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Kurz reingeschaut: „Todesmelodie“ (Italien 1971)

Mai 1, 2008

Juan Miranda (Rod Steiger) ist ein Bandit wie er im Buche steht. Doch sein größter Traum ist es, die ihn seit Kindheitstagen faszinierende, Bank von Mesa Verde auszurauben. Doch wie soll er das anstellen. Da kommt ihm der ehemalige irische Terrorist John Malloy (James Coburn) gerade Recht. Nach anfänglichen Auseinandersetzungen zwischen den beiden, welche ein kaputtes Motorrad und eine explodierte Kutsche zu Folge haben, kommen die beiden überein. Malloy ist ein begnadeter Sprengstoffexperte, also genau der Richtige, um die dicken Mauern des Gebäudes zu durchdringen. Bis es aber soweit ist, und „Juan und John“ oder „Johnny und Johnny“ an ihr Ziel gelangen, wird eine ausgedehnte, mit allerlei spaßigen Momenten gespickte Zeit vergehen, in welcher sie entgegen ihrem Willen immer mehr in den Strudel der gerade währenden Revolution gesogen werden….

Sergio Leone gilt unlängst als einer der renommiertesten und dienlichsten Regisseure unserer Zeit. Insbesondere seine Verdienste im Bereich des Westerngenres können gar nicht oft genug wiederholt werden. Filme wie „Spiel mir das Lied vom Tod“ oder die „Dollar-Trilogie“ gelten als Meilensteine des Italofilms, besser bekannt, als „Spaghetti-Western“. Auch seine letzte Regiearbeit bietet dabei keinerlei Ausnahme. So wartet diese neben einen verdientem Zweiergespann um Oscargewinner Rod Steiger und James Coburn mit dessen Leone typischen Inszenierung und Stilistik auf. Seine Handschrift vermag in jeden Detail wieder erkannt zu werden. Mit der Folge, dass man in die so ziemlich gleiche, eindrückliche Atmosphäre hineingezogen wird, wie es schon bei früheren Werken des Meisters oftmals der Fall war. Altbekannte kameratechnische Raffinessen wie die unzähligen Detailaufnahmen der Gesichter aller Personen und eine sehr gemächliche Ausarbeitung der Bilder prägen den visuellen Eindruck des Zuschauers in besonderem Maße. Zugleich übernimmt Hauskomponist Ennio Morricone den musikalischen Part und was soll man zu diesem Virtuosen noch großer Worte verlieren. Dessen schon sarkastisch anmutende Score unterstreicht die starken Bilder derart gekonnt, dass sich eine ganz und gar perfekte, in sich harmonische, Symbiose entwickelt und damit wieder einmal aufzeigt, dass das Duo Leone und Morricone nichts zu trennen vermag.

Die Szenen vermitteln eine staubige, geradezu schwitzige Stimmung und die farbenfrohen, beinahe rein gewaschenen Rückblenden auf Johns Vergangenheit in Irland, bilden daraufhin passenderweise den perfekten Gegensatz. Sowieso, legt Leone sehr viel Wert auf eine genaue und ausführliche Vorstellung der Protagonisten, die erste viertel Stunde des Filmes gehört alleine Juan. Die Szene in der Kutsche und den ungewöhnlichen, etwas verstörend wirkenden und doch zugleich faszinierenden Kameraansichten der Münder aller Insassen zeugt von den filmischen und vor allem künstlerischen Qualitäten Leones und dessen Gefolge. Man beginnt sich mit Fortschritt der Handlung immer stärker mit John und Juan zu identifizieren, begleitet sie auf ihrem langen Weg durch das von den ungestümen Zeiten der Revolution geprägten Mexiko. „Libertad“, so das Schlagwort der in ihren Idealen unerschütterbaren Kämpfer. Ein unbarmherziger Krieg gegen das Regime, welcher in einem interessanten Zitat Maos zu Beginn des Films erläutert bzw. versucht wird zu definieren. Vorerst hat es den Anschein als wolle der Maestro uns eine amüsante Geschichte vorlegen, doch spätestens wenn gefangene Revolutionäre an die Wand gestellt oder wie Vieh in den Katakomben einer Bank zusammengepfercht werden, weis man, dass einen durchaus hier mehr erwartet, als locker leichte komödiantische Unterhaltung.

Leone führt einen den Schrecken jener Zeit vor Augen, mit welcher Unbarmherzigkeit versucht wird eigene Interessen durchzusetzen. Eine Verfolgung nach den Tätern sondergleichen, um jeden Preis. Man könnte beinahe dem Gedanken verfallen, dass Leone mit seiner auffallend emotionalen Inszenierung auf Geschehnisse des 2. Weltkrieg hinzuweisen versucht. Diese Interpretation lässt sich wie folgt erklären. Nicht selten sind die Freiheitskämpfer in schwarz gekleidet, mit Hut und Anzug (einem Rabbi gleich), der gnadenlose Cornel ist in seinem Handeln und auch äußerem Antlitz einem deutschen Kommandanten des dritten Reichs zudem nicht unähnlich. Ob diese Vermutung so zutreffend ist, vermag man nicht zu beweisen, doch so manche Einzelheit lässt dies glauben oder zumindest erahnen. Dabei scheut sich Leone nicht vor erschreckenden und erschütternden Bildern. Das Massaker in der Grotte wirkt, obwohl nicht zu sehen, angesichts der Leichenberge sehr intensiv auf die Gefühle des Betrachters ein. Auffallend ist des weiteren die Tatsache, dass bei freudigen Ereignissen oftmals eine Zeitlupe angewandt wird, als wollte man glückliches lange genug festhalten und vergangenes unvergessen machen. So ist Johns ehemaliges Leben in Irland fast ausschließlich mit Hilfe dieses Stilmittels gezeichnet.

Eine freudige Zeit, die mit Einzug der Revolution in seinem Heimatland ihr jähes Ende gefunden hat und ehemalige Freunde zu Verrätern werden lies. Die gleiche Situation findet sich nun in Mexiko wieder. Leone bebildert dabei sehr authentisch die Schrecken des Krieges. Vergisst dabei aber nicht die Taten der tapferen und mutigen Menschen in jenen unbarmherzigen Zeiten und erschafft somit ein Porträt einer solchen gewaltvollen Umstrukturierung, welche auch heute noch, nicht wenige Länder in ihren Krallen hält. Zum Schluss sei noch ein kleines Manko genannt. Leones gewohnt etwas träger und ausschweifender Erzählstil ufert in „Todesmelodie“ ein wenig aus. Mancherlei Szenen hätten durchaus eine kleine Straffung vertragen können, ziehen sich zuteil ein wenig. Dies und die klare Grenze, welche man angesichts seiner früheren Werke, die immer noch eine Klasse für sich sind und wohl unerreicht bleiben werden, unweigerlich ziehen muss, sind somit die einzig wirklich ankreidenswerten Dinge.

Im Endeffekt hat sich der altehrwürdige Regisseur mit Bravour von seinem geliebten Western-Genre verabschiedet, welches kaum ein anderer über so viele Jahre hinweg derartig prägen sollte. Eine Tragödie des Westens, in einer Zeit des unabdingbaren Wandels.

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2 Kommentare leave one →
  1. Mai 3, 2008 2:07 pm

    Was ist denn ein „dienlicher“ Regisseur? 😉

  2. dukesmovieblog permalink*
    Mai 4, 2008 11:24 am

    Wollte damit ausdrücken, wieviel er für die Filmgeschichte allgemein und natürlich allen voran für das Westerngenre geleistet hat :-).

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