Skip to content

DVD-Kritik: „Butch Cassidy und Sundance Kid“ (USA 1969)

März 29, 2008

Im Laufe der Filmgeschichte haben sich humoristisch angehauchte Produktionen ja stets bewährt, wenn es darum ging, das Publikum angemessen zu unterhalten. Seien es Filme mit gelungenen Slaptsickeinlagen, Screwball-Komödien oder eben auch die guten alten Buddymovies. Das Erfolgsgeheimnis für solch eine Art von Komödie scheint schnell erkannt. Man nehme zwei völlig unterschiedliche Protagonisten mit all ihren Eigenheiten, eine Story welche vollkommen auf die beiden zugeschnitten ist und lasse sie durch allerlei verzwickte Situationen stolpern, die sie trotz ihres grundverschiedenen Charakters nur zusammen meistern können. Was dabei heraus kommt strapaziert nicht allzu selten die Lachmuskeln der Zuschauer und die verantwortlichen Macher können sich nahezu immer über einen großen Geldsegen freuen.

Solch berühmt-berüchtigte Zweiergespanne gab es in den letzten Jahren zu Hauff, doch nur wenige sind auch heute noch in aller Munde. Seien es etwa Bud Spencer und Terence Hill, Riggs und Murtaugh aus der Lethal Weapon Reihe oder eben auch die beiden Banditen „Butch Cassidy“ und „Sundance Kid“, welche im gleichnamigen Film von 1969 nicht nur für gewaltige Einspielergebnisse sorgten und auch bei den Oscars mächtig abräumten, sondern zugleich auch einen der Begründer des obig beschriebenen „Buddy-Films“ bildeten.

Die Story ist dabei recht schnell erzählt. Butch Cassidy und Sundance Kid, ihres Zeichens erfolgreiche Ganoven, sind nach einem gescheitertem Zugüberfall auf der Flucht vor Kopfgeldjägern. Ihre Häscher im Rücken, reisen sie quer durch die USA bis nach Südamerika. In Bolivien, so der Plan, wollen sich die beiden ein neues Leben aufbauen, doch wer hätte geahnt, dass in ihrer neuen Walhheimat aber so mal gar nichts so ist, wie Butch sich das vorstellte. Resigniert gehen sie zunächst ehrlicher Arbeit nach, doch schon wenig später fallen sie in alsbald in ihre alten Gewohnheiten zurück und verdienen ihren Lebensunterhalt erneut mit vebrecherischen Machenschaften wie dem ausrauben von Banken. Die Lehrerin Etta, Sundance Freundin, begleitet sie dabei und hilft den beiden so gut es geht. Aber es dauert nicht lange, bis auch die Bolivianer genug davon haben ihr Geld an derlerlei Tunichtgute zu verlieren und schicken schlussendlich ihre gesamte Armee los, um Butch und Sundance das Handwerk zu legen…

Beginnt der Streifen vorerst mit einer stilistisch sehr gelungenen Stummfilmaufführung, welche so etwas wie die Vorgeschichte von Butch und Sundance darstellen soll und liegt danach erst einmal das Hauptaugenmerk auf der Vorstellung der Charaktere, behandelt die restliche Spielzeit fast ausschließlich die Flucht der der beiden. Diese Odyssee jedoch, ist derart amüsant in Szene gesetzt worden, dass der Film ganz ohne jeden Zweifel seinen Platz im „National Film Registry“ verdient hat, wenngleich es fraglich erscheint, ob dieser Erfolg auch gewährleistet worden wäre, hätte man nicht Redford und Newman als ungleiches Zweiergespann verpflichtet. Solch eine spezielle Art Film steht und fällt nun einmal mit ihren Protagonisten, von daher war es eine lobenswerte Idee von George Roy Hill auf diese beiden sympathischen Kerle zu setzen und dem noch recht unbekannten Redford mit diesem Werk zugleich den internationalen Durchbruch zu ermöglichen. Ihre freundschaftliche Beziehung zueinander macht so ziemlich den gesamten Inhalt des Filmes aus, wird aber aufgrund des eleganten Wortwitzes und den Querereien zwischen den beiden niemals langweilig. Es bereitet ungeheure Freude, den ihrigen Raubzügen beizuwohnen und dabei den oftmals sehr ironisch angehauchten Gesprächen zu lauschen.
Die dritte Gespielin im Bunde, Miss Ross, besitzt dabei eine eher untergeordnete Rolle und dient als weibliche Ergänzung, mehr aber leider nicht.

Auch sei der Einsatz des Sepia-Fabfilters zu Anfang des Filmes nicht unerwähnt, welcher sehr gut gelungen ist und dem ganzen schon in den ersten Minuten einen sehr realitätsnahen Anschein verleiht, denn die beiden Ganoven gab es ja wirklich und selbst deren Flucht nach Bolivien ist historisch belegt.

Die Bilder, eingefangen von Conrad L. Hall, haben anno 1970 den Oscar gewonnen, zu Recht wie man sagen muss. Tolle Landschaften, egal ob in den USA oder später in Bolivien, Drehort war ein kleines Dorf in Mexiko, bilden einen malerischen Hintergrund für das Treiben der beiden Outlaws und verleihen dem ganzen einen sehr entspannten Anstrich. Überhaupt, nimmt sich Hill für seine Charaktere sehr viel Zeit und lässt ohne viele Cuts einfach die Natur und seine Ganoven für sich sprechen. Dieser in narrativer Hinsicht sehr gemächlich inszenierte Ablauf sorgt dafür, dass der Zuschauer die Möglichkeit erlangt, die Personen mit all ihren Eigenheiten sehr gut kennen zu lernen und damit auch ihren jeweiligen Charakter gut einzuschätzen weis. Der kluge, wortgewandte, oftmals rechthaberische, aber stets geruhsame und faire Butch bildet den absoluten Gegenpart zum wortkargen, etwas ungebildeten und unauffällig wirkenden Kid. Aber beide verbindet eine innige Freundschaft zueinander, die sie bis zu ihrem Tode nicht zu trennen vermag. Unvergessen auch die Versuche der beiden Spanisch zu lernen, um für ihre späteren bolivianischen Raubzüge gewappnet zu sein. In diesen Momenten muss man Butch und Sundance einfach mögen und aufgrund der feinen humoristischen Züge in deren Gesprächen kann man um ein Schmunzeln einfach nicht umhinkommen.

William Goldmann legte in seinem Script sehr viel Wert darauf, dass Butch und Kid trotz ihres verbrecherischen Tuns nicht zu böse oder gar verrucht dargestellt werden. Das Gegenteil ist dabei der Fall. Man könnte die beiden als Gentlemandiebe ansehen, wenn man ihre Vorgehensweise bei all den Schandtaten genau betrachtet. Ihnen geht es nicht im geringsten darum wahllos Menschen zu töten oder andersartig Schaden anzurichten. Butch selber gesteht später im Film noch nie auf jemand geschossen zu haben, und das obwohl er zu den meistgesuchtesten Verbrechern des Landes zählt. Einzig Kids Schießkünste werden gleich am Anfang des Filmes eindrucksvoll demonstriert und lassen so keinen Zweifel daran, dass er nicht verschiedenartiger denn Butch sein könnte. Immer wieder rettet er ihn aus so manch brenzliger Lage, und doch, bilden sich nie ernsthafte Konflikte zwischen den beiden. Diese warmherzige Beziehung zueinander kann man also getrost als Paradebeispiel einer gelungenen Freundschaft ansehen, so, wie sie eigentlich sein sollte, aber in der Realität viel zu selten zum Vorschein kommt.

Gleichzeitig kann man in den beiden Protagonisten auch eine Versinnbildlichung feststellen, welche dem langsamen Niedergang des Wilden Westens ziemlich gleichbedeutend ist. Im Grunde genommen sind die beiden „Relikte“ einer schon bald der Vergangenheit angehörenden Zeit und versuchen krampfhaft an ihren alten Gewohnheiten festzuhalten und sich gegen den Fortschritt, in ihrem Falle der ehrlichen Arbeit, zu verwehren. Trotzig versuchen sie diese klar erkennbaren Zeichen des Wandels nicht wahr zu nehmen, der Versuch etwas zu ändern erfolgt erst viel zu spät. Etta Place´s Charakter Katharina Ross verzweifelt daran und setzt mit ihrem fortgehen den Schlussstrich unter ihre erfolglosen Bemühungen Butch und Sundance doch noch zu bekehren. Deren Schicksal ist damit so gut wie besiegelt und wird nach einem letzten Aufbäumen unweigerlich mit dem Tode enden. Ein sehr melancholischer Blick, den Hill hierbei aufsetzt, doch ist er zugleich ungemein passend für die Handlung des Filmes und aber auch der Geschichte des Landes.

Betrachtet man also die Einzelheiten des Streifens gelangt man zwar ohne jeden Zweifel zu dem Urteil, dass all die Lobeshymnen und Preise durchaus gerechtfertigt sind, doch bei zwei der 4 Oscars, den Statuen für die Filmmusik und den besten Song, fragt man sich doch kurz, nach welchem Maße die Jury damals urteilte. Der Song „Raindrops keep falling on my Head“ kommt im gesamten Film kaum zum Ausdruck bzw. überhaupt, ist die musikalische Untermalung recht spärlich ausgefallen und findet nur selten Einsatz. Das ist einerseits gut, denn so liegt das Hauptaugenmerk auf den herrlich fotografierten Naturaufnahmen und eben jenen beiden Protagonisten, doch in mancher Szene hätte das eine oder andere Musikstück mehr sicherlich seine Verwendung gefunden, denn toll anzuhören sind sie allemal. So verkommen allerlei Abschnitte dann auch wieder etwas zu ruhig, was leider bisweilen zu viel des Gutes ist, und, obwohl äußerst selten der Fall, das Tempo ein wenig stocken lässt.

Auch treffen die schon nach kurzer Zeit von Abwechslungsarmut geprägten Handlungssegmente sicherlich nicht jedermanns Geschmack, denn das Prinzip Raub/Flucht/ Planung nächster Coup findet dabei so gut wie jedes Mal Verwendung. Doch wer sich mit den obig genannten Kritikpunkten anfreunden kann, für den schuf Hill eine charmante, angenehm gelassene und unbekümmerte Westernkomödie mit Buddy-Anleihen, welche vor allem aufgrund seiner Lebendigkeit und dem über jede Kritik erhabenen Darstellerduo eines der zeitlosesten Werke des Westerngenres darstellt. Unvergessen auch die Fahrradszene, in welcher Paul Newman zusammen mit Katharine Ross auf dem „neumodischen Drahtesel“, von dem Lied „Raindrops keep falling on my head“ untermalt, umherkurvt und beide die heitere Stimmung vor der für alle so schicksalhaften Wende genießen.

Ein Film, welcher zu keinem Zeitpunkt der Hektik verfällt, sondern einen entspannten und launigen Filmgenuss garantiert. Wer auf harte Action und viele Feuergefechte steht, der sollte lieber mit anderen Produktionen Vorzug nehmen, denn „Butch Cassidy und Sundance Kid“ weist ganz klar andere Qualitäten auf, welche mit einem klassischen Western dann doch nicht mehr allzu viel gemein haben.


Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: