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Kurz reingeschaut: „Adaption“ (USA 2002)

April 20, 2008

Charlie Kaufman (Nicolas Cage) ist Drehbuchautor und arbeitet derzeit an einer Adaption des Romans „Der Orchideen-Dieb“ von Susan Orlean (Meryl Streep). Doch es will ihm absolut kein brauchbarer Stoff einfallen und das schlimmste ist, die Zeit drängt, denn seine Auftraggeber wollen Ergebnisse sehen. Und als ob das noch nicht genug für den armen Kerl wäre, will ihm sein Bruder Donald (Nicolas Cage) beruflich in dessen Autorentätigkeit nacheifern. Wie von selbst schüttelt er ein Script über einen Serienkiller mit multipler Persönlichkeit aus dem Ärmel und auch sonst läuft in seinem Leben alles perfekt. Als sich Charlie nicht mehr zu helfen weiß, greift er zum äußersten: Er fügt seinen eigenen Charakter in die Geschichte ein, mit ungeahnten Folgen…

Was sich Spike Jonze (Being John Malkovich) mit diesem Film ausgedacht hat, mag wohl so manchen Zuschauer erst einmal verblüffen. Nicolas Cage in einer Doppelrolle, ein Script über Orchideen und ein Film bzw. die Idee zu einem, im Film als selbigen. Klingt komisch, ist auch so. Aber entgegen aller Bedenken überaus unterhaltsam und in gewisser Weise faszinierend. Das liegt zu großem Teil an den gut agierenden Darstellern, wie auch an dem, obwohl recht speziellen, doch sehr durchdachten Handlunsbogen, welcher zu keinem Zeitpunkt der Langeweile verfällt. Dabei ist es aber gerade die Langsamkeit, die den Film bestimmt. Jene öde Leere in Kaufmanns Kopf überträgt sich auf das gesamte Geschehen und bietet somit einen interessanten Einblick in diese, im Grunde genommen langweilige Person. Würde man „Adaption“ einem Genre zuordnen wollen, wäre wohl das der „Tragikomödie“ am passendsten. So ziemlich alle Schmunzler werden durch den bedauernswerten Werdegang Charlies hervorgerufen, man weis teilweise nicht, ob man lachen oder weinen soll. Nur leider verpulvert Jonze die angenehme Stimmung der ersten beiden Drittel mit einem unnötig actionreichen Schluss.

Dieser lässt das vorangegangene in nicht gerade bescheidenem Maße einfach verpuffen. Auch ist das Ende unnötig kitschig geraten und manche Ideen wirken deplaziert oder um es deutlicher auszudrücken, einfach nur unnötig. Aber man kann die Wirkungsweise des Streifens trotz dieses Mankos nur schwerlich in Worte fassen. Zum einen werden dem Zuschauer interessante Zeitraffersequenzen der Evolution vor Augen geführt, zum anderen wirkt allein der aus einem Monolog bestehende Anfang sehr ansprechend. Was vor allem Nic Cage im schauspielerischen Bereich abliefert, ist sehr gelungen. Der Nebencast verliert anlässlich dieses „Cage-Zweiergespanns“ bedauerlicherweise ein wenig an Bedeutung. Meryl Streep ist darüber hinaus leider ein großer Nervfaktor, die anfängliche Sympathie für ihre Charakterin verschwindet spätestens, wenn die Kaufmans sich aufmachen, um Susan auszuspionieren und ihr folgenschweres Geheimnis entdecken. Das Chris Cooper für gerade diesen Film einen Oscar bekam, ist ein wenig unverständlich. Seine gute Leistung in allen Ehren, doch in Anbetracht früherer Rollen, ist diese Ehrung ein Witz. Ein spannender Aspekt jedoch ist, dass sich der Fortschritt von Kaufmanns Roman-Adaption im eigentlichen Film gewissermaßen selbst widerspiegelt. Nachdem er sich anfangs etwas schwer tut und nur langsam vorankommt bzw. auf der Stelle tritt, überschlägt er sich förmlich gen Ende und die Vorschläge von Donalds Lektor bezüglich der Eigenschaften eines guten Drehbuches bzw. Filmes, Charakterwandlung und überraschendes Ende, finden sich in der Realität wieder.

Doch leider wirkt dieses Konzept etwas daneben und schlägt sich schlussendlich negativ auf den Gesamteindruck wieder. Somit bildet Adaption zwar einen sehr äußerst gelungenen Autorenfilm-Ableger, doch krankt leider in starkem Maße an einem unnötig hektischen und deplaziert wirkenden Finale, welches von der vorherigen Faszination nicht allzu viel übrig lässt.

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