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Behind the Movies: Das Westerngenre vor und nach „Der mit dem Wolf tanzt“

April 25, 2008

Anlässlich meines Beitrages zum wiki.dvdb.de Schreib-Wettbewerbes hatte ich damals zusätzlich, zu der eigentlichen „Dances with wolves“ Kritik, auch noch diese History verfasst. Ich hoffe sie gefällt.

Das Westerngenre vor dem „Wolf“

Zuerst sei hierbei aber gesagt, dass die folgenden Zeilen nur einen äußerst groben Überblick gewähren sollen.

Seit vor ca. 105 Jahren mit „Der große Eisenbahnraub“ der erste Western in den Kinos anlief hat sich zwar seitdem so einiges in der Stilistik und Inszenierung der Filme verändert, doch seinen Grundfesten blieb dieses Genre bis heute stets treu. Existierte der wilde Westen bei Entstehung der ersten „Revolverstreifen“ selbst noch in Bruchstücken und wurden Verfilmungen solch berühmter Männer, wie etwa die von Jesse James, noch zu deren Lebzeiten vorgenommen, erinnern heute leider nur noch Legenden und Geschichten an die Ruhmeszeiten vergangener Tage. Doch mit dem heutigen Wissen, dass eine Vielzahl dieser heroischen Erzählungen nichts als reine Fiktion sind oder eben, um es weniger harsch auszudrücken, in starkem Maße von der Realität abweichen, hat sich das Bild jener Helden von damals bedauernswerter Weise in vielerlei Hinsicht gewandelt.

Doch wenden wir uns lieber den Ursprüngen dieses altehrwürdigen Genres zu. Aufgrund des großen Erfolges dieser neuen Art von Filmen bzw. des Filmes überhaupt, folgte in den darauf folgenden Jahren nach „Der große Eisenbahnraub“ eine wahre Welle von Genre-Produktionen, welche aber zu großer Zahl aus Kurzfilmen oder billigen B- und C- Produktionen bestand. Der Western verkam schon nach kurzer Zeit zu einem Fließbandprodukt und die Qualität der einzelnen Streifen war von starkem Wandel geprägt. Doch ein Name sollte dem Genre seinen Stempel aufdrücken wie sonst keiner anderer: John Ford. Er gilt als die Ikone des klassischen Westerns und bildetet zusammen mit anderen Genregrößen wie etwa Howard Hawks die, wenn man so will, Elite der Western-Regisseure. Seine Filme waren geprägt durch gewaltige Landschaftsaufnahmen, vornehmlich des Monument Valley, ausdauernden Kamerafahrten und er entwarf Geschichten, welche so zuvor nicht gesehen waren in derartigen Filmen. Bisher galten diese mehr als schnödes Beiwerk, denn wichtiger Teil eines Ganzen. Ford schuf den klassischen Western, so wie er heute noch gerne bezeichnet wird. Schnörkellose Teilung der Charaktere nach gut und böse, eine bewegende Story rund um Moral, Ehre und die Liebe und ein finaler Showdown.

Filme wie „Faustrecht der Prärie“ wurden zu Klassikern ihres Genres, zeigten Männer mit Anstand und Gewissen, welche gegen das Unrecht in den Krieg zogen, um die Bösen, meist Indianer, Rumtreiber oder Banditen, zu bekämpfen. Doch auf Dauer wirkte dieses Konzept leider eintönig, zu viele Werke entstanden nach genau diesem monotonem Muster und obwohl nur wenige an die Perfektion Fords heranreichten wurde es alsbald Zeit für eine neue Subkultur. Filme, welche ungeachtet der alten Markenzeichen tiefer in die Charaktere eindrangen und deren Handeln und ihre Absichten in Frage stellten, den umgangssprachlich genannten „psychologischen Western“. Einer der bemerkenswertesten dieser Art, ist sicherlich „Der schwarze Falke“, in welchem der Lieblingsdarsteller und gleichzeitig auch enger Freund Fords, John Wayne, die wohl beste Leistung seiner Karriere ablieferte. Überhaupt, gilt John Wayne als der Mann des Westens schlechthin. Angefangen als Stuntman arbeitete er sich in seiner langen Karriere zu einem der größten Idole Amerikas hinauf. Keiner verkörperte den lässig-coolen Cowboy, der bereitet war für seine Prinzipien zu kämpfen und dem Werte und Normen etwas bedeuteten, besser als er. Aber auch Namen wie James Stewart, Gary Cooper oder Randolph Scott sollten nicht unerwähnt bleiben, waren sie doch auch einige der bekanntesten Vertreter ihrer Zunft.

Doch schon in den 60ern entwickelte sich wieder ein neues, komplett andersartiges Subgenre, welche alle bisherigen Produktionen auf den Kopf stellen sollte: Der Italo-Western. Seine Hauptdarsteller waren Banditen, Mörder, Säufer, Revolverhelden, also so ziemlich das schlechteste was der Westen je hervorgebracht hatte. Sie alle hatten Dreck am Stecken und waren sich meist ihres eigenen Vorteils bedacht. Selbst gute Taten ihrerseits besaßen meist einen Hintergedanken um des eigenen Vorteils Willen. Männer wie Clint Eastwood, Franco Nero oder Lee Van Cleef betraten die Bühne und sollten diese für das nächste Jahrzehnt fest im Griff halten. Aber auch hier trat wieder eine wahre Massenproduktion hervor, welche den guten Ruf immer wieder schmälerte und nur wenige nennenswerte Genreproduktionen übrig lies. Der bekannteste seiner Art, wenn nicht gar beste Vertreter seines Genres aller Zeiten, ist wohl zweifelsohne „Spiel mir das Lied vom Tod“. Sergio Leones Abgesang auf den Western gilt bis heute als unumstrittener Klassiker, und das zu Recht. Er schaffte es gar Filme wie die Dollar Trilogie oder Django im Vergleich blass aussehen zu lassen, etwas das sonst niemand auch nur ansatzweise von sich hätte behaupten können.

Die Amerikaner versuchten gegen zu halten und brachten dank Sam Peckinpahs Gewaltorgie „The Wild Bunch“ oderJohn Sturges „Die glorreichen Sieben“ noch ein paar der sehenswertesten Werke ihres Jahrzehnts hervor, doch beider Seiten enormen Erfolges zu Trotz, war das Genre Anfang der 70er am Ende. Es folgten zwar über die nächsten Jahre weitere Filme zu Hauff, doch kaum einer von ihnen konnte an die alten Erfolge anknüpfen. Allen voran Eastwood versuchte zwar mit Titeln wie „Der Texaner“ oder „Pale Rider“ wieder Schwung ins angestaubte Thema zu bringen, doch dies blieben kurzzeitige Stopps auf dem unweigerlich gen Ende gehenden Siegesmarsches des Western. Man hatte sich schlicht und ergreifend satt gesehen und die Werte und Gedanken der Menschen, wofür das Genre einstmals stand, waren längst veraltet, nicht mehr zeitgemäß, genau wie dieser Typus Film selbst. Standen die Verfilmungen damals noch für den „American Way of Life“, für eine Vision einer gesamten Gesellschaft, als Spiegelbild ihrer Vorstellungen, so musste man sich nun damit abfinden, dass sich die Zeiten eben änderten. Bis zum Kinostart von „Dances with wolves“.

Das Westerngenre nach dem „Wolf“

Angespornt durch den finanziellen Erfolg von Costners Werk und die wieder entdeckte Liebe zu diesem Genre versuchten sich im Laufe der nächsten Jahre (wieder mal) einige namenhafte Regisseure daran, vergangenes wieder zu beleben und eine neue Generation des Western-Filmes ins Leben zu rufen. Leider ward dies nicht sonderlich von Erfolg gekrönt, denn obgleich solch Perlen wie Clint Eastwoods mehrfach oscarprämiertes „Erbarmungslos“ oder „Tombstone“ mit Kurt Russel und Val Kilmer in den Hauptrollen qualitativ überragend waren, ist die Begeisterung des Publikums schneller wieder verebbt als jemand „Hände hoch“ sagen konnte.

Der kleine, eingeschworene Fankreis nahm es natürlich mit Freuden auf, dass vor allem Costner mit „Wyatt Earp“ und „Open Range“ noch zwei weitere nach klassischem Muster gestrickte Filme auf die Leinwand brachte, doch das blieb mit Näherung und Überschreitung der Jahrtausendwende die Ausnahme. Einzelne Produktionen wie „The Missing“ oder der australische Ableger „The Proposition“ waren dann schon weniger Western denn Drama mit einzelnen Elementen von erstgenannteren. Diesem Trend folgte auch der letztjährig erschienende „The Assassination of Jesse James“, nur James Mangolds „3:10 to Yuma“, welches ein Remake des 1957 erschienen „Zähl bis drei und bete“ darstellt, versucht sich einmal mehr an den alten Tugenden. Andere Produktionen wie „Broken Trail“ mit Robert Duvall oder „Seraphim Falls“ mit Liam Neeson hatten es zum Leidwesen der Fans noch nicht einmal ins Kino geschafft, Direct to DVD Produktionen waren die Folge.

Nun heißt es abwarten, was die Zukunft bringen wird. Gewiss, die goldenen Jahre sind schon seit mehreren Jahrzehnten vorbei, doch solange es immer wieder sporadisch auftauchende Unternehmungen dieser Art gibt, wird der Hunger nach dieser ganz besonderen Art Film sicherlich zumindest für die nächste Zeit ausreichend gedeckt bleiben.

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