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DVD-Kritik: „16 Blocks“ (Deutschland/USA 2006)

April 30, 2008

Korruption ist ein Thema, welches in unserer heutigen Gesellschaft leider immer mehr an Bedeutung gewinnt. Sei es die pure Geldgier oder eben angesichts der Fraktion der Ordnungshüter, das fast schon an Irrsinn grenzende Bestreben nach „Gerechtigkeit“ um jeden Preis. Aussagen werden gefälscht, Zeugen eingeschüchtert, Beweismaterial verändert und es geht soweit, dass nicht selten sogar Menschen Opfer dieses Wahnsinns werden. Die Schuldigen bleiben dabei leider viel zu oft unerkannt. Doch es gibt Tage, an denen vielleicht nicht alles so läuft, wie es hätte laufen sollen. Ein Zeuge. Ein Zeuge, der all die Grausamkeiten unfreiwillig beobachtet und somit zur Zielscheibe der Täter wird.

Genau das passiert dem Kleinganoven Eddie Bunker (Mos Def) in dem Film „16 Blocks“, für dessen Regie sich der allseits bekannt-berühmte Richard Donner (Lethal Weapon I-IV) auszeichnet. Bunker wird Zeuge einer Aktion von Polizisten, welche durch unerlaubte Mittel und Gewaltanwendungen den Tod eines unschuldigen Menschen zu verantworten haben. Doch bevor die Jungs sich ihm annehmen können, wandert Eddie durch einen unglücklichen Umstand im Gefängnis. Als er dort von seinem Erlebnis berichtet, wird der alte, lädierte und zudem noch alkoholabhängige Jack Mosley (Bruce Willis) damit beauftragt ihn nur 16 Blocks weiter zu Gericht zu bringen, sodass die zuständige Staatsanwältin dort Eddies Aussage aufnehmen kann. Doch die korrupten Polizisten, zu denen auch der Ex-Partner Jacks gehört, haben ihren Beobachter keineswegs vergessen. Und als der erste Versuch sich diesem zu entledigen scheitert, beginnt für die beiden Gejagten ein Spiel auf Zeit mit nur einem Ziel: Vor 10.00 Uhr lebend im Gericht zu erscheinen. Doch dies wollen die Verantwortlichen, welche sich bis auf die höchsten Führungsebenen erstrecken, natürlich mit allen Mitteln, egal ob legal oder illegal, verhindern…

Das Besondere an „16 Blocks“, ist sicherlich die Idee, dass der Zeitrahmen der Geschehnisse im Film zugleich auch in etwa die Laufzeit des Streifens darstellt, die Handlung also in Echtzeit erzählt wird. Doch dieser Einfall ist leider nicht mehr der allerneueste. So ist dies bereits das Markenzeichen der berühmten TV-Serie „24„. Was dort aber so hervorragend gelingt und vor allem äußerst innovativ in Szene gesetzt ist, wirkt hier alles ein wenig unausgegoren. Viele Zusammenhänge und Zeitabschnitte passen nicht ganz zusammen, manche Szenen wirken lieblos aneinandergereiht. Der sonst so flüssige Ablauf, wird immer wieder an den verschiedensten Stellen gestört und die Spannung dadurch erneut herausgenommen. Dieses ständige Auf und Ab stellt zwar sicherlich ein realistisches Bild dar, doch leidet das Tempo des Films sehr darunter. Die Ruhepausen sind schlicht und ergreifend zu lang.

Bruce Willis ist für seine Rolle des Jack Mosley ohne Zweifel die Idealbesetzung. Kein anderer hätte den heruntergekommenen Polizisten besser spielen können, als Mister „Die Hard“ höchstpersönlich. Solche Charaktere sind ihm wie auf den Leib geschrieben und nie war er in seiner erfolgreichen Karriere besser, als wenn er solche ungewollte „Heldentypen“ verkörperte. Mos Def (The Italian Job, Monster´s Ball) bringt den allseits plappernden Eddie zwar sehr gut rüber, doch nagt seine Person schon nach kurzer Zeit am Nervenkostüm des Zuschauers. Das ewiges Gerede über die Zukunft, das Leben, seinen Berufswunsch, diese Sache…all das macht ihn als Menschen zwar sehr authentisch, doch nicht gerade selten ist es zuviel des Guten und man wünscht ihm einen Maulkorb. Da wäre nun also noch David Morse (Proof of Life, 12 Monkeys), welcher ja schon in unzähligen Nebenrollen sein Talent bewiesen hat. Und auch hier macht er dabei keine Ausnahme. Als Jacks Expartner liefert er eine hervorragende Leistung ab und schafft es dabei, seinen doch recht unsympathischen filmischen Gegenpart, sogar das eine oder andere Mal liebenswert erscheinen zu lassen. Sein Bestreben ist vom Grund her ja nicht falsch, nur versuchen er und seine Kollegen dieses im gänzlich falschen Stil durchzusetzen. Hierbei wird gekonnt mit den Gefühlen des Zuschauer gespielt, denn die Sympathie für Morses Charakter Frank ebbt bis zum Ende hin kaum ab. Verantwortlich dafür ist auch sein ständiges Bestreben danach, dass Jack nicht geschadet wird. Er ist einfach nicht böse genug. Dies lässt sich anhand des Alternativen Endes nur noch mehr bezeugen.

Die Storyline ist nicht sehr kompliziert gestrickt. Im Gegenteil. Den Zuschauer erwartet eine Geschichte, welche vom Grundprinzip her schon seit Beginn des Films in selbigem zu sehen ist. Ein eigentlich guter Mensch hat schwere Probleme, doch dann kommt ein Moment, wo ihm die Augen geöffnet werden und er erkennt, dass er etwas tun muss. Zum Schluss hin, stellt sich heraus, dass er selber zu den Bösen gehört, seine Gräueltaten aber bereut und wieder gut machen will. Über dieses Schema F kommt der Film leider die ganzen 90 Minuten nicht hinaus und das ist wirklich schade. Durch ein besseres Drehbuch von Richard Wenk wäre bei dem Cast sicherlich mehr drin gewesen.

Ein Großteil der Spannung oder eben auch der Atmosphäre ist dem Mann hinter der Kamera, Glen MacPherson, zu verdanken. Durch gut eingesetzten Schwenks und einigen ungewöhnlichen Einstellungen begleitet er das Geschehen stets passend ohne dabei einen gewissen Grad an Realismus zu verlieren. Vor allem die Actionsequenzen sind dadurch sehr ansehnlich geworden und wirken zu keinem Zeitpunkt in irgendeiner Weise übertrieben. Dazu gesellen sich handgemachte Stunts in Old-Schoolmanier, so wie Fans es lieben.

Zudem ist der Score von Klaus Badelt sehr gut gelungen. In ruhigen Momenten dominieren etwas langsamere Themen und dann, sobald wieder Fahrt aufgenommen wird, untermalen schnelle, moderne und vor allem kraftvolle Stücke das Treiben auf dem Bildschirm. Der Schnitt tut dabei sein Übriges und ist genau wie die Musik mal schnell und hektisch, als auch oft sehr gemächlich in seiner Ausübung. Eben eine solide Arbeit aller Beteiligten.

Richard Donner gelang mit „16 Blocks“ ganz gewiss kein Geniestreich. Zu harm-und Innovationslos ist die Story, zu Groß die Unterschiede der Qualität einzelner Segmente im Film selber. Ein ständiges Auf und Ab, welches zudem nicht einmal einen richtigen Höhepunkt besitzt. Vieles kratzt leider nur an der Oberfläche zu etwas besseren, ohne dabei über die die Durchschnittlichkeit heraus zu kommen. Somit erwartet den Zuschauer mit diesem Streifen ein grundsolider Film, dessen größtes Plus sicherlich die hervorragenden Darsteller sind, welche aber wiederum, durch die sehr vorhersehbare und oft behäbig inszenierte Storyline, in ihrem Handeln sehr eingeschränkt werden. Manch überraschende Wendung oder etwas unvorhergesehenes wären hierbei sicherlich ratsam gewesen und hätten den Film aus der Durchschnittskost herausgehoben.

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