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Kurz reingeschaut: „The Shootist“ (USA 1976)

Juni 14, 2008

Würde man heute in einer öffentlichen Umfrage bestreben herauszufinden, wer denn alles etwas mit dem Namen John Wayne anfangen könne, so sei getrost behauptet, dass die Mehrzahl diesen Mann kennen mag. Absolut plausibel, gilt der „Duke“ doch als eine Filmikone der 40er/50er und 60er Jahre, als ein Mann, der bis heute wie kein anderer symbolisch für das Westerngenre steht. Ein großer Schauspieler also, der in seiner langen Karriere hunderte Filme machte und davon zudem vowiegend noch die Hauptrollen innehatte. Umso tragischer wiegt daher für Fans sein Tod im Jahre 1979. Doch wie es sich für einen Helden gehört, verabschiedete er sich drei Jahre zuvor noch mit einem letzten Paukenschlag von der Bühne : „The Shootist“.

Darin spielt John Wayne den alten Scharfschützen J. B. Brooks. Sein Name ist Legende. Doch als ihm sein Arzt Dr. Hosteler (James Stewart) eröffnet, dass er Krebs im Endstadium besitzt, quartiert er sich für seine letzten Tage bei der nach außen hin sehr kühlen unnahbaren erscheinenden Witwe Bond Rogers ein. Doch die Nachricht seines baldigen Ablebens bleibt nicht lange im Geheimen und viele wittern die Chance aus Brooks Tod Kapital zu schlagen. Den Tod vor Augen muss sich der Revolverheld mit allerlei Gaunern, einer verflossenen, geldgierigen Ex-Liebe und Männern auseinandersetzen, die nur eins wollen: In unter der Erde liegen zu sehen. So kommt es zum letzten Showdown in einem Saloon, den wohl keiner lebend verlassen wird…

Mit dem Hintergundwissen, dass John Wayne zu Zeiten der Dreharbeiten selbst stark von Krebs gezeichnet war, erhält der Film unweigerlich eine ganz neue Note. Selbst an dieser todbringenden Krankheit leidend, dann gerade eine ebenso erkrankte Filmfigur zu spielen, so etwas kann auch nur der „Duke“ fertig bringen. Beachtenswert ist seine Leistung in diesem, seinem Letztlingswerk auf alle Fälle. Gerade eben durch diesen realen Bezug wirkt sein Schauspiel phänomenal authentisch und lässt von seinen früheren, oftmals ewig gleich eben-haften Darstellungen wenig durchblicken. Zerrüttet, gebrochen und mit dem Leben abgeschlossen, so hat ihn wohl noch keiner jemals auf dem Bildschirm zu sehen bekommen. Bedauerlicherweise fehlt dem Film aber dann doch die passend emphatische Melancholie. Egal ob durch audiovisuelle Spielereien, wie etwa passender Musik oder bildtechnisch bedrückender Szenen hervorgerufen, fehlt dies in „The Shootist“. Der Ansatz ist klar erkennbar, doch die abwesende Schwermut lassen einige Szenen leider weniger intensiv verkommen, als sie hätten sie werden können. Im Film selbst ist es 1901, eine Zeit, in der für Revolverhelden kein Platz mehr war. Die Moderne machte sich immer mehr breit im Leben der Cowboys. So wie im es im Film Brooks ergeht, so ist John Wayne selbst vom gleichen Schicksal ergriffen. Die neuzeitliche Inszenierung des Western, gespickt mit allerlei Kameravariationen und dem unvermeidlichen fortschrittlichen Anstrich passt nicht mehr so recht zu dem alten Haudegen. Fast schon ein wenig verloren wirken er und die ebenfalls frühere Schauspiellegende James Stewart inmitten ihrer Kulissen. Die Zeit scheint nun auch für sie vorüber zu sein.

Als unverkennbaren Genrevertreter kann man „The Shootist“ ferner auch nicht augenscheinlich bezeichnen, dafür wirkt die Aufmachung eben schlicht zu modegerecht respektive zeitgemäß der typischen 70er Regiearbeiten. Dennoch, ist der Film ein ein achtbares Zeitzeugnis eines der letzten großen Männer Hollywoods. Tolle darstellerische Leistungen, eine traurige, wenn auch etwas unpassend zu gewöhnliche Handlung und der Gedanke daran, dass es John Waynes letzter Film war, machen diesen Film zu etwas besonderem, der sich in Kleinigkeiten deutlich von seinen früheren Arbeiten abgrenzt. Ein ganz besonderer Abschluss eben, so wie es diese Legende verdient hat. Allen voran Fans des Dukes dürften den Streifen insofern mit einem flauen Gefühl im Magen betrachten. Am Rande sei nicht unerwähnt, dass der damals noch blutjunge Ron Howard eine größere Nebenrolle besaß, heute kennt ihn wohl jeder als einen der auf handwerklicher, d.h. qualitativer Ebene umstrittensten Regisseure unserer Zeit.

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