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Shorties: Von sprechenden Bienen bis hin zum Ende der Welt

Juli 5, 2008

Da ich die letzten Tage krank zu Hause rumhockte, hatte dies zumindest den Vorteil, schon längst überfällige DVD-Stapel abzubauen, allen voran ausgeliehene Sachen, die nun endlich wieder den Weg zu ihren rechtmäßigen Besitzern antreten können.

 

Schon in Harry Potter III ließ der Regisseur durchblicken, welch enormes cineastisches Potenzial in ihm steckt, jetzt, in diesem Film, hat er es vollends zum Ausdruck gebracht. Das erschütternde Endzeitszenario ist beeindruckend und erschreckend zugleich, die Menschheit steht kurz vor ihrem Untergang. Mithilfe der kargen, bedrückenden und von jeder Hoffnung beraubt geglaubten Atmosphäre inszeniert Alfonso Cuaron eine Schreckensvision, die es in sich hat. Tristes wo hin man sieht, zerfallende Gebäude, alte Autos auf den Straßen inmitten von antiquiert erscheinenden Fahrzeugen, es deutet nichts daraufhin, dass sich die Menschen im Jahre 2027 befinden würden – ein gewichtiger technologischer und humaner Schritt nach hinten trifft es wohl am ehesten. Unterstützt durch die dynamische Kamera und die selten eingesetzten Schnitte verfolgt man Clive Owen auf seiner Odyssee durch London, ganz dem Ziel ergeben, ein Neugeborenes und dessen Mutter in Sicherheit zu bringen.

Diese prickelnde Intensität und apokalyptische Stimmung verleihen Film in so weit ein ganz persönliches Flair und lassen vergleichbare Genrewerke in Vergessenheit geraten. Die musikalische Begleitung untermalt die ewig andauernde Trostlosigkeit zudem sehr adäquat und lässt das Gesamtbild in Folge dessen umso bedrohlicher erscheinen. Die subversive Gewalt, welche England fest in ihren Krallen hält, erscheint einem bei näherer Betrachtung nicht einmal mehr so fernab des Möglichen, wer weiß, ob nicht genau diese Situation auch in ein paar Jahren auf uns zuzutreffen vermag. Einzig die Schlusssequenz bietet Anlass zur Kritik, denn ein solch unverhofft aufkeimender Hoffnungsschimmer fügt sich nicht in das vorherige, betrüblich und pessimistisch gestaltete Raster hinein – hierbei hätte der negative Grundton des Streifens seine Vollendung finden können. Aber dennoch ist Children of Men“ ein sehr realistischer und gegenwartsbezogener Sci-Fi-Filme geworden, der die Zeichen der Zeit richtig deutet und einen klaren Appell an die Gesellschaft liefert.

Dem Action verwöhnten Betrachter wird womöglich der fehlenden Bombast etwas sauer aufstoßen, doch wer angesichts eines solchen heiklen Themas lieber über Effekte und Explosionen staunt, der hat die gewichtige Intention Cuarons nicht verstanden.

 

Grundsolider Animationsstreifen, der jedoch nicht mit den Filmen aus der Pixar-Schmiede und Konsorten mithalten kann. Von der Aufmachung her zwar schon, doch inhaltlich offenbaren sich einige grundlegenden Mängel. Die Vermenschlichung der Bienen ist dabei nichteinmal unbedingt als negativ anzusehen, der absolut unglaubwürdige Plot dafür umso mehr. Desweiteren konnten sich die Macher nicht auf eine moralische Lehre festlegen, immerzu schwankt diese zwischen „Rettet die Rechte der Bienen“ bzw. „Achtet die Tiere“ und „Die bösen Folgen der Störung von Natur-Kreisläufen“ hin und her, ohne so recht überzeugend und eindringlich zu wirken. Die Gags sind mal gut, mal schlecht, einige Einfälle und die Personen als selbige jedoch sehr ansprechend gestaltet. Als Animationsfan sollte man den Film gesehen haben, alle anderen können da aber auch getrost bei der Konkurrenz bleiben, denn Ratatouille und Co. sind da immer noch eine ganze Klasse für sich.

 

 Recht unbekannte Komödie von Doug Liman, die mit einem noch ziemlich milchgesichtigem Vince Vaughn aufzuwarten weiß. Es sind nicht die großen Lacher, welche den Film ausmachen, sondern vielmehr seine symphatische und realistische Gestaltung und die auf vielfältige Weise etwas sonderbaren, aber dennoch liebenswerten Charaktere. Ein kleiner Geheimtipp für Genrefreunde!

 

Auch hier gilt, genau wie bei „Bee Movie“, kann der Film gegen Pixar und die Dreamworks Konkurrenz zwar nicht anstinken, aber dennoch sieht man hier viel Liebe zum Detail. Und die im Dokumentarstil gehaltene Kameraarbeit ist mal was neues im Genre. Zudem sind die Animationen, insbesondere das Wasser sehr gelungen und ein Niedlichkeitsbonus, bedingt durch die kleinen flauschigen Pingus, ist auch vorhanden. Leider krankt der Film an dem Problem, das er nicht wirklich lustig ist, sondern vielmehr durch seine situationsbedingt amüsanten Momente und die individuellen Charaktere zu überzeugen weiß. Auch, scheint es so, als wäre das Grundthema vielleicht schon etwas zu vielschichtig, zumindest eben für die kleineren Zuschauer. Somit im Endeffekt also eher ein „Kinderfilm für Erwachsene“, der jedoch allein schon Freunden der kleinen „Frackträger“ einen vergnüglichen Nachmittag bescheren sollte.

 

Könnte man guten Gewissens als überdurchschnittlich gute TV-Produktion bezeichnen. Die Story ist natürlich ein reines Fantasieprodukt und auch sonst beeindruckt der Film weniger durch seine Glaubwürdigkeit, als die lockere und temporeiche Inszenierung. Nette Charaktere, schöne Haudrauf Kampfszenen, die mit viel augenzwinkerndem Humor angereichert wurden, sorgen ebenso für kurzweilige Unterhaltung, wie die geringe Laufzeit. Und mit Capri wurde einer der schönsten Schauplätze integriert, wo ich je gesehen habe, einfach traumhaft dieses Meer und die zerklüffteten Klippen. Wer keine Lust hat sich gleich wieder mindestens 3 epenhafte Stunden vor den Fernseher zu setzen, für den ist „Die letzte Legion“ genau das richtige.

 

Ein klasse Film über die heldenhaften Leben der Feuerwehrmänner. Wer Action erwartet, der hat die gänzlichen falschen Erwartungen. Realitätsnähe, Authenizität und eine gerechte filmische Porträtierung dieser mutigen Männer stehen klar im Fokus. Zuweilen artet es zwar etwas arg ins pathetische aus und die Sentimentalität wird schon beinahe unangenehm, doch der Rest ist ausgezeichnetes, intensives Gefühlskino, bei dem vor allem die liebgewonnenen Personen und deren tragische Schicksale eine große Rolle spielen.

 

 Ok, der Film kommt aus Korea. Der Regisseur ist aus Korea. Die Macher sind aus Korea. Ja selbst die Drachen sind koreanischer Abstammung. Doch was die Umsetzung des Streifens selbst betrifft, so lässt nicht mehr viel an die fernöstliche Herkunft erinnern. Zwar ist die unverkennbar auf westliche Maßstäbe gefertigte Inszenierung gewollt, um einen breiteren Absatzmarkt zu erreichen, doch zu welchem Preis. Würde der Film mehr auf traditionelle Elemente bauen und nicht versuchen zwanghaft massentauglich zu sein, dann wäre das Endprodukt aller Wahrscheinlichkeit nach zufriedenstellender ausgefallen. Solch ein krudes Zusammengewürfel von verschiedenen Filmen und Stilelementen ist mir selten untergekommen. Vor allem Godzilla schien wohl Vorbild zu stehen, denn ganze Szenen aus Emmerichs Werk sind in „Dragon Wars“ übernommen worden. Die reptilienartigen Wesen ähneln genauso ihrem Ur-Japanischen monströsen Vorbild, wie die Raketen-Kröten und allerlei andere Figuren an das Warhammer Universum. Ok, würde man diese miese Plagiatmache als alleinigen Grund nehmen, den Film zu zerreißen, wäre das ungerecht. Aber die letzten Zweifel genau dies zu tun, verschwinden spätestens nach vernehmen der schrottigen Dialoge, unterirdischen Darstellerleistungen und der hanebüchenen Storyline. Für was bitte schön wurden da 70 Millionen ausgegeben.

Die sind wohl zu 99% für die Effekte drauf gegangen, einer der wenigen Pluspunkte des Filmes. Die Animationen der Fantasiewesen und Schlachtenszenen sind atemberaubend visualisiert worden und bieten einige Hingucker. Aber Optik allein reicht dann eben doch nicht für einen guten Film. Ich empfehle dabei aber die Stellungnahme des Regisseur, welches im Bonusmaterial der DVD zu finden ist. Verfolgt man seine Ausführungen und erfährt, mit welchem Herzblut und Enthusiamus der ehemalige Komiker an die Sache heran gegangen ist und keine Mühen oder Anstrengungen scheute das Projekt durchzusetzen, kann man durchaus einen kleinen Symapthiebonus einfließen lassen. Aber schlussendlich bleibt „D-Wars“ dann abgesehen von seiner feinen Tricktechnik leider doch nur Big Budget Trash in Reinkultur.

 

Neutrale und ehrliche Studie über die derzeitige politische Lage in den USA. Robert Redford schafft mit Hilfe seiner drei Erzählebenen und ohne größere Effekthascherei ein klares politisches Statement, welches nicht aufzeigt, wer Sieger oder Verlierer ist, sondern schlicht aufmerksam darauf macht, in wie weit sich das Handeln des Bush-Regimes auf die einzelnen Teile der Bevökerung auswirkt. Unnötigerweise wirkt der Handlungsstrang rund um die beiden ehemaligen Studenten zu sehr pathetisch und mit dem schwingenden Hammer der Moral und Aufrichtigkeit inszeniert. Die Authenzität schwindet dabei zusehends hinfort und der unnötig auf dramatisch und herzergreifend konstruierte Schluss lassen die Neutralität dann doch kurz in Frage stellen. Dennoch hat Redford hier gute Arbeit geleistet und hinterlässt ein zwar kurzweiliges aber dennoch keineswegs einfältig agierendes Gesamtwerk, das zuweilen zwar etwas naiv an manche Teilbereiche herangeht, aber nichtsdestotrotz ehrliche und, so weit wie möglich, realitätsnahe Unterhaltung bietet.

 

Hoch interessante Geschichtsstunde über die McCarthy Ära und die damit verbundene Kommunistenhatz. Eine Zeit, in der die Bevölkerung von ihrer eigenen Regierung terrorisiert und verfolgt wurde und unzählige Leben durch Verleumdungen und sinnfreie Anschuldigungen zerstört wurden. Klasse Kamera und eine schlichte, aber dennoch ergreifende schwarz-weiß Bebilderung lassen die 50er Jahre gleichermaßen wieder aufleben, wie die stets zur Zigarette greifenden Darsteller und berühmt -berüchtigten Seitenscheitel auf den Köpfen der männlichen Protagonisten. Es tut gut, fernab vom neumodischen, weichgespülten Hollywood wieder zu sehen, wie die Männer und Frauen auf der Leinwand ihren schädlichen Lastern nachgehen, um sich hemungslos dem Tabak- oder Alkoholgenuss hinzugeben. Die Person Edward R. Murrow war und ist nicht nur wegen seines Schlagabtausches mit McCarthy zu Recht eine der Ikonen der amerikanischen Fernseh- und Nachrichtengeschichte und wird seinem renommierten Ruf entsprechend hervorragend in Szene gesetzt, David Strathairns engagierte Darstellung ist wahrlich oscarverdächtig. Negativ ist nur anzumerken, das Clooney den Zuschauer von Beginn an ins eiskalte Wasser wirkt und es diesem mit mangelnd vorhandenem Hintergrundwissen erschwert wird, allen Dialogen und ihren damals aktuellen Bezügen so recht Folge leisten zu können. Ungeachtet dessen grenzt es schon an Unfähigkeit von Seiten der Academy, dass dieses cineastische Meisterstück keine der begehrten Statuen mit nach Hause nehmen konnte.

 

 Sollte man den Film mit einem Wort beschrieben müssen: „Gäääääähhhhhnn“ wäre der treffendste Ausdruck dafür. Natürlich ist der kubricksche düster-visionäre Stil genauso beeindruckend, wie die üblichen technischen Spielereien von Spielberg. Weichzeichner und Überblendeffkte verleihen dem Film ein passend künstliches Antlitz. Und der philosphische Denkansatz von wegen „menschlich agierendes“ Roboterkind und die damit verbundenen moralischen Fragen und Auswirkungen auf dessen Psyche ist sehr interessant, doch die schnarchnasige Umsetzung macht aus dem guten Äußerem einen visuellen Blender. A.I. will ein modernes Märchen sein, welches sich vom Grundkonzept auch als ein solches bennen kann, doch die fehlende Dynamik und ermüdend lahme Erzählweise lassen die 140 Minuten, vor allem gen Ende, zu einer Qual verkommen. Ich habe sicherlich nichts gegen „langsame“ Filme, im Gegenteil, doch A.I. ist da einfach zu viel des guten. Der übetrieben auf die Tränendrüse drückende Schluss setzt dem ganzen dann noch die Krone auf. Hätte Kubrick den Film gemacht, dann wäre da wohl ohne Frage etwas besseres bei rausgekommen.
…dabei sind 0,5 Punkte „Teddy“ zu verdanken, so ein Spielzeug würde ich mir sogar heute noch wünschen, einfach knuffig der Kleine.

 

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4 Kommentare leave one →
  1. Juli 5, 2008 6:39 pm

    Hmm, meine Meinung zu „A.I.“ kennst du ja, also lassen wir das. 😀 Und kann es sein, dass jeder, außer Filmstarts, „Children of Men“ in den Himmel lobt? Müsste ich mir demnach vielleicht auch mal ansehen… 😉

  2. Juli 5, 2008 6:46 pm

    Japs, solltest du definitiv. Ich habe auch viel zu lange damit gewartet, bedrückend und ergreifend zugleich, was sich Alfonso Cuaron da für unsere Zukunft ausgemalt hat. Und Michael Caine als Althippie musst du gesehen haben, ganz große Klasse 🙂 .

  3. Juli 6, 2008 5:28 pm

    Naja… Bei mir kam der auch mies weg.

    http://www.kingu.de/2007/07/10/children-of-men/

    War von dem Streifen ganz und gar nicht begeistert. Aber, so sind nunmal die Geschmäcker. 😉

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