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Kurz reingeschaut: „The Missing“ (USA 2003)

Juli 7, 2008

Maggie (Cate Blanchett) lebt als Heilerin zusammen mit ihren beiden Töchtern und zwei Männern auf einer Ranch. Eines Tages jedoch erscheint ein alter Mann, ihr Vater Samuel (Tommy Lee Jones), der sie und ihre Mutter vor vielen Jahren einfach im Stich gelassen hatte, um Indianer zu werden. Sie weist ihn eiskalt ab und will nichts weiter mit ihm zu tun haben, als seine Wunde zu verarzten. Kurze Zeit später machen sich Brake (Aaron Eckhart) und sein Kollege mit den beiden Mädchen auf, um sich um die Kälber zu kümmern. Als sie bis zum nächsten Tag nicht wieder zurück sind, begibt sich Maggie auf eigene Faust in die Wälder, um sie zu suchen. Leichen und eine verschleppte Dot, ist das, was sie vorfindet. Während die baldigst eingeschaltete Armee in der falschen Richtung sucht, muss sie oder wohl oder Übel auf die Hilfe ihres verhassten Vaters zurückgreifen, wenn sie ihre Tochter leben wieder sehen will. Denn diese soll mit anderen Frauen in Mexiko für gutes Geld verkauft werden und der Kopf des Ganzen, ein alter, klumpfüßiger, indianischer Hexer ist ein harter Gegner, der sich nicht nur auf weltliche Mittel verlässt, um seine Widersacher aus dem Weg zu räumen…

Ron Howard ist schon ein sehr eigenes Tierchen, das unter Filmfreunden einen mitunter sehr zwiegespaltenen Ruf besitzt. Ist einerseits verständlich, andererseits sind so manche Hasstiraden dann doch etwas arg übertrieben, denn egal was man von seinen Regiearbeiten halten mag, dass sie stets großartig inszeniert sind müssten ihm selbst die größten Kritiker anerkennen. Das die Geschichten dabei stets ein wenig weiter hinten anstehen müssen, respektive qualitativ meist einfach nicht wirklich überzeugen, ist eine Schwäche, die Howard schon seine ganze Karriere über begleitet. Die Fähigkeit den Zuschauer zu fesseln, sei es mithilfe von Dialogen, Persongeflechten oder auch dem gewissen Aha-Effekt, ist ihm nicht vergönnt. Seine Ideen an für sich sind zwar gut, doch die Umsetzung lässt oftmals leider ein wenig zu wünschen übrig. So ergeht es auch seinem Ausflug ins Westerngenre, „The Missing“. Mit Tommy Lee Jones und Cate Blanchett hat er da zwei der bekanntesten Gesichter Hollywoods verpflichtet, speziell letztere hat schon zur Genüge beweisen können, dass sie eine hervorragende Charakterschauspielerin ist und sich auch vor komplexen Rollen nicht zu scheuen braucht. Ihre Glanzleistungen in den beiden „Elizabeth“ Teilen sagen dabei alles. Umso ungläubiger jedoch verfolgt man ihr agieren im Film, stets begleitet von dem Wunsch, dass dieser nervtötende Charakter doch endlich einmal verstummen sollte. Maggie ist ohne Frage keine einfache Persönlichkeit und wird folglich auch so drastisch dargestellt. Man kann man also weniger Miss Blanchet einen Vorwurf machen, denn den Drehbuchschreibern, die diese Person erst so nervtötend entwarfen. Unbelehrbar und widerwillig wie ein kleines Kind verhält sie sich immer wieder aufs Neue und sorgt mit ihrer ekelhaften Art für Unverständnis.

Sicher ist der Kontakt zum Vater der ausschlaggebende Punkt, doch genau hierbei liegt der Hund begraben. Viel zu oberflächlich grast Ron Howard das von Hassgefühlen und Enttäuschung geplagte Verhältnis der beiden ab, ohne jemals erkennbar in die Tiefe vorzudringen. Die Ansätze sind da, doch das leidige, oben angesprochene Problem, den Betrachter nicht in die Materie hineinzureißen, kommt jedes Mal aufs Neue wieder zum Tragen. Erschwerend die Erkenntnis, das Tommy Lee Jones nun einmal kein sehr emotionaler Darsteller ist, er lebt von seinem kantigen, unerschütterlich erscheinendem und dennoch sympathischen Äußeren. Gefühlsregungen nimmt man ihm nur schwerlich ab. Viel besser hingegen dabei die Leistung des Hexer-Darstellers, eine der zentralen Personen im Film, die aufgrund ihres ungewöhnliches Erscheinungsbildes und Fähigkeiten faszinierend und abstoßend zugleich auf den Zuschauer wirkt. Der Hexer verkörpert das pure, gnadenlose Böse und bildet somit einen hervorragenden Antagonisten. Die Aufmerksamkeit liegt bisweilen beinahe stärker auf dem Indianaer, denn den eigentlichen Protagonisten. Betrachtet man also die Handlung und dessen Figuren, so haben sich dort einige unübersehbare Ungereimtheiten eingeschlichen, die den Filmgenuss zuweilen etwas auf die Probe stellen. Der Funke will einfach nicht so recht überspringen, auch in Anbetracht der Rettungsmission und dem schrecklichen Schicksal, welches die entführten Mädchen erwarten würde. Ganz anders jedoch, ist die restliche Gestaltung des Filmes ausgefallen. Die Geschichte wird untermalt von traumhaften, wilden Aufnahmen der Schauplätze. Egal ob Berge, Wald oder Prärie – wohin es Maggie und ihr Gefolge verschlägt, werden sie begleitet von bombastischen Bebilderungen, die ihre Wirkung nicht im Geringsten verfehlen. Der mysteriöse und etwas fantasyangehauchte Unterton des Streifens wird überaus löblich von den visuellen Mitteln unterstützt. Auch sollte die melodramatische Musik von James Horner nicht vergessen werden, die dem Ganzen so etwas wie das atmosphärische i-Tüpfelchen aufsetzt. Schusswechsel wie dramatische Momente sind in perfektem Maße eingefangen und bieten gelungene Abwechslungen zum Rest.

Sicher blenden die optischen Schauwerte etwas über die zuweilen penetranten Charaktere hinweg, ganz vergessen kann man diesen Negativfaktor aber leider dann doch nicht. Auffallend auch die Tatsache, dass die Kinder jene unpflegliche Art von ihrer Mutter geerbt zu haben scheinen, denn auch diese sorgen oft weniger durch ihr eigentliches Tun, denn durch ihre schon naiv erscheinenden Dummheit und infolge dessen fragwürdigen Verhalten für Aufmerksamkeit. Filme, die ihren Fluss nur vorantreiben können, indem sie auf die Unfähigkeit der Personen bauen, sind normalerweise bereits unter allem Niveau. Ganz so im Argen liegt es hier dann zwar doch noch nicht, aber der Weg dahin wird schon viel zu oft eingeschlagen. Wenn auch nur leicht, verleiht es dem Film dennoch eine gewaltige Achillesferse.

Als Fazit bleibt also zu sagen, dass „The Missing“ ein gutes, neuzeitliches Westernvergnügen bereithält, wenn man sich denn auf den etwas paranormalen Anstrich einlassen kann, aber leider stark an den unsymphatischen Charakteren und der nötigen Intensive krankt. Mag man jedoch weite Landschaftsaufnahmen, Indianer, Schießereien und neuzeitliche Genreproduktionen im Allgemeinen, so sollte man auf jeden Fall einmal einen Blick riskieren.

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5 Kommentare leave one →
  1. Juli 8, 2008 12:34 am

    „Ist einerseits verständlich, andererseits sind so manche Hasstiraden dann doch etwas arg übertrieben, denn egal was man von seinen Regiearbeiten halten mag, dass sie stets großartig inszeniert sind müssten ihm selbst die größten Kritiker anerkennen.“

    Das ist es ja unter anderem, das Howard so derbe schlecht macht. Der Mann kann weder gut inszenieren, noch kann er eine Geschichte unvoreingenommen erzählen.

  2. Juli 8, 2008 6:17 pm

    Also hierbei könnten unser beider Auffassungen unterschiedlicher nicht sein 🙂 . Gerade die Inszenierungen mag ich ja so an Howard, doch was ihm fehlt, ist die inhaltliche Präsenz, die Substanz, die den Betrachter fesselt und mitfiebern lässt. Er malt wenn man so will ein ausdrucksloses Gemälde, optisch ansprechend, aber ohne weiteren, tieferen Sinn der einen mitzureißen vermag. So unterschiedlich können die Meinungen eben sein 😉

  3. Juli 10, 2008 11:01 am

    Der malt nicht, der verhunzt. Und das, was du hier Inszenieren nennst, ist das Ein-Mal-Ein des Filmemachens.

  4. Juli 14, 2008 5:47 pm

    „Kurz reingeschaut“? Dafür aber dann doch viel geschrieben 😉

  5. Juli 16, 2008 8:55 pm

    @ Kaiser

    Sicher ist es das Ein-Mal-Eins, doch trotzdem können das viele Regisseure immer noch nicht, auch in der Holywood-Sparte. Ich glaub, beim Thema Howard kommen wir nicht auf einen Nenner 😛 .

    @Rudi
    Jau, aber zu einer „richtigen“ Kritik fehlte mir dann doch noch so einiges 🙂

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