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DVD-Kritik: „Gods and Generals“ (USA 2003)

August 5, 2008

Der amerikanische Bürgerkrieg ist eines der populärsten Ereignisse in unserer Geschichte. Vier Jahre lang, genau genommen zwischen den Jahren 1861 bis 1865 bekämpften sich die Unionstreuen Nordstaaten mit den sich Unabhängigkeit wünschenden Konföderierten. Letztere verweigerten sich bis zum Schluss der Aufhebung der Sklaverei, was einen erheblichen Teil zum Kriegsbeginn beigetragen hatte. Die Sezession und ihre Folgen forderte hunderttausende Menschenleben auf beider Seiten und endete schließlich mit der Kapitulation der Südstaaten am 23. Juni 1865, als auch die letzten Texaner ihre Waffen streckten.

Ronald Maxwell schuf nun mit dem Ziel die vergangenen Geschehnisse möglichst detailgetreu und authentisch wiederzugeben eine Trilogie, die mit „Gods and Generals“ ihren Anfang findet. Erzählt wird in diesem Part von der Anfangs und Entstehungszeit des Krieges und mehreren, eher kleineren Schlachten, die aber dennoch entscheidende Bedeutung haben sollten – zumindest für die Südstaatler. Genauso porträtiert der Film die psychischen Kämpfe, die die Menschen auszufechten hatten. Hin und her gerissen zwischen Vaterlandstreue, Freundschaften und Ehrgefühl herrschte eine tiefe innere Zerrissenheit vor, der sich die wenigsten so schnell entziehen konnten.

Doch als auch die letzten südlich gelegenen Staaten der Sezession beitreten, unter anderem Virginia, ist die Zeit gekommen. General Robert E. Lee (Robert Duvall) ist die Ehrung des Oberbefehlshabers der Armee zu Teil geworden und General Thomas J. Jackson (Stephen Lang) muss genauso in das Kriegsgeschehen eingreifen, wie auf Nordstaatenseite Leutnant Joshua L. Chamberlain (Jeff Daniels). Das Land ist nun zweigeteilt und Menschen die gemeinsam die schwersten Schicksale erdulden mussten und durch harte Zeiten gegangen sind, sind nun gezwungen aufeinander zu schießen – die Vereinigten Staaten von Amerika liegen zu dieser Zeit endgültig in Trümmern. Es folgen drei schicksalsreiche Schlachten: Manassas, Fredericksburg und Chancellorsville.

Was zuerst als eine reine Intention Maxwells erscheint, schlägt sich dieser Eindruck spätestens nach den ersten beeindruckenden Szenen des Filmes in einen passenderen Begriff namens „Passion“ um. Geschichte zum Anfassen. Mehr Realismus geht einfach nicht. Die opulente und abwechslungsreiche Ausstattung, die originalgetreuen Kostüme und Uniformen – all das lässt das 19. Jahrhundert wieder aufleben. Mit geduldiger Kleinarbeit rekonstruierten die Macher Schlachten, Aufstellungen und kein noch so kleines Detail dessen wurde dabei vergessen. Was für gewöhnlich nur hervorragende Dokumentationen zum Ziel haben, das jeweilig Thema möglichst faktengetreu wiederzugeben, erreicht nun ohne Mühe „Gods and Generals“ auch im Spielfilmbereich. Das Sujet eines unterhaltsamen und dennoch aber nicht minder lehrreichen Filmes wird vollstens erfüllt. Aber eines sollte man auf jeden Fall mitbringen, sofern man die 3 ½ Stunden nicht schlafestrunken auf der Couch liegen will: Sitzfleisch und unbedingte Interesse an der Thematik. Ist beide nicht vorhanden kann die lange Laufzeit zur Qual werden.

Insbesondere vereinzelt aufkommende Längen und etwas zähere Storyabschnitte bilden einen der ansonsten bemerkenswert wenigen Makel von „Gods and Generals“. Das zu oft auftretende Gottespalavern und die heiligen Aussprüche mögen zwar dem damaligen Zeitgeist verdanken zu sein und wurden vom Regisseur richtigerweise auch in den Film übernommen, doch Gottes Gnaden weniger zugewandte Betrachter werden dies als unnötig, wenn nicht sogar störend empfinden. Die Religiosität spielte ohne Frage eine bedeutende Rolle, doch dessen Präsenz hätte durchaus gemäßigt werden können. Was auch ein wenig negativ ins Gewicht fällt, ist die etwas unausgewogene Darstellung der beiden Parteien zwischen-, wie auch untereinander. So bildet General Jackson eigentlich die Zentralfigur schlechthin, wobei General Lee alias Robert Duvall vergleichsweise blass und weniger im Fokus dargestellt wird, obschon er eigentlich DIE Symbolfigur des „Bürgerkrieges“ schlechthin war. Und was die Nordstaaten betrifft, so wurde der Charakter des Leutnant Chamberlain leider ein wenig oberflächlich skizziert. Mit Blick auf die anderen Personen bleibt die fehlende Hintergrundpräsenz nicht unbemerkt. Verständlich jedoch ist es natürlich, dass angesichts eines solchen Mammutwerkes nun einmal nicht immer alles bis ins letzte Tüpfelchen durchgeschrieben sein kann. Muss es ja auch gar nicht, bei der Fülle an verschiedenen Protagonisten, von denen vor allem Stephen Lang besonders hervorsticht – sein filmisches Ego des General „Stonewall“ Jackson besitzt im direkten Vergleich zu den anderen Akteuren am meisten Substanz und wird dementsprechend lebendig von ihm gespielt. Zweifelsohne hätte es aber bestimmt gerade jene historisch Interessierte sehr gefreut, wenn Maxwell noch ein bis zwei Stunden dran gehangen hätte. Stoff dafür gibt es ja genügend. Aber ein Historienfilm wäre kein Historienfilm wenn da nicht auch noch ein ebenso historischer Soundtrack vorhanden wäre – epenhafte Klänge mit bombastischen Volumen und kraftvoller Ausführung. So, wie es bei „Gods and Generals“ der Fall ist. Die instrumentalen Stücke Frizzells bilden zusammen mit den beiden Song „Cross the Green Mountain“ von Bob Dylan und Mary Fahls „Going Home“ eine wunderbare Soundkulisse, die zwar bisweilen schon ein wenig ins schmalzige abrutscht, aber dennoch ein wahrer Ohrenschmaus ist.

Und wenn die irische Brigade, begleitet von einer traditionellen Kapelle, auf das Schlachtfeld stürmt und Reihe und Reihe fällt ist man gefangen genommen von der Situation des Augenblicks. Musik, Inszenierung, Präsenz der Darsteller und die gut gewählten Kamerawinkel bilden ein ergreifendes Spannungspaket. Die Gewaltdarstellung der damals mitunter doch recht rabiaten Kampfmethoden hält sich dabei aber in Grenzen, oftmals werden schwere Kanonentreffer oder Bajonettangriffe von Staubwolken verdeckt oder vom allgemeinen Schlachtengetümmel schlicht verschluckt. Eine realistischere Grobheit und blutigere Szenen wären hier sicherlich die bessere Wahl gewesen, denn so erscheint es manchmal etwas übertrieben, wie etwa ganze Kompanien in die Luft geschleudert werden, man aber kaum Treffer oder Verwundungen erblicken kann. Und dass Kanonenkugeln gefährlich sind, müsste man spätestens seit Roland Emmerichs „Der Patriot“ wissen – Stichwort Fuß. Aber Gettyburg wartet ja nun noch auf mich und mal sehen, wie dieser die Reihe fortsetzen wird. Als Fazit für „die Götter und Generäle“ kann man eigentlich nur sagen: Für Bürgerkriegsinteressierte, leidenschaftliche Hobbyisten und Leute die generell Schlachtenfilme mögen ist der Streifen absolut empfehlenswert, Menschen ohne Sitzfleisch und Geduld für ausschweifende Filmkunst sei von dem Genuss eher abgeraten. Ahja, und US-feindlich gesinnte Zuschauer sollten einen ganz gewaltig großen Bogen um Maxwells Werk machen – Patriotismus, Pathos und Glorifizierung wird hier (verständlicherweise) groß geschrieben – die Amis erinnern sich eben gerne an ihre Helden bzw. wollten damals wie heute immer welche sein.

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8 Kommentare leave one →
  1. August 5, 2008 5:13 pm

    Da muss ich doch gerade ein wenig lachen. Zufälle gibts: Gestern habe ich mir für 7 Euro das Steel mit „Gettysburg“ und „Gods and Generals“ gegönnt. 😉

    Ich muss sagen, dass ich „GaG“ noch nicht gesehen habe. Dafür aber „Gettysburg“ – Den haben wir mal vor einiger Zeit mal im Zuge eines Seminars („Kurze Kriege im Langem 19. Jhd“) gesehen, und uns unter anderem königlich über den Zusammenhang von Offiziersrang und Bartlänge amüsiert. Rein gefühlt würde ich mal sagen, dass „Gettysburg“ der Bessere von Beiden ist. Aber das werde ich dann ja noch sehen.

    Im Übrigen gilt auch bei „GB“, dass die Schlachtszenen extrem blutleer dargestellt werden, das hatte ich auch zu mokieren. Aber Gut, kann man mit Leben.

    Abgesehen davon, dass ich bei Historien-Filmen generell das Wort „Realismus“ vermeiden würde, ist mir noch eines aufgefallen:

    „Die Gewaltdarstellung der damals mitunter doch recht rabiaten Kampfmethoden hält sich dabei aber in Grenzen“

    Die waren damals auch nicht rabiater als Heute. De facto waren der Krimkrieg, und vor allem der Bürgerkrieg die ersten „modernen Kriege“ mit allem was so dazu gehört, und wiesen somit den Weg für das was in den nächsten Jahrzehnten der Welt noch blühen sollte.

  2. August 5, 2008 7:25 pm

    Man merkt, dass ein Historiker spricht 🙂 …find ich gut und immer wieder interessant 😉 . Aber ich hab ja auch nicht gesagt, dass sie damals rabiater waren als heute, nur das sie es eben waren. Ok, Krieg ist immer „rabiat“ aber Bajonettwunden oder eben besagte Kanonenkugeln haben schon ihre Andenken hinterlassen. Und die Art wie sie Krieg geführt haben: Eine Reihe aufstellen, wer besser trifft gewinnt, wer in der ersten Reihe läuft ist eh schon so gut wie tot usw. . Das waren noch andere Zeiten 🙂 . Aber apropos Bärte, ich hab mich manchmal echt kugelig gelacht, da haben ja manche Dinger dran….Hola die Waldfee…da dauert es bei mir noch nen bissl hin, bis ich so eine „Pracht“ präsentieren kann

  3. August 6, 2008 12:12 am

    Da habe ich mich blöd ausgedrückt, Krieg ist natürlich immer ne Sauerei 😉

    Worauf ich hinauswollte, war der „moderne Krieg“, da dies ziemlich „interessant“ an diesem Konflikt ist. Die von dir erwähnte Linerartaktik der gepresseten Truppen, so wie es zum Bsp. bei der „Patriot“ ganz gut gezeigt wird, und gerade den europäischen Kriegsschausplatz geprägt hat, wird im „Sezessionskrieg“ immer mehr durch die technischen und sonstigen Veränderungen abgelöst. Spätestens bei der Schlacht von Gettysburg hat sich der Krieg schon zu einem ziemlichen Stellungskrige mit Deckung, und so weiter gewandelt. „Eine Reihe aufstellen, und wer besser trifft, gewinnt“ ist nun gegessen, da die Gewehre im Gegensatz zu früher jetzt wirklich auch treffen (Die Zuverlässigkeit und die Reichweite früherer Gewehre war fürn selbigen)

    So jetzt aber genug mit der Fachsimpelei, ich hau ja schon ab;-)

  4. August 7, 2008 10:08 am

    Öhem, ich, äh, stimme meinem Historiker-Kollegen hier zu. Jawohl ja! 🙂

    Dass ich GETTYSBURG gesehen habe, ist schon ein paar Jährchen her, aber erinner mich da entfernt an die Sequenz im Wald, die durchaus sehr taktikgeprägt ist, also so wie der Kollege das oben angesprochen hat. Aber der amerikanische Bürgerkrieg war noch nie mein Spezialgebiet, weshalb ich GaG bisher auch ausgelassen habe.

  5. August 7, 2008 9:48 pm

    Na dann kann ich mich bei meiner Gettysburgsichtung ja auf was feines einstellen – wusste ich nicht, dass es da so gewaltige Entwicklungen gegeben hatte. Aber bleib ruhig hier C.H., hat nix mit Fachsimpelei zu tun. Wenn jemand Ahnung hat, horche ich gerne dessen Ausführungen – man lernt ja schließlich nie aus 😉

  6. August 18, 2008 2:40 am

    Da ich noch vor ein paar Tagen das Schlachtfeld von Gettyburg besichtigt habe, ist mein Interesse an der Thematik nun auch vorhanden. Da kommt mir dein Artikel gerade recht!

    @ C.H.: Wo finde ich das Steel für 7 €? 🙂

  7. August 18, 2008 7:26 pm

    Würd mich auch interessieren, nur hab ich „Gettyburg“ leider schon auf DVD (Gods and Generals war ausgeliehen). Aber das Steel müsste ja mit den beiden Einzelveröffentlichungen identisch sein, soweit ich weiß.

  8. August 18, 2008 7:52 pm

    Das Geheimnis kann gelüftet werden: Habs bei mir in Hannover im Media-Markt für den Preis erstanden. 😉

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