masse hervor. Sigourney Weaver´s Rolle hätte von jedem anderen weniger bekannten Darsteller verkörpert werden. Ihre äußerst geringe Screentime lässt so gut wie keinerlei Raum um ihre Fähigkeiten zu entfalten. Matthew Fox hätte mal lieber bei seiner Serie „Lost“ bleiben sollen, eine derart blasse Performance hätte ich beileibe nicht von ihm erwartet. Letztjähriger Oscargewinner Forest Whitaker agiert sehr souverän und verleiht seinem doch recht gefühlsreichen Part viel Leben und Leidenschaft. Mimiken und Gestiken fassen die Persönlichkeit seines Pendants „Howard Lewis“ in äußert gelungenen Maße ein und dessen Storyzweig ist mit der fesselndste. Dennis Quaid brauch sich auch nicht zu verstecken, seine Darbietung als Thomas Barnes ist sehr authentisch gelungen und seine Liebe zu Präsident und Vaterland nimmt man ihm vollkommen ab.William Hurts Rolle als Präsident ist äußert nervtötend in Szene gesetzt, was aber weniger an ihm liegt, als an den oft unfreiwillig komischen Dialogen. Dazu aber gleich mehr. Alles in allem spielt Forest Whitaker aber wie so oft den Rest des Casts an die Wand, was aber diesmal auch nicht sonderlich schwer war.

Alle Blickwinkel sind von vielen Detail- und Fokusaufnahmen geprägt, stets wird nah an das Geschehen herangefahren, auf die Gesichter der Protagonisten gehalten und kurz darauf wieder die Perspektive gewechselt, aber das alles immer auf nächster Nähe. Man erlangt den Eindruck mitten im drin zu sein. Da dies wirklich sehr gut gelungen ist und auch einen der positiven Reize des Filmes ausmacht, gebührt Amir M. Mokri ein dickes Lob. Man verliert trotz der Hektik nie die Übersicht und kein Detail bleibt dem Zuschauer verborgen, der temporeiche aber genaue Schnitt unterstreicht die tolle Inszenierung nur noch. Vor allem am Beispiel der Verfolgungsjagd, so unrealistisch sie auch sein mag, erzeugen die dynamischen Cuts ein famoses Tempo und man ist wieder „voll dabei“, wähnt sich sozusagen hautnah am Straßenrand oder gar direkt im Auto sitzend.

Die Musik fällt eher durch ihre angenehme Zurückhaltung auf, denn durch pompöses Aufspielen. Einzig manche Actionszenen und die bereits angesprochene Verfolgungsjagd werden durch pulsierende, moderne Stücke unterstrichen, welche den Fluss der Szenen am Leben erhalten sollen. Alles in allem, ist die Sounduntermalung passend, mehr aber auch nicht.

Kommen wir nun aber zum absoluten Genickbruch von „8 Blickwinkel“, dem Drehbuch. So interessant die Idee rund um die verschiedenen Perspektiven auch sei, so gewollt der Versuch diese auch adäquat umzusetzen vorhanden zu sein scheint, gelang es den Machern nicht, dieses ohne Frage vorhandene Potential zu nutzen. Die jeweiligen Rückblicke, um das schicksalhafte Ereignis wieder und wieder zu beleuchten sind zwar gut gelungen, doch nach dem 3-4x Mal, in welchen die immergleichen Szenen gezeigt werden und die Änderungen erst viel zu spät oder einfach belanglos ausfallen, stellt sich unvermeidbar Langeweile ein. Hätte man sich nur auf die zum betrachten lohnenswerten Details konzentriert und nicht eine Beinahe-Wiederholung des vorher schon gezeigten angefertigt, wäre dies die sicherlich bessere Option gewesen. Leider kommt zu diesem strukturellen Mangel noch viel schwerwiegendes hinzu. Einmal die mangelnde Charakterausarbeitung, die oftmals lächerlich anmutenden Dialoge und ein amerikanischer Hurra-Patriotismus, der es in sich hat.

Zu ersterem aber sei gesagt, wo bestand das Problem darin, die Akteure angemessen vorzustellen, oder gar ein wenig ihre Vergangenheit zu beleuchten. Bis auf Barnes fehlt dies nämlich völlig und es ist schwer sich mit irgendeiner Person zu identifizieren, denn auf nähere Informationen zu ihnen, dem Grund ihres Handelns und die Beziehungen zwischen sich und anderen „Blickwinkeln“ wartet man vergeblich. So bleibt Whitakers Rolle, die des umsorgten Familienvaters, die menschlichste von allen und somit auch zugänglichster Winkel im Vergleich zu den übrigen tumben Stereotypen und deren vorhersehbaren Aktionen. Wenn dann noch nur so vor Pathos protzende Dialoge auftauchen und Amerika zur Nation Nummer 1 erklärt wird, dann ist die Lächerlichkeit perfekt und die Propaganda unübersehbar. Obgleich ein paar Storytwists Einzug fanden in den Plot so ist das Ende, in Anbetracht der vorherigen Aussagen und Geschehnissen, eine reine Selbstverständlichkeit. Wer sonst wohl könnte der große Retter sein, als ER und sein Gefolge höchstpersönlich und natürlich im gleichen Atemzug noch alle bösen Buben zur Strecke bringen. Das ist zwar in amerikanischen Produktionen sehr häufig der Fall, doch selten so dreist und mit der Schlaghammer-Methode inszeniert, wie in diesem Streifen.

Als Fazit bleibt nur zu sagen, dass obwohl handwerklich gelungen, „8 Blickwinkel“ zum Leidwesen seiner tollen Grundidee in der Durchschnittlichkeit verschwindet und aufgrund des äußerst unausgegorenen, plumpen Drehbuchs damit noch gut bedient ist. Die US-Sympathisierung setzt dem ganzen noch den Hut auf, denn wenn es schon in der Realität so oft aufgezeigt werden muss, dass die USA die Weltmacht schlechthin ist, so sollte man doch zumindest Filme davon verschonen.

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2 Kommentare leave one →
  1. September 25, 2008 2:39 pm

    Schon vor einer Weile veroeffentlicht, aber ich habe den Film jetzt erst gesehen und kann eigentlich dir in allen Punkten zustimmen.
    Was aber fehlt, ist fuer mich das ungelungenste am Film: Dass der letzte Blickwinkel beinahe autoritaer erzaehlt (zumindest sehr viel auch aus der Sicht von Barnes) und somit vieles vorher erzaehltes ueberfluessig macht. Ein wenig mehr Subtilitaet haette ich mir da gewuenscht. Achja, und der Schmalz am Ende war dann doch viel zu viel.

    Gruesse

  2. September 25, 2008 5:07 pm

    Da geb ich dir Recht, keine Ahnung warum ich dieses Details damals ausen vor gelassen hatte. 🙂 . Aber was den Schmalz anbelangt, oh ja…..der war mehr als zuviel….dicker auftragen geht kaum mehr.

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