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Kurz reingeschaut: „A little trip to Heaven“ (USA/Island 2005)

Juli 21, 2008

Forest Whitaker in einer isländisch-amerikanischen Produktion. Was zuerst etwas verquer klingt, entpuppt sich dann aber doch, obschon der ungewöhnlichen Zusammenstellung, als eine recht homogene Kombination. Baltasar Kormakur, so der Name des Regisseurs, zeichnete sich bisher ausschließlich für skandinavische Produktionen verantwortlich, betrat dementsprechend mit „A little Trip to Heaven“ amerikanisches Neuland, vielleicht auch ein Grund für die Verpflichtung des derzeit recht angesagten Oscarpreisträgers.

Dieser arbeitet als erfolgreicher Versicherungsdetektiv, der die tatsächlich Geschädigten von den Betrügern unterscheiden soll, wenn es denn zur möglichen Auszahlung einer entsprechenden Police kommen sollte. Nicht immer ein einfacher Job. Nach einem tödlichen Autounfall in Minnesota wird Abe Holt (Forest Whitaker) damit beauftragt, die alleinige Begünstigte Isold (Julia Stiles), des Verunglückten Schwester, aufzusuchen und zu prüfen, ob ihr die Auszahlung in Höhe von 1 Million Dollar rechtmäßig zusteht, oder ob es sich nur um einen dreisten Schwindel handelt. In Folge seiner Ermittlungen dringt er immer tiefer hinein in ein Netz aus Lug, Trug und verwirrenden Geschehnissen in der Vergangenheit, die weitreichender gehen sollen, als er sich es je erahnt haben mag…

Eines gleich zu Beginn, die Versicherungs-Branche kommt in diesem Film nicht sehr gut weg. Der tagtägliche Kampf der Kunden um das ihr mehr oder weniger zustehendes Bares und die oft unlauteren Methoden der Firmen, um ihr Geld bei sich zu halten, werden ziemlich direkt und ungeschönt dargestellt. Da sind Videobänder von Überwachungskameras im Einsatz, werden klitzekleine Schuldfragenklauseln in die Verträge eingewebt, und, und, und. Besonders Abe ist ein wahrer Meister seines Faches, wenn es darum geht seinen Arbeitgebern viele Geldzahlungen zu ersparen, tiefschürfende Ermittlungen und Gerissenheit gehören zu seinen gewinnbringendsten Eigenschaften. Für das Menschliche bleibt da kaum Platz. Erst als er Isold kennen lernt und hinter die durchtriebene Fassade der Unfallgeschichte gelangt, kann er sich der anderen Seite zuwenden und versucht ihr samt Kind zu helfen. Die Story ist oberflächlich betrachtet nichts besonderes, doch die teils verwirrenden Ereignisse in der Vergangenheit und der unvermittelte Einstieg ins Geschehen lassen die Auflösung dann doch ungeahnt lange auf sich warten. Die kühle Tristesse der umgebenden Landschaft, das schlechte Wetter und die unterkühlte Stimmung erzwingen einen stark pessimistischen Ton, der nur selten durch etwas Humor bzw. spaßige und freudige Ereignisse unterbrochen wird.

Des weiteren fährt die Kamera ein sehr gemächliches Tempo. Hektik oder zumindest eine dynamische Schnelligkeit scheinen ein Fremdwort für Kormakur zu sein. Es wird viel Zeit darauf verwendet, das Visuelle wirken zu lassen, die oftmals auffallend emotionslosen Dialoge komplettieren das Ganze beiläufig nur noch. Am ehesten lässt sich der Stil wohl mit Christopher Nolans „Insomnia“ vergleichen. Auffallend aber sind zudem einige recht nette Aufnahmespielereien, wie die wie vereist wirkenden Brillengläser Abes, oder die Innenraumaufnahme eines Schneeballs, der von außen an ein Fenster klatscht. Es sind so kleine, aber feine Details, die dem eisigen Äußeren Leben verleihen, nur dann und wann Akzente setzen, ohne jemals große Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Überraschend flüchtig jedoch, werden die Charakterprofile tangiert und etwaige Handlungselemente nur geflissentlich angerissen, aber nicht vollendendet. Eine gelungene Skizzierung sieht definitiv anders aus. Interessante Details, wie die Geschichte des „echten“ Freds, sowie den Sinn der Beinzetrümmerung und auch ein paar mehr Einzelheiten bezüglich Abes Leben abseits des Berufs hätten immense, ausfüllende Verbesserungen in den Storyplot einbringen können. Obschon es natürlich zentral um die Frage geht, was es denn nun mit dem Unfall genau auf sich hatte, hätte das Drumherum nicht in solchem Maße hinten anstehen dürfen. Aber wie so oft verhilft Forest Whitaker auch diesem, nicht unbedingt mehr als soliden Film, zu einem besseren Gesamteindruck, da sein Schauspiel auch hier wieder beeindruckend zum Tragen kommt.

Zwar minimalistisch, aber mit durchschlagender Wirkung und ausdrucksstark wie eh und je. Julia Stiles, vielen sicherlich aus der „Bourne-Trilogie“ bekannt, agiert sehr souverän, zieht jedoch im direkten Vergleich mit ihren männlichen Pendants den Kürzeren. Was Emotionalität und die damit verbundenen Gestikulationen und Mimiken bedeuten, das muss sie noch ein wenig üben. Auffallend unauffallend ist hingegen die musikalische Begleitung gelungen, die sich mit ihren poppigen Sprachgesangvariationen lückenlos ins Raster einfügt, ohne sich großartig in den Vordergrund zu spielen. Das Szenario erreicht infolge dessen eine lobenswerte Stimmigkeit und wirkt in sich, entgegengesetzt der eisigen Atmosphäre, enorm vielfältig und keineswegs eintönig. Das bittere Ende versetzt dem Zuschauer dann noch so etwas wie einen kleinen Schlag in die Magengrube, ist wohl aber passend zum übrigen Kontext des Filmes, den sich Sonnenscheinliebhaber wohl besser nur schrittweise nähern sollten.

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2 Kommentare leave one →
  1. Juli 21, 2008 9:34 pm

    „A Little Trip to Heaven“ heimst bei mir einige Bonus-Punke ein: Unorthodoxes Thema, Noir-Setting, düstere Athmosphäre ohne echte Identifationsfiguren getaucht in eine Welt aus Schnee, Matsch und Regen, starke Schauspieler. Wenn ich mich recht erinnere, hab ich ihm auch 7 Punkte gegeben.

  2. Juli 22, 2008 8:57 am

    Was die Atmosphäre angeht, geb ich dir vollkommen Recht, bei der starken Schauspielerleistung im Falle von Julia Stiles eher weniger. Da hat irgendwie was gefehlt, bzw. den letzten Rest Authenzität hab ich da vermisst. Aber sonst auch: WORD 🙂

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