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DVD-Kritik: „Seraphim Falls“ (USA 2007)

Mai 16, 2008

Der Bürgerkrieg gehört der Vergangenheit an. Doch ein Mann kann nicht vergessen und kämpft unentwegt weiter. Er ist auf der Jagd. Auf der Jagd nach Vergeltung und Rache an dem Mann, der seine Familie auf dem Gewissen hat. Die Rede ist dabei von Colonel Carver (Liam Neeson), der weder Mühen noch Anstrengung scheut, den Schuldigen zu schnappen. In den verschneiten Bergen Nevadas ist es endlich soweit, er scheint seinem Ziel zum greifen nahe. Doch sein Gegenüber, der Ex-Offizier Gideon(Pierce Brosnan), hat keineswegs vor schon jetzt davon zu scheiden. Es beginnt eine Hetzjagd auf Leben und Tod, dessen Ausgang zu keinem Zeitpunkt vorherzusehen ist und die Männer zu einem letzten, finalen Aufeinandertreffen führen wird…

Die Story also scheint nicht die originellste zu sein. Eine Geschichte rund um Rache und Vergeltung zwischen zwei Männern war schon viele Male auf den Bildschirmen zu sehen. Auch Carvers Motiv, seine dahingeschiedene Frau und Kind zu rächen, bietet nicht wirklich Innovation im Genre. Doch das wahrhaft interessante dabei, ist der Schauplatz der Geschehnisse. Die Zeit nach dem amerikanischen Bürgerkrieg. Jener Krieg, welcher das Land dermaßen auslaugen sollte, wie kaum ein anderes geschichtliches Ereignis. David von Ancken, seines Zeichens absoluter Regieneuling, traut sich in seinem Erstlingswerk sichtlich etwas zu. Denn dem zweifelhaften Ruf, dass der Western und artverwandte Filme heutzutage Kassengift wären, scheint er keinerlei Beachtung zu schenken. Umso besser für den geneigten Filmfreund, welcher mit „Seraphim Falls“ wohl eines der besten Genre-Projekte zu sehen bekommt, was in den letzten Jahren das Licht der Welt erblickte.

Wie oben schon angesprochen bildet die „Nachbürgerkriegszeit“ den Schauplatz der Hetzjagd. Dabei geht es von den verschneiten Bergen bis hinunter in die sonnig-staubigen Tiefebenen des Landes. Angesichts der gewaltigen Landschafts- und Naturaufnahmen vergisst man zeitweise sogar den eigentlichen Film. John Toll bebildert dabei in phantastischer Art und Weise die unberührte Flora und Fauna des Landes. Reißende Flüsse, gigantische Berge und eben die endlos scheinende Ödnis der Wüste, in welcher sich nur selten Leben zu zeigen scheint. Man lässt sich Zeit die Bilder auf den Zuschauer wirken zu lassen und unterstreicht somit den sehr realistischen und vor allem rauen Ton, durch welchen der Film deutlich gezeichnet ist. Von Ancken übt keinen Versuch, an alte, klassische Vorbilder anzuknüpfen, welche stets auf Hochglanz gebügelt und geschniegelt daherkamen. Eher hält er sich an den Stil vergangener zeitgenössischer Genreproduktionen wie „The Missing“ oder „The Proposition“. Geheimnisvoll, düster, brutal und eben sehr realistisch inszeniert. Klaren Heldenfiguren sind genauso wenig zu erkennen, wie eindeutige Opferfiguren.

Die Charakterprofile unterscheiden sich untereinander nur in Nuancen, einzig so manche Feinheiten machen den entscheidenden Unterscheid aus, um Personen als sympathische Identifikationsfiguren anzusehen oder eben nicht. So bekommt man häppchenweiße, in Form einiger Rückblenden, die Beweggründe Carvers mitgeteilt. Woher sein unbändiger Hass auf Gideon überhaupt stammt und warum er so sehr von ihm Besitz ergriffen hat, dass die Jagd nach dem Offizier, zu seinem letzten und einzigen Lebensinhalt verkommen ist. Dabei ist Liam Neesons Leistung sehr beachtlich. Mimiken und Gestiken, ja seine ganze Körpersprache ist sehr ausdrucksstark. Als verbitterter Familienvater liefert er somit also eine wahre Glanzvorstellung ab. Doch wer denkt Pierce Brosnan würde dem nachstehen, der irrt. Und zwar gewaltig. Es ist kaum vorstellbar, aber der ehemalige Bond-Darsteller spielt hier regelrecht meisterhaft auf. Er schließt eindeutig ab, mit den alten Vorurteilen des Martini schlürfenden und Frauen verführenden Schönlings. Mit Vollbart, ungewaschen und ziemlich verwahrlost kommt er daher. Ein ungewohnter Anblick, denkt man an seine früheren Rollen zurück.

Schauspielerisch also, gibt es aber mal so gar nichts zu bemängeln, ein Top Cast, welchen von Acken für sein Erstlingswerk da zusammengetragen hat. Die Nebencharaktere sind souverän, vor allem Carvers sich später im mehr dezimierendes Killerkommando ist charakterlich sehr ausgewogen. Die verschiedenen Typen sind gut gewählt und bieten optische wie auch inhaltliche Abwechlung, durch ihre grundverschiedenen Eigenschaften und Ansichten. Selbst für diese raubeinigen Zeitgenossen entsteht so etwas wie Sympathie. Denn ein übliches Heldenideal gibt’s es nun einmal nicht. Ein zu begrenzter Fokus wird mit dessen Hilfe verhindert und lässt Spielraum, um alle Personen reiflich kennen zu lernen. Carvers Odyssee erstreckt sich dabei über einen sehr langen Zeitraum. Jahre über Jahre und er sieht sich seinem Ziel, Gideon das Leben zu nehmen, immer näher. Aber zu welchem Preis. Sichtlich, ist Neesons filmisches Ego verbittert und glaubt nicht mehr an ein freudiges Leben. Menschen, die ihm begegnen und beinahe naiv von ihrem Träumen und Handeln erzählen, fertigt er mit wenigen, aber harten Worten ab. Es gibt in ihm keinen Platz mehr für Liebe, Freude oder andere glückliche Momente.

Gideon jedoch, ist dabei ein recht ambivalenter Zeitgenosse. In mancher Hinsicht ein gnadenloser Killer, reagiert er jedoch im Hinblick auf die Tragödie um Carvers Familie sehr bestürzt. Er ist sich dessen durchaus bewusst, was er dem Cornel damit angetan hat. Doch wie er selbst sagt, es war Krieg und nun will er nicht mehr als in Ruhe gelassen zu werden. Es ist somit also sichtlich schwer, sich für einen der beiden Männer zu entscheiden. Man ist hin und hergerissen und weiß nicht so Recht, wer denn nun ärmer dran ist und das Leben mehr verdient hätte. Es ist ein wahres Psychoduell, was zwischen jenen altgedienten Kämpfern herrscht. Dabei begeht der Regisseurneuling jedoch einen eklatanten Fehler. Seine sicherlich gut gemeinte, sehr differenziert ausgefallene Filmstruktur erweist sich als misslungen. So beginnt van Acken furios mit allerhand schnell geschnittenen Sequenzen und der Jagd auf Gideon. Er lässt seine Protagonisten unzählige Meilen reisen, vorbei an Pilgern und Schienennetzbaustellen, alles übrigens enorme Schauwerte, nur um dann die zweite Hälfte des Filmes in die quälenden Wüsteneinöde münden zu lassen.

Das finale Duell zwischen Carver und Gideon wird dadurch zwar stark fokussiert und bildet eine leidige Spannung beim Zuseher, doch wenn man den rasanten Einstieg zu Vergleich zieht, fällt die zweite Hälfte des Filmes, rein unterhaltungstechnisch gesehen, deutlich ab. Das Pulver wurde zu schnell verschossen und die Erwartungen an die restliche Laufzeit steigen so in unerreichbare Höhen. Etwas mehr Ausgewogenheit zwischen den beiden Handlungsabschnitten wäre hierbei sicherlich ratsam gewesen. Auch begeht von Ancken gen Ende einen formalen und inhaltlichen Fehler, als er beide Männer beinahe unbewaffnet in die Prämie schickt. Wie soll der Showdown enden. Müssen sich die beiden nun etwa mit Steinen bewerfen?

Stattdessen fügt er mit dem Indianer und der geheimnisvollen Lady zwei neue, vorher noch nie gesehene Charaktere in das Geschehen ein, um dem ganzen Treiben noch einen Sinn bzw. eine plausible Lösung zu verleihen. Sofern der Indianer noch zu verkraften ist, auch wenn man sich fragt, was er denn nun mit seinen weisen Worten eigentlich zu bezwecken vermag, ist die Lady ein glatter Schuss in den Ofen. Mitten in der Wüste steht auf einmal eine Kutsche, mit einer Besitzerin, welche Wundermittel verkauft und den beiden Männern einen Revolver bzw. Kugel aushändigt. Sehr verwirrend und irgendwie unglaubwürdig das ganze. Als hätte man kurz vor Schluss bemerkt, dass durch die vorangegangenen Ereignisse kein Ende in Sicht sei und man noch schnell etwas einbauen müsse, um dem entgegenzuwirken. Lobenswerter Weise sind dies die einzig nennenswerten Fopas, der Rest überzeugt voll und ganz. Die Grobheit und „raue Stimmung“ des wilden Westens werden in bemerkenswerter Weise eingefangen, eine gewisse Brutalität dabei nicht außer Acht gelassen.

Im Endeffekt ergibt sich somit ein ausgezeichnetes Westerndrama, welches jedoch leider an einem unpassend drögen, wenn auch überraschendem, Ende krankt. Nichtsdestotrotz bekommt der Westernfreund mit „Seraphim Falls“ wieder einmal einen gelungenen Happen der spärlichen Genre-Kost spendiert, welche dieser Tage immer mehr an Seltenheitswert erlangt.

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5 Kommentare leave one →
  1. Pat permalink
    Mai 17, 2008 9:52 am

    Gefällt mir wieder mal sehr gut. Du hast mir mit deiner Kritik richtig Lust auf den Film gemacht. Trotzdem solltest du noch etwas auf deine Rechtschreibung acht geben. Besser ein mal mehr Kontrollieren als einmal zuwenig 😉

    Gruß Pat

  2. The-Duke permalink*
    Mai 17, 2008 10:36 am

    Jaja ich weiß, die Kommafehler 🙂 . Meine Schwäche, versuche aber das in zukunft etwas mehr auszubügeln ;). Rechtschreibung als selbiges dürfte aber eigentlich nix drin sein 🙂 .

  3. isinesunshine permalink
    Mai 18, 2008 12:43 am

    Hab noch nie was von dem Film gehört, aber dein Review macht wirklich Bock drauf.
    Was Brosnan ungewaschen und Vollbärtig angeht: den gab es auch schon als/in Robinson Crusoe… 😉

  4. The-Duke permalink*
    Mai 18, 2008 12:25 pm

    Es gibt inmitten der hunderten Robinson Crusoe Verfilmungen auch eine mit Pierce Brosnan? Das wusste ich ja gar nicht. Lohnt sich der Film denn?

  5. isinesunshine permalink
    Mai 19, 2008 12:20 am

    Insgesamt fallen die Kritiken eher nicht so toll aus, ich fand ihn aber nicht so schlecht wie der Rest der Welt 😀
    😉

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