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DVD-Kritik: „The good Shepherd“ (USA 2006)

Mai 13, 2008

Der Yale-Student Edward Wilson (Matt Damon) ist Mitglied in der Studentenverbindung „Scull & Bones“. Dort lernt er seine spätere Frau Clover (Angelina Jolie) kennen, sowie über einen Verbindungsfreund den General Bill Sullivan (Robert De Niro). Dieser rekrutiert Edward und einige andere für eine neue Organisation zum Schutze der vereinigten Staaten: Die CIA. Im Laufe der Jahre gelangt Wilson immer tiefer in dessen Machenschaften, vollbringt aber gleichzeitig eine beachtliche Karriere im Dienste der Agency. Doch seine kaputte Ehe, die schlechte Beziehung zu seinem Sohn, das Spionagegeschäft und das beständige Misstrauen gegenüber Aussenstehenden zerrütten immer mehr sein Leben…

Werter Herr De Niro, was haben sie nur aus diesem enorm facettenreichen und erfolgsversprechenden Stoff gemacht. Die Geschichte der CIA auf die Leinwand zu bringen, ein löbliches und vor allem interessanten Vorhaben. Den Cast mit allerhand bekannten Superstars zu besetzen, ein Publikumsmagnet, eine Geschichte um Liebe, Verrat, Spionage und das Vaterland, die Amerikaner werden ihnen zu Füßen liegen. Dies alles jedoch unübersichtlich, träge und viel zu gewollt hochtrabend zu inszenieren, auweia, das könnte wohl ins Auge gehen. Und so war dann es leider auch. An den Kinokassen blieb „Der gute Hirte“ weit hinter seinen hochgesteckten Erwartungen zurück. Werbung mit bekannten Namen allein reicht wohl heutzutage wirklich nicht mehr, um die Massen zu bewegen. Umso schwerwiegender sei dieser Vorwurf angesichts der durch die Bank phänomenalen Leistungen, welche De Niros Akteure abliefern.

Für einige waren es die Rollen ihres Lebens. So etwa der weibliche Brangelina Part, Angelina Jolie. Erstmals in ihrer Karriere bekam sie die Möglichkeit ernsthaft schauspielern zu können bzw. zu müssen. Ihre Rolle als vernachlässigte, mit sich und der Welt unzufriedenen Frau von Edward Wilson forderte ihr gesamtes Aufgebot an schauspielerischen Fähigkeiten. Und sie überzeugt. Und zwar auf der ganzen Linie. Man nimmt ihr jeden Kummer, jeden Schmerz, jedes noch so kleine Detail ihres bedauernswerten Daseins vollkommen ab. Sehr, sehr emotional das Ganze. Nun, Matt Damon. Zwar setzt er wie in jedem seiner Filme einen sehr einsilbigen Gesichtsausdruck auf, wirkt nicht selten etwas abwesend und geistig nicht wirklich nah am Geschehen, aber genau dies verschafft ihn, als Edward, zu enormer Authentizität. Die Rolle des langweiligen, geschniegelten und humorlosen CIA-Agenten, ist ihm wie auf den Leib geschneidert. Alec Baldwin, John Turturro, William Hurt und alle weiteren Darsteller, der schiere Wahnsinn. Man vergisst regelrecht, dass diese lediglich Nebenrollen innehaben, so umwerfend spielt jeder einzelne von ihnen auf.

Dazu gesellt sich eine verdammt atmosphärischer Score, stets passend dramatisch eingesetzt und enorm gewaltig in seiner Auswirkung. Präzise Schnitte und eine geruhsame Kamera setzen den positiven Eindruck fort. Ein stabiles Grundgerüst ist somit gesetzt, nun fehlt nur noch der Inhalt. Und genau da setzen sich klare Grenzen in den Fähigkeiten der Verantwortlichen nieder. Harmonie sieht anders aus. Ganz anders.

Denn der Rest von „The good Shepherd“ ist dermaßen unausgeglichen und fehlerhaft realisiert worden, dass man den Machern am liebsten direkt ins Gesicht sagen wollte: Wie konntet ihr die Idee nur auf diese Weise in den Sand setzten. Gewiss, gibt es Verständnis dafür, dass die Geschichte rund um die CIA und seine Machenschaften sehr komplexer Natur ist und sicherlich nicht zu den am leichtesten verfilmbaren Stoffen gehört. Dem ungeachtet sollte man trotzdem in der Lage sein, vor allem mit Hilfe derartig gewaltiger zur Verfügung stehender Mittel, jenes Vorhaben auf einer gewissen qualitativen Ebene umzusetzen wissen. Nach „The Bronx Tale“, war dieser Film als De Niros Durchbruch im Regiegeschäft erdacht. Doch er begeht den großen Fehler, sich mit seinem komplexen Drehbuch heillos zu überwerfen. Es ist ein zweischneidiges Messer.

Einerseits wünscht man den Film um einiges kürzer, um die kostbare Zeit nur für die wirklich wichtigen Storyelemente zu verwenden. Geht dadurch zwar viel Background verloren, so ergibt sich zumindest ein zugänglicher und sich leichter erschließender Filmgenuss für den Zuschauer. Andererseits, hätte man den Film locker noch einmal um mindestens eine Stunde länger machen müssen. Die Folge wäre, bei fortwährend langsamer und actionarmer Inszenierung, ein eher anspruchsvolles Vergnügen für einen Sitzfleisch gefestigten Betrachter. Gleichzeitig, und das ist das entscheidende, wäre nunmehr die Möglichkeit gegeben ausführlich auf alles einzugehen und den Storyplot, obgleich seiner Komplexität, ungemein verständlicher zu gestalten. So sind die lang klingenden 160 Minuten ironischer Weise die denkbar schlechteste Laufzeit, welche man wählen konnte. Irgendwo dazwischen, aber nicht wirklich überzeugend. Ein gewichtiger Fehler, der dem Film eine gewaltige Achillesferse verpasst, die bis zum Ende nicht zu verschwinden scheint. Es bleibt der ernüchternde Eindruck, das man gerade ein meisterhaft gespieltes Stück Filmgeschichte gesehen haben mag, welches jedoch angesichts der trägen und schwerfälligen Drehart in der zähen Masse dramaturgischer Mängel immer mehr verblasst.

„Der gute Hirte“ versucht das zu erreichen, was seinerzeit „Der Pate“ für den Mafia-Film bedeutete. Es wird das Gefühl eines Mammutwerkes suggestiert, doch dahinter verbirgt sich eine ungeordnete Aneinanderreihung historischer Ereignisse, ohne jede klar erkennbarer Struktur. Wer kein geschichtliches Hintergrundwissen sein Eigen nennt, der hat es schwer, den oftmals drastischen Zeitsprüngen, in Zukunft und Vergangenheit, zu folgen. Die kaum nachvollziehbare Veränderung der Personen tut dabei sein übriges. Einzig Clover werden ein paar Fältchen und graue Haare spendiert, der Rest bleibt so jugendlich wie eh und je. Und das der Sohnemann vom Vorschulalter binnen weniger Minuten zum Erwachsenen heranreift, ist viel zu rapide dargestellt. Es fehlen immer wieder Zusammenhänge der Geschichte, gewisse Zeitabstände, mehr oder minder wichtig, werden gegen Ende immer öfter außer Acht gelassen.

Angesichts dieser sehr viel Potenzial bietenden Story, ist es sehr schade, dass vieles so leichtfertig verschenkt wurde. Aus Gründen der Unachtsamkeit und nicht vorhandenem Gleichgewichtsempfinden. Das fehlen von actionreichen Szenen sei mal außen vorgelassen. Man kann es nicht als Langeweile bezeichnen, das Gefühl, welches sich zuweilen einstellt. Es ist nur Unverständnis. Unverständnis, weshalb die Macher es nicht geschafft haben einige auflockernde Variablen einzubauen, um dem Filmverlauf den entscheidenden Schliff zu geben. Die Unausgegorenheit ist es, welche De Niros Regiearbeit, man kann nicht sagen zu nichte macht, aber dennoch arg herunterzieht und einen sehr enttäuschenden Eindruck übrig lässt.

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3 Kommentare leave one →
  1. Mai 13, 2008 8:20 pm

    Ich weiß noch, wie ich mir diesen Film vor einiger Zeit auf DVD zugelegt hatte, mich wahnsinnig auf den Film freute, nur um dann mehr als enttäuscht zu werden.

    Ich stimme dir zu, dass es nicht an den Schauspielern liegt, dass der Film nicht funktioniert. Um es auf eine einfache Formel zu bringen: Er scheitert an seinem eigenen Anspruch.

    Er scheitert, weil er es in 160 Minuten nicht schafft Dramatik, Spannung, Leidenschaft, etc. zu erzeugen. Und somit wandelt der Zuschauer dann doch hart am Abgrund der Langeweile. Den Absturz vermeiden einzig und allein ein Teil der Schauspielriege, und die visuell gelungene Inszenierung.

    Und damit ist dieser Film leider Gottes nicht mehr als der reinste Durchschnitt. Und dieses Prädikat kann für dieses ohne Zweifel ambitionierte Projekt nichts anderes sein, als eine schallende Ohrfeige.

    5, bzw. 5,5 Punkte, sind auch in meiner Meinung die passende Bewertung für den „guten Hirten“. Schöne Review!

  2. isinesunshine permalink
    Mai 13, 2008 9:25 pm

    Ich wollte den Film eigentlich im Kino gesehen haben, bin aber irgendwie nicht dazu gekommen, die DVD habe ic auch (noch) nicht… Schönes Review!! Die DVD wird also vermutlich wenn überhaupt nur bei einem Megaschnäppchenpreis Einzug in meine Sammlung finden… Schade…

  3. The-Duke permalink*
    Mai 14, 2008 7:14 pm

    @ beide

    Danke für das Lob. Und ja, die Enttäuschung war sichtlich groß bei mir. C.H. drückt das Endresultat mit seiner „schallenden Ohrfeige“ absolut passend aus. Zu einem wahren Schnäppchenpreis kann man die DVD sicherlich kaufen, doch mehr, ist wohl „leider“ Geldverschwendung 😦 .

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