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Kolumne: Saw die fünfte, oder auch „ein beängstigendes Phänomen“

Juli 31, 2008
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Alle Jahre wieder kommt das Christuskind…ähm ich meine natürlich ein neuer Teil der Schnetzel-Reihe „Saw“ in unsere Kinos. Und wie jedes Jahr seit seit dem ersten Sequel sage ich mir: Wer zum Teufel gibt für solch einen Murks Geld aus? Kino ist eine Sache, doch das auch der DVD-Absatz derart reißend daher kommt, kann wohl nur an den zugegebenermaßen ansehnlichen Sonderverpackungen liegen. Muss wohl. Oder hab ich wirklich so einen schlechtem Filmgeschmack, dass ich über Meinungen von Jungen wie Mädchen gleichermaßen in meiner Altergruppe, wenn das Thema auf „Saw“ fällt, mir nur noch fassungslos an den Kopf greifen kann? Bin ich wirklich schon so weit meiner Generation entsprungen, dass ich den Jigsaw nicht für die coolste Sau im Universum halte und die Reihe als größte Meisterwerke unserer Zeit? Das ich in diversen Schülerforen lesen muss, dass 12-jährige, die die Filme eigentlich noch nicht einmal sehen dürften, die magischen drei Buchstaben plus Versionsnummer als ihre Lieblingsfilme angeben. Man beachte das Alter!! Dies würde nun aber wieder nur neue Diskussionen bezüglich elterlicher Verantwortung und dem Jugendschutz ergeben, von daher gehe ich da „vorerst“ nicht näher drauf ein. Aber ist es etwa wirklich unbemerkt an mir vorüber gegangen, dass ich nicht Spaß und Gefallen daran finde, mir eine Goreszene nach der anderen anzusehen, die nur durch ein infantil konstruiertes Gerüst, welches sich Story nennt, zusammengehalten wird? Trash, Splatter und vor allem der Begriff Horror sind das eine. Doch was ist denn bitte schön „Saw“.

Was bieten diese drei Buchstaben, dass die Gespräche im Bus schon jetzt, wenn es denn auf das Thema Film fällt, nur noch vom anstehenden neuen Teil handeln. Und selbstverständlich von den ach so noch brutaleren, blutigeren, ekligeren, böseren und natürlich vor allem „cooleren“ neuen Fallen, die auf die bedauernswerten Kreaturen namens Menschen, dieser Begriff wird dabei oftmals dezent bei Seite geschoben, warten und ihnen womöglich ein noch grausameres Ende bescheren werden. Ich bin beileibe kein zartbeseiteter Mensch, vor allem was die Medien angeht. Doch kann ich dennoch noch den Unterscheid ausmachen, für was die obig genanten Genrebegriffe stehen. Aber „Saw“ und auch die „Hostel“ Streifen bilden einen ganz neuen, bedenklichen Subbereich einer filmischen Stilrichtung, welche zwar im Laufe ihrer Entwicklung eine Vielzahl an verschiedenen Begriffsinterpretationen hervorbrachte, aber dennoch stets Grenzen kannte oder diese zumindest nur in entsprechenden Kontexten zu übertreten wusste. Doch es sind andere Zeiten angebrochen. Zeiten, in denen sich die im pubertären Wahn befindliche Jugend daran aufgeilt, Folterungen und sadistischen Ritualen beizuwohnen und dabei mehr und mehr Blutzoll verlangen. Mehr Grausamkeiten. Mehr Gewalt. Und natürlich, nicht zu vergessen, noch mehr Grausamkeiten. Hatten, nur um ein Beispiel zu nennen, diverse Zombiestreifen, man denke dabei nur an Altmeister George A. Romero, noch das Ziel eine Botschaft zu transportieren und dabei das Böse und den Schrecken als Mittel zum Zweck genutzt, so sucht man solcherlei Intentionen bei „Saw“ und Konsorten vergebens.

Alles wird bierernst genommen und dementsprechend emotionslos und teilnahmslos inszeniert. Hauptsache der Betrachter bekommt was fürs Auge. Und mir kann dabei keiner mehr kommen, von wegen Schockeffekt und Abschreckung. Viele der Zuschauer schauen sich die Filme zweifelsohne an, um all die sadistischen Sachen vors Auge zu bekommen, die sie im wirklichen Leben glücklicherweise bzw. hoffentlich niemals zu Gesicht bekommen oder gar erleben werden. Oder zumindest sollten. Eine Definition der Faszination „Horrorfilm“ fällt denkbar vielfältig und somit schwer eingrenzbar aus, sicherlich auch im Bereich des Interesses an betrachtender, aber nicht selbst widerfahrener Gewalt. Dennoch, gerade im Falle von Jigsaws Erben, sollte man sich vielleicht einmal Gedanken darüber machen, wie weit es eigentlich gekommen ist mit uns. Mord und Totschlag erwartet uns jeden Tag in den Nachrichten. Im Radio. In der Zeitung. Die Medien, egal ob Print oder Fernsehen sind voll davon. Und dennoch gehen wir Jahr für Jahr ins Kino und betrachten das nahgefilmte Zerstückeln von menschlichen Leibern, verursacht durch eine Person, dessen Charakter ja eigentlich schon längst den filmischen „Helden???“ Tod gestorben ist. Aber solange es ja noch Töchter, Söhne, Tanten, Opas und Enkel gibt, natürlich nicht zu vergessen Tonbandgeräte, die in schwer zugänglichen Örtlichkeiten gefunden werden, wird des Jigsaws Erbe wohl bestehen bleiben. Mindestens bis zum 6. Teil. Oder wie Buzz Lightyear es ausdrückte: „Bis zur Unendlichkeit. Und noch viel weiter“.

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18 Kommentare leave one →
  1. Juli 31, 2008 3:42 pm

    Ja, da steckt viel Wahres drin in deinem Text. Ich fand es damals als 12jähriger cool in „Jurassic Park“ ins Kino zu rennen und mit 14 habe ich mir nachts beim heimlichen „ALIEN“-Gucken fast in die Hose gemacht.

    Dann kam irgendwann auch die Splatterphase, in der halt „Braindead“ und konsorten geguckt wurden. Die heutige Jugend hat eben „Saw“ – das bedenkliche ist hier wirklich nur, wie viele Eltern ihre Aufsichtpflicht vernachlässigen. Wenn ich da von 12jährigen lese, kommen mir große Bedenken. Medienkompetenz ist bei der heutigen Jugend sowieso so gut wie nicht vorhanden. Ein interessantes und schwieriges Thema. Aber ich schweife ab…

  2. Juli 31, 2008 6:19 pm

    Klasse Geschrieben, und vor allem auch ein Wichtiges Thema.

    Das Stichwort, was in diesem Zusammenhang fallen muss, lautet: „Torture-Porn“. Das ist der einzige Sinn und Zweck der SAW-Reihe, und vor allem der Hostel-Reihe (Wobei ich den ersten SAW-Film da raus lassen möchte, der meiner Meinung nach noch ziemlich in Ordnung ist). Alle Nachfolger setzen hingegen auf den Gore-Faktor, der natürlich – der Pöbel möchte schließlich unterhalten werden – von Film zu Film steigen muss.

    Im Übrigen möchte ich Bullion ein wenig wiedersprechen. Die Titel, die er aufzählt ( z.B. Braindead) sind mit Filmen wie Hostel, und damit komme ich zur zweiten Reihe, nicht zu vergleichen. „Hostel“, und Insbesondere „Hostel 2“ erfüllen KEINEN anderen Zwecke als den Voyeurismus des Zuschauers an virtueller Gewalt zu befriedigen. Die Gewalt ist somit nicht unterstützendes Stilmittel (Wie z.B. in Tarantino „Kill Bill“), sondern einziger Sinn und Zweck.

    Ich war mal bei Schnittberichte.com und habe mir dort die Cut-Bilder von „Hostel 2“ angesehen. Alleine von den Stand-Bildern ist mir fast schlecht geworden. Es kann mir keiner erzählen, dass dieser Film in irgendeiner Art und Weise Kunst ist. Und meiner Meinung nach will jeder Rezensent, der diesen Film lobt, entweder plump provozieren, oder er weiß nicht wovon er spricht.

    Ich bin ja eigentlich entschiedener Gegner von Film-Schnitten, und damit der Zensur, aber die kürzlich erfolgte Beschlagnahmung von der Extended Version von „Hostel 2“ in Deutschland unterstütze ich.

    Also nochmal: Gut geschriebener Beitrag, mit dem du voll auf meiner Wellenlänge bist 😉

  3. Juli 31, 2008 6:46 pm

    @ Bullion:

    Jurassic Park und selbst Alien waren/sind ja nicht mal so verkehrt. Allgemein Horrorfilme sind absolut in Ordnung in ihrem Bestehen, auch von mir aus für etwas jüngere Zuschauer. Solange es sich eben in Grenzen hält. ABER, allein schon am Beispiel „Braindead“…das ist ein Film der die Brutalität und Gewalt derartig übertrieben praktiziert, dass es schon wieder ins das belustigende und nicht ernst zu nehmende Gebiet rutscht. Der Film ist ein Splatter, von mir aus auch ein wenig Trash und dessen Prämisse ist ganz klar: Ein zwar brutaler, aber dennoch amüsanter Zeitvertreib für den Betrachter, fernab jeder Realität.

    Aber bei „Saw“, und damit komme ich zu C.H. ;)…ist es (ich greife mal deinen Begriff auf) „Torture-Porn“ mit dem einzigen Sinn und Zweck möglichst ekeleregende und verachtenswerte Gewaltorgien abzuliefern, sodass sich der Betrachter daran ergötzen kann. Saw 1 nehme ich auch mal aus der Liste heraus, da er mir selbst gut gefallen hat und damals auch etwas innovatives bot. Doch was danach kam lutschte das bis dato bereits onehin schon nicht mehr überraschende Prinzip imm weiter aus – der einzige Unterschied: Der Gorefaktor nahm zu. Also auch hier ganz deiner Meinung.

    und zu der Beschlagnahmung von „HostelII“…löblich aber leider viel zu spät. Aber ich finde auch das dies hier ein wichtiges Thema ist und ehe sich die da oben wieder mal entschließen sollten, unnötg gigantische Altersfreigaben auf die DVDs zu pappen, sollten sie sich mal lieber die einzelnen Filme direkt angucken und solche Sachen wie etwa „Hostel“ oder „Saw“ gar nicht erst auf den freien Markt lassen. „Snufffilme“ sind doch auch verboten und so groß ist der Unterschied zu denen mittlerweile gar nicht mehr, wenn die Grenze nicht schon überschritten wurde.

  4. Juli 31, 2008 8:59 pm

    Sicherlich eine der schlechtesten Filmserien überhaupt, aber an SAW den geschmacklichen oder moralischen Verfall des Kinopublikums auszumachen halte ich für übertrieben. Nur weil sie einem selbst nicht gefällt, heißt das noch lange nicht, daß sie keine Daseinsberechtigung hat;)

    Ich empfehle zum Thema einmal die Lektüre folgenden Essays von M.Humberg, das einem zumindest mal einen anderen Blick auf das Thema gewährt und auch mir als Genrefreund einige neue Aspekte gerade im Hinblick auf Zensur und Beschlagnahmungspraxis im allgemeinen und speziell in Deutschland näher brachte.

    Zum Thema Medienkompetenz in unserer Gesellschaft möchte ich anmerken, daß ich dies für ein ganz wichtiges Thema halte. Leider müssen sich Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene diese selbst aneignen. Es ist kaum jemand da, der uns diese vermittelt. Welcher Lehrenden kennen sich wirklich in der Medienwelt aus? Früher war es einfach. Da gab es nur Radio, öffentlich rechtliches Fernsehen, Tageszeitung und die Stadtbibliothek mit ihren „vorzensierten“ Inhalten. In der Schnelllebigkeit des Internet Zeitalters, an dessen Anfang wir uns immer noch befinden bedenkt man wie lange es brauchte bis Gutenbergs Erfindung wirklichen Einzug in die Gesellschaft fand, hat die Entwicklung von Lehrplänen überhaupt keine Chance. Bis sie abgenickt sind hat sich schon wieder alles verändert und das was einem beigebracht wird ist kalter Kaffee.

    Selbst ich, der sich ungefähr seit 1997 fast täglich im Internet bewegt, mußte heute wieder staunen als ich über heise zufällig mitbekam, daß es mittlerweile Portale gibt, die aktuelle Filme komplett streamen. Da ist es ja schon fast absurd Medien aus Jugendschutzgründen den Erwachsenen im Handel vorzuenthalten, wenn sich jeder 12 jährige zu Hause an Daddys PC BloodyXYZ reinziehen kann ohne groß Spuren zu hinterlassen. Zumal Daddy bestimmt nicht viel über die Aktivitäten seines Filius im Internet weiß. Denn für ihn besteht das Internet hauptsächlich aus Ebay und Youporn, davon darf aber Mami natürlich nichts wissen, die wiederum heimlich eine Internetchatbekanntschaft in München pflegt. Ist halt heute alles ein wenig komplizierter.

    Eines liegt mir noch am Herzen. Hostel II ist bestimmt kein schnöder Tortur-Porn. Dafür zitiert er zu viele Filme seine Genres und die satirischen Seitenhiebe, gerade auf die heutige Konsumwelt sind nicht zu übersehen. 3…2…1… Meins! Er ist kein filmisches Meisterwerk, aber bestimmt einer der besten Exploitationer der letzten 40 Jahre. Ganz bestimmt;)

  5. Juli 31, 2008 9:02 pm

    Ganz bestimmt aber auch nicht für Kinder.

  6. Juli 31, 2008 10:37 pm

    @ tumulder:

    Ich unterschreibe die Absätze 2-4, die dafür so ziemlich in Gänze. Absatz 1, und vor allem Absatz 2 nicht.

    Ich finde gerade an der Entwiclung der SAW-Reihe kann man die Entwicklung „Immer Mehr und kein Ende“ sehr gut nachvollziehen.

    Nun zu Hostel 2: Anscheindend scheint dieser Film in seiner völlig ungeschnittenen Version auch nicht für Erwachsene geeignet zu sein (meinen zumindest die Behörden). Aber lassen wir mal den Sinn dieser Aktion an dieser Stelle dahingestellt. Wer ihn haben will, bekommt ihn auch.

    Aber nun zu dem Teil selbst, und zwar in aller Polemik, die andere auch immer so toll einstreuen:

    Dieses Machwerk unter dem Deckmantel einer vermeintlichen Ironie kann noch so viele möchte-gern Anspielungen an Gott und die Welt aufweisen, wie er möchte. Das ist mir in diesem Fall sowas von Scheiß-Egal. Das alles kann nichts daran ändern, dass die Gewaltdarstellung in diesem Film Pervers ist. Du musst mir echt mal erklären, warum es toll ist ins Kino zu gehen, und sich dort anzusehen, wie eine Frau an der Decke hängend langsam aber sicher aufgeschlitzt wird, (natürlich in allen Details), zu betrachten wie einem Mann der ******* in aller Detailverliebtheit abgeschnitten wird, wie am Ende Kinder!!! mit einem Kopf kicken, etc. etc. Ich bekomm schon bei dem Standbildern einen Zuviel!

    Das ist Gewalt in reiner Form die gezeigt wird,eben genau wegen der Gewalt. Damit sich der Zuschauer wohig in seinem Ekel, Schauern, Etnsetzen suhlen kann. Was ist denn das sonst außer Torture-Porn? Oder meinst du echt, dass sich aus so einer Darstellung irgendeine Message von gesellschaftlicher Relevanz ableiten lässt? Gar ein Film mit komödiantisch-humoristischer Konnotation? Never ever. Das „3-2-1-HAHA-Meins“ hätte man, ginge es um eine „gesellschaftliche Studie“ auch anders rüberbringen können. Das ist doch alles Scheinheiligkeit hoch drei – Vor ein paar Jahren hat bei „American Psycho“ noch die Andeutung, und damit die Imagination des Reziepienten gereicht. Heute muss der dumpfe Kino-Gänger gleich Alles sehen – in allen Details. Schönen Dank aber auch!

  7. Juli 31, 2008 10:39 pm

    Äh, hast du deinen Nick geändert? Hatte schon gedacht, ich hätte auf den Falschen geantwortet. Dann geht das natürlich an den „verschwender“ 😉

  8. August 1, 2008 1:04 am

    Sorry, wegen meines alten Nick. Passiert mir ab und an noch immer. Ich wollte den mal wechseln bis ich dann nach 1 1/2 Jahren gemerkt habe, daß ich auf meinem Blog immer noch unter tumulder poste. Macht dann ja auch irgendwie keinen Sinn mehr;)

    Anscheindend scheint dieser Film in seiner völlig ungeschnittenen Version auch nicht für Erwachsene geeignet zu sein (meinen zumindest die Behörden).

    Genau zu diesem Thema empfehle ich das oben im Kommentar verlinkte Essay. Unter anderem wird darin erläutert wie Richter in Deutschland ganz ohne Gutachten Filme beschlagnahmen lassen. Das scheint gängige Praxis zu sein, für mich ein Unding.

    Das alles kann nichts daran ändern, dass die Gewaltdarstellung in diesem Film Pervers ist. Du musst mir echt mal erklären, warum es toll ist ins Kino zu gehen, und sich dort anzusehen, wie eine Frau an der Decke hängend langsam aber sicher aufgeschlitzt wird, (natürlich in allen Details), zu betrachten wie einem Mann der ******* in aller Detailverliebtheit abgeschnitten wird, wie am Ende Kinder!!! mit einem Kopf kicken, etc. etc. Ich bekomm schon bei dem Standbildern einen Zuviel!

    Genau da liegt der Hund begraben. Ich möchte jetzt nicht weiter über Geschmacksdiktat fabulieren, das würde den Rahmen sprengen. Nur kurz zur Erläuterung der beiden Szenen. Das Blutbad ist eine Anspielung auf Erzsébet Báthory, die Entmannungszene auf Die weiße Göttin der Kannibalen (Sergio Martino, 1978) und/oder Cannibal Ferox (Umberto Lenzi, 1981). Letztere Szene wurde im übrigen keineswegs detailärmer in den zitierten Filmen inszeniert. Das deutet schon einmal darauf hin, daß die Theorie von immer drastischer werdender Gewaltdarstellung in der Exploitation nicht unbedingt haltbar ist, sie ist nur mittlerweile in den Multiplexen angekommen und findet lediglich eine größere Öffentlichkeit. Im Fall von Hostel II nicht, da die Kinoversion bekanntlich geschnitten ist. Ich kann auch aus diesen Szenen ableiten, daß Eli Roth genau weiß was er macht und sich nicht nur einfach neue Abscheulichkeiten ausdenkt. Für den im Genre nicht bewanderten Rezipienten ist dies natürlich nicht klar und deswegen haben diese Szenen auf ihn auch eine andere Wirkung. Natürlich sind diese Szenen drastisch, der Film soll ja beim Zuschauer eine emotionale Reaktion hervorrufen. Am besten eine so starke Emotion wie Ekel, Abscheu, Schweißausbrüche, offen stehende Münder und zu Berge stehende Haare. Das ist Sinn und Zweck dieser Szenen und macht auch gleichzeitig den Reiz des Genres aus. Selbstredend ist dies nicht jedermanns Sache, aber diejenigen, die sich daran erfreuen können sind bestimmt keine schlechteren Menschen. Jeder der den Film sieht weiß das ist lediglich Schauspiel, FX, keine Realität. Die Schauspieler trinken nach dem Dreh zusammen Kaffee mit den Effektspezialisten. Und je besser der Regisseur dieses Wissen beim Zuschauer im Unterbewußtsein halten kann, desto heftiger die natürlichen Abwehrreaktionen beim Zuschauer. Ich wüßte nicht warum man dies Erwachsenen, die sich geistiger Gesundheit erfreuen verwehren sollte. Weil es einem selber nicht paßt? Weil irgendwelche Menschen behaupten dies wäre gefährlich ohne einen einzigen wissenschaftlichen Beweiß dafür anführen zu können, daß ein geistig gesunder Mensch aufgrund des Konsums von Horrorfilmen etc. einen anderen Menschen getötet hat oder seine Moral darunter gelitten hätte?

  9. August 1, 2008 7:22 pm

    Kolumne? Wieder vom Kaiser geklaut! 😀

    Was den Artikel angeht: Gut geschrieben, den ich aber nicht kommentieren möchte, denn ich kann alles so unterstreichen und bestätigen. 🙂

  10. August 1, 2008 8:04 pm

    @fincher

    Ja, das hab ich eben auch gedacht. 😉

  11. August 1, 2008 8:10 pm

    Ahh, auch noch der Titel geklaut… 😀

    Wie wärs denn noch mit meiner ALL ABOUT MOVIE-Sparte? Die gibt´s grad im Angebot. 😉

  12. August 2, 2008 12:54 pm

    Oha…interessante Diskussion :).

    @ den Kaiser – nix mit geklaut, eigene Idee und das schon sehr lange und eben erst jetzt umgesetzt 😉

    @ tummulder

    Auch wenn deine Ausführungen durchaus nachzuvollziehen sind halte ich trotzdessen weiterhin zu C.H. . Bei solch Werken kann ich, auch wenn ich gegen Zensur usw. bin und für den „freien künstlerischen Gedanken“ beileibe nichts von dem entdecken. Auch wenn Roth viel zitiert und vieles schonmal da war – eben nur für das Nischenpublikum, so sollte es von mir aus auch da bleiben. Denn eben allein die Tatsache, dass sich mehr und mehr Leute dafür interessieren oder es gut heißen spricht für mich schon Bände im Wandel der Gesselschaft. Ich sehe das jetzt eben einfach mal vom allgemeinen Standpunkt aus. Auch wenn es nur gespielt ist und danach alle, wie du es so schön sagtest, gemeinsam Kaffee trinken – solche Sachen sprengen „für mich“ schlicht den Rahmen. Eigentlich müsste man das Gebiet nun in drei Teile aufbrechen, einmal die Sache mit der Meidenkompetenzt der Jugendlichen/kinder, solch Filme im allgemeinen und eben dann die Gründe dafür, warum so viele Menschen heutzutage auf sowas „stehen“ :). Aber ich werde mir auf jeden Fall die von dir verlinkte Kolumne einmal durchlesen.

  13. August 2, 2008 1:58 pm

    @ tumulder:

    Ich möchte da nochmal nachhaken, nicht weil ich ich der Meinung bin, unbedingt Recht haben zu müssen, sondern weil ich es interessant finde. 😉

    „Genau zu diesem Thema empfehle ich das oben im Kommentar verlinkte Essay. Unter anderem wird darin erläutert wie Richter in Deutschland ganz ohne Gutachten Filme beschlagnahmen lassen. Das scheint gängige Praxis zu sein, für mich ein Unding“

    Wie gesagt, was die undruchsichtige Praxis der Behörden angeht, sind wir uns durchaus einig. Mit den Absätzen 2-4 von deinem ersten Kommentar gehe ich ja auch D’Accord. (Hatte mich bei meiner Antwort auf deinen Kommentar verschrieben, und gesagt, dass ich den 2. Absatz nicht unterschreiben würde, meinte da aber natürlich den 5.)

    „Das Blutbad ist eine Anspielung auf Erzsébet Báthory, die Entmannungszene auf Die weiße Göttin der Kannibalen (Sergio Martino, 197 8) und/oder Cannibal Ferox (Umberto Lenzi, 1981).“

    Die Allegorie auf die sogenannte Blutgräfin ist mir, der ich zum Einen Historiker bin 😉 , und mich zu anderen in Sachen Vampir-Mythos durchaus „etwas“ genauer auskenne 😉 , bewusst. Die gute Dame wird ja durchaus häufiger verwendet, so muss sie ja auch in Diablo II. herhalten. Zu den anderen Anspielung kann ich nichts sagen, weil ich diese Filme in der Tat nie gesehen habe, das war ein wenig vor meiner Zeit. Aber ich habe ja schon bereits gesagt, dass gewollte Anspielungen an Gott und die Welt kein Argument sind, zumal Hostel 2 ja noch genügend andere „hübsche“ Szenen bietet, aber:

    „Das deutet schon einmal darauf hin, daß die Theorie von immer drastischer werdender Gewaltdarstellung in der Exploitation nicht unbedingt haltbar ist, sie ist nur mittlerweile in den Multiplexen angekommen und findet lediglich eine größere Öffentlichkeit.“

    Dann mag das duchaus so sein, dass es denselben „Mist“ so auch schon früher gegeben hat. Das macht die Sache mit Hostel 2 nicht wirklich besser, sondern führt mich nur zu dem Standpunkt, dass diese anderen Film kein Deut besser sind. Trotzdem lässt sich die Tendenz, des „Immer mehr und Heftiger“ für mich eineutig an Hand der SAW-Reihe ablesen, dabei bleibe ich. Gore und Splatter sind für mich halt zwei Genres, die ich abstoßend finde, und somit werden wie dort auf keinen Nennner kommen. Müssen wird aber auch nicht, weil die Geschmäcker verschieden sind, und das ist ja bekanntlich auch in Ordnung so, aber:

    „Jeder der den Film sieht weiß das ist lediglich Schauspiel, FX, keine Realität.“

    Das ist KEIN Argument, das DARF kein Argument sein, da du damit ALLES rechtfertigen und legitimeren könntest.

    „Ich wüßte nicht warum man dies Erwachsenen, die sich geistiger Gesundheit erfreuen verwehren sollte. Weil es einem selber nicht paßt? Weil irgendwelche Menschen behaupten dies wäre gefährlich ohne einen einzigen wissenschaftlichen Beweiß dafür anführen zu können, daß ein geistig gesunder Mensch aufgrund des Konsums von Horrorfilmen etc. einen anderen Menschen getötet hat oder seine Moral darunter gelitten hätte?“

    Genau zu diesem Punkt habe ich auch schon beim Rudi im Zuge der „Funny Games US“ – Diskussion geäußert. Du darfst nicht vergessen, dass du bei deinen Überlegungen aus deinem eigenen, persönlichen Standpunkt und Erfahrungssschatz heraus argumentierst. Was ich damit sagen will: Für dich, als jmd. der diese Filme einzuordnen und zu reflektierten weiß, sind diese Filme mit Sicherheit nicht „gefährlich“ (Das Wort ist in diesem Zusammenhang sowieso schief).

    Was mich bei vielen Diskussionen bei diesem Thema immer ein wenig ärgert, ist die Eindeutigkeit (so auch bei dir) mit der Position bezogen wird. Ich würde niemals in apodiktischer Manier behaupten, dass solche Filme ZWANGSLÄUFIG zu realen Gewalttaten führen MÜSSEN, gleichzeitg halte ich es aber für unverantwortlich diesen Sachverhalt von vornerein KATEGORISCH AUSZUSCHLIEßEN. Gerne wird dann an dieser Stelle das Argument eines fehlenden wissenschaftlichen Beweises aus dem Hut gezaubert. Dazu sage ich, überspitzt ausgedrückt: Wozu brauche ich einen wissenschafltichen Beweis, wenn es die Empirie gibt? Fälle, in denen Verbrechen an Hand von „künstlerischen Vorbildern“ begangen wurden gibt es ganz ohne jeden Zweifel!

    Fazit: Ich habe auf die Frage, ob man diese Filme verbieten sollte, natürlich keine eindeutige Antwort. Natürlich soll zunächst jeder das Sehen, was er Sehen möchte. Klar ist auch: Es ist irgendwo Geschmacksache, hab ich ja schon gesagt, der Eine findet das Abscheulich (Ich) der andere nicht. Und trotzdem sind gerade Gore und Splatter-Filme, wo ja früher vor laufender Kamera auch lebende Tiere abgemurkst worden sind, eine grenzwertige Sache, und der Staat tut gut daran, meinetwegen schimpft mich wieder „Zensurfanatiker“, da ein Auge drauf zu haben. Zugegeben: Es wäre wünschenswert wenn die Behörden nach klaren und eindeutigen Richtlinien handeln würden.

  14. August 2, 2008 5:17 pm

    Dann mag das duchaus so sein, dass es denselben “Mist” so auch schon früher gegeben hat. Das macht die Sache mit Hostel 2 nicht wirklich besser, sondern führt mich nur zu dem Standpunkt, dass diese anderen Film kein Deut besser sind.

    Das sind sie mit Sicherheit nicht;) Sondern eher eine ganze Ecke schlechter. Vor allem aus handwerklicher und künstlerischer Sicht. Ich hatte übrigens noch Womans Day vergessen:D

    Das ist KEIN Argument, das DARF kein Argument sein, da du damit ALLES rechtfertigen und legitimeren könntest.

    Warum darf das denn bitte schön kein Argument sein? Eine Ideologie die ein Film verbreitet kann ich damit zum Beispiel nicht rechtfertigen. Ich denke das Wissen um die Fiction einer Szene ist ausschlaggebend für die Akzeptanz dessen was der Zuschauer auf der Leinwand sieht. Wie sonst wäre das Gezeigte auszuhalten?

    Du darfst nicht vergessen, dass du bei deinen Überlegungen aus deinem eigenen, persönlichen Standpunkt und Erfahrungssschatz heraus argumentierst. Was ich damit sagen will: Für dich, als jmd. der diese Filme einzuordnen und zu reflektierten weiß, sind diese Filme mit Sicherheit nicht “gefährlich”

    Selbstverständlich. Aber warum sollte ich jemanden anderen diese Fähigkeit nicht zutrauen? Ich bin doch kein Ausserirdischer, sondern ein ganz normaler Mensch. Daß der zwölfjährige Angeber im Schulbus diese Fähigkeit besitzt bezweifel ich jedoch stark. Und deshalb finde ich Altersfreigaben auch unverzichtbar;)

    gleichzeitg halte ich es aber für unverantwortlich diesen Sachverhalt von vornerein KATEGORISCH AUSZUSCHLIEßEN.

    Wer macht das denn? Es steht außer Frage, daß es pathologische Einzelfälle gibt. Kann ich diese jedoch auf die Gesamtheit übertragen oder mit ihnen ein Verbot rechtfertigen?

    Wozu brauche ich einen wissenschafltichen Beweis, wenn es die Empirie gibt?

    ? Ansonsten siehe oben;)

    und der Staat tut gut daran, meinetwegen schimpft mich wieder “Zensurfanatiker”, da ein Auge drauf zu haben. Zugegeben: Es wäre wünschenswert wenn die Behörden nach klaren und eindeutigen Richtlinien handeln würden.

    Ich würde es besser finden die Gesellschaft hält ein Auge drauf, so wie sie es ja auch schon macht wie diese Diskussion eindeutig beweißt:D Wenn Staaten zuviele Augen auf Dinge werfen, die ihnen nicht passen hat das meist keinen guten Ausgang;)

  15. liluwen permalink
    August 2, 2008 6:33 pm

    Viel kann ich persönlich nicht über die unterschiede der einzelnen Teile sagen, da mir der erste schon gereicht hat und ich nicht das Bedürfnis hatte mir eine Fortsetzung dieser Barbarei am Menschen anzutun.
    Es ist wirklich mehr als erschreckend, dass die Gesellschaft die jedesmal die Hände über den Kopf zusammenschlägt wenn in den Nachrichten von Mord und Totschlag die Rede ist, im Kino sitzt und diese morbiede Art von „Unterhaltung“ geniest.

    Das diese Streifen auf Kinder (ja ich würde sagen bei 12 jährigen kann man definitiv noch von Kindern sprechen) eine unnatürliche Faszination ausüben ist leider die traurige Wahrheit.
    Ich für meinen Teil würde eine radikalen „Gegenschlag“ starten, bzw den Kindern mit der grausamen Realität die Augen öffen. Wenn sie sehen was bereits alles passiert ist und welche unhumanen Umstände immernoch in weiten Teilen der Welt herschen, würde mich interessieren ob die „Kids“ solche Dinge immernocht „total coll“ finden.

    Generell kann man sagen, dass die Saw Reihe zu den Filmen gehört die der Mensch nicht braucht.

    (und p.s. Ich mochte Clowns noch nie :P)

  16. August 2, 2008 7:17 pm

    @ tumulder:

    „Warum darf das denn bitte schön kein Argument sein?“

    Lassen wir mal die Verbreitung eventueller kruder politischer/gesellschaftlicher Ideologien in Filmen außen vor. (zumal wohl jeder Film gewollt, oder nicht gewollt eine Ideologie äußert) Das Fass will ich jetzt aber nicht auch noch auf machen 😉

    Mir ging es um die Gewaltdarstellung, und das diese eben nicht automatisch mit „Das ist ja nur Film, und das weiß ja jeder“ legitmiert werden kann. Denn dann gibt es bezüglich der Gewaltdarstellung überhaupt keine Grenzen mehr, weil sich mit diesem Argument alles entschuldigen lässt, auch Dinge die noch viel, viel weiter gehen würden, als z.B. bei Hostel.

    Wer macht das denn?

    Och, da gibts ne ganze Menge. Umso besser, wenn du nicht dazu gehörst 😉

    Ich würde es besser finden die Gesellschaft hält ein Auge drauf

    Ähm, ja das ist natürlich in der Theorie ganz toll. Aber wer setzt das denn schlußendlich um? Es geht zwar in Deutschland alle Staatsgewalt vom Volke aus, aber im Zuge unseres politischen Systems hat das Volk seine Kompetenzen auf gewählte Entscheidungsträger übertragen. Ergo müssen, Behörden wie die FSK Entscheidungen treffen, und schlußendlich mit Hilfe der Gerichte (Staat) durchsetzen. So funktioniert unsere Demokratie. Das kann man gut finden, oder eben nicht 😉

    PS: ich würde diesen Essay, den du verlinkt hast, gerne mal lesen. Aber wenn ich die PDF runterladen/öffnen will, bekomm ich nur nen Error 404. Gibts den vllt. noch woanders, oder bin ich einfach nur zu blöd? 😉

  17. August 2, 2008 10:15 pm

    Sorry, der Link scheint beschädigt zu sein:( Ich habe das PDF, welches sich glücklicherweise noch in meinen Downloadordner befand, auf Rapidshare eingestellt.

    Hier lang-> click

    Ansonsten möchte ich darauf hinweisen, daß die FSK eben keine staatliche Behörde ist, sondern eine Institution der Filmwirtschaft;)

  18. August 2, 2008 10:59 pm

    Vielen Dank.

    Mit der FSK hast du natürlich Recht, habe auch niemals behauptet, dass Diese staatlich ist (habe ich mich vielleicht schief ausgedrückt) Trotzdem handelt diese ja nach den Maßgaben des Jugendschutzgesetztes, und im Fall Hostel 2 endete das Theater bei der Staatsanwaltschaft. 😉

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