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Filmkritik: „Die Mumie – Das Grabmal des Drachenkaisers“ (USA 2008)

September 16, 2008

Rick und Evy haben allem Anschein nach die Nase voll von Abenteuern und genießen ihr beschauliches Leben auf dem prächtigen Anwesen in England. Evy schreibt Romane über die vergangenen Geschehnisse in Ägypten und ihr Gatte übt sich in ganz normalen Hobbys wie dem Fliegenfischen. Ihr Sohn Alex O´Connell, hat mittlerweile aber sein Studium geschmissen und widmet sich, ganz den Eltern, der Archäologie. In China leitet er Ausgrabungen an den ehemaligen Stätten des großen Kaisers Han. Schließlich wird das Innere der gigantischen, aber leider verschütteten Anlagen freigelegt und er kann in das Grab hinabsteigen. Dort macht er Bekanntschaft mit einer verhüllten Frau, die ihn beinahe das Leben nimmt, er aber rechtzeitig mithilfe seiner Pistole verscheuchen kann. In Shanghai besucht er seinen Onkel Jonathan und trifft dort überraschenderweise auf seine Eltern, die von den jüngsten Karriereänderungen ihres Sprösslings natürlich wenig begeistert sind. Als sie im Rahmen eines Regierungsauftrages einen wertvollen Diamanten übergeben wollen, schaltet sich außerdem noch eine paramilitärische Gruppierung ein, die das Ziel haben, Han wieder zum Leben zu erwecken. Als diesen das durch einen unglückseligen Zufall auch gelingt, sehen sich Rick und Evy wieder einmal einem Kampf gegen eine machthungrige Mumie ausgesetzt, bei dem sie aber überraschende Unterstützung von so manch geheimnisvollen, wie auch tapferen Personen bekommen…

Es gibt derzeit Filme, die nach jahrelanger Leinwandabstinenz wieder den Weg auf selbige gefunden haben. Steven Spielberg belebte Indiana Jones zum 4. Mal wieder, Rambo wurde ebenso zum vierten Mal in den Dschungel geschickt, ja selbst dem Terminator ist seine Ruhe auf dem Schrottplatz nicht vergönnt. Achja, Rocky Balboa bescherte der prestigeträchtigen Reihe im Jahre 2006 zudem auch einen nun schon sechsten Ausflug in den Boxerring. Jetzt, zwar von weniger epischen Zeitspannen gezeichnet, doch nicht minder, wenn wir mal ganz ehrlich sind, „unnötig“, ist nun auch der drittes Ableger von Stephen Sommers Wüstenhit „Die Mumie“ erschienen. Und da verfolgt man über ein Jahr lang die Entstehungsgeschichte dieses Projektes, liest regelmäßig auf des Regisseurs eigenen Blog mit, verschlingt Bilder und Videos und denkt sich: Verdammt, das wird etwas Großes. Aber wie so oft lässt sich auch auf Rob Cohens neuestem Film die gute alte Regel anwenden, dass zwar nicht immer, aber eben dennoch immer öfters die Fortsetzung eines gelungenen Auftaktes nicht im gleichen Zuge Garant für desgleichen gute Unterhaltung sein muss. Leider ist dem so bei „Das Grabmal des Drachenkaisers“. Aber beginnen wir lieber am Anfang. Wie schon genannt, übernahm Rob Cohen, verantwortlicher Regisseur für „xXx“ und „Stealth“, im neuesten Mumienteil die Regie. Stephen Sommers, der bei den beiden Vorgängern noch diesen Posten innehatte, fungierte diesmal nur als Produzent. Randy Edelman zeigte sich für die musikalische Gestaltung zuständig und konnte bereits bei beispielsweise dem Score von „Gods and Generals“ mehr als überzeugen. Hinter der Kamera stand Simon Duggan, der schon für „Stirb Langsam 4.0“, „Underworld Evolution“ oder auch „I´Robot“ die Linse schwenkte.

Unter all diesen Stabgrößen wirkt Cohen aber beinahe wie ein Amateur, denn seine beiden Actionvehikel waren allesamt sehr hanebüchen und uninspiriert inszeniert. Leere Hochglanzprojekte, bei denen die äußere Schale gut verkauft wurde, doch der Kern nicht mehr als mäßig gefüllt war. Aber wie jeder Mensch kann er ja dazulernen, so denkt man zumindest. 1999 kam seinerzeit „Die Mumie“ in die Kinos, ein Remake des 1932 erschienenden, gleichnamigen Klassikers. Mit Brendan Fraser, Rachel Weisz, John Hannah und Arnold Vosloo war das Hauptdarstellerquartett bestens besetzt. Was folgte war eine rasante Hatz quer durch Ägypten, um den unfreiwillig wieder belebten Imhotep wieder ins Reich der Toten zurückzuschicken. Gelungene Situationskomik, eine Prise schwarzer Humor und einwandfreies Abenteuerfeeling machten aus Sommers Werk eine gelungene, moderne Alternative zu Indiana Jones. Selbstredend ohne dessen Klasse zu erreichen. 2001 dann der zweite Teil der Reihe, wieder die gleiche Hauptbesetzung, wieder war der Bösewicht Imhotep und wieder war das Prinzip das gleiche. Das Sequel war noch lauter, bunter, schriller und aufwendiger, doch mitnichten ebenso lockerleicht wie sein Vorgänger und fuhr mit einer weithergeholten Reinkarnationsgeschichte auf, die aber im direkten Vergleich zum Erstling keinerlei Sinn ergab. Des Weiteren wirkte vieles etwas gedrungen, unnötig aufgeblasen, um die minimalen Unterschiede zum Vorgänger wieder wett zu machen und somit nicht als einfallsloses Plagiat des Altherbekannten bezeichnet zu werden. Und nun eben, im Jahre 2008, 7 Jahre später, kamen die Macher auf die glorreiche Idee noch einen nachzusetzen, nachdem das erfolglose Spin-Off „The Scorpion King“ mit Dwayne „The Rock“ Johnson bis auf den Scorpion König aus „Die Mumie kehrt zurück“ nichts gemein hatte und somit auch nicht als Abschluss der Reihe taugte. Wie Indy es kurz zuvor mit seiner unnötigen Vater-Sohn Geschichte vormachte, so ist nun auch der Sohn Evelyns (Maria Bello) und Ricks (Brendan Fraser), Alex, mittlerweile erwachsen und macht, wie es dem klischeehaften Filmsohn eben üblich ist, lieber sein eigenes Ding, als auf Mama und Papa zu hören und gerät dabei gehörig in Bedrängnis Mehr zu Luke Fords Arbeit dann später.

Denn schon bei der Nennung der Darsteller fällt ein gravierender Unterschied auf. Rachel Weisz, die in den beiden Vorgängern so rührend Evelyn spielte und deren naiv-trotteliges Wesen so herzallerliebst dem Zuschauer näher brachte ist nicht mehr dabei. Ein Schock, bedenkt man, wie wichtig ihre Rolle doch ist. Maria Bello mag eine gute Schauspielerin sein, doch in Evys Rolle ist sie reinweg fehl am Platze. Sie erinnert eher an ein martialisches Kampfweib, denn an eine leicht schüchterne Bibliothekarin mit einem Faible für Geschichte. Den Charakter einer Intellektuellen vermag sie ebenso wenig passabel darzustellen, wie den von Ricks Angetrauten. Beider Szenen, in denen versucht wird Komik zu erzwingen, indem sie etwa darüber reden, wie glücklich sie doch ohne die Aufregung von früher sind, wirken gestellt und hölzern. Das liegt weniger an Fraser denn an deren beiden Konstellationen, die einfach nicht homogen erscheinen mag. Nicht weniger unpassend ist die, sicher auch gut gemeinte Idee, dass Evelyn Abenteuerbücher, basierend auf den Erlebnissen von sich und ihrem Mann schreibt, und natürlich, wie sollte es anders sein, gerade für den dritten Band noch die Ideen fehlen. Zugegeben, diese Dinge haben ihren Reiz, wenn sie denn eher dezenter eingesetzt geworden wären. Doch mit einer solchen Schlaghammermethode inszeniert sorgen sie mehr für Unverständnis und unfreiwillige Komik, als für Spaß und lächelnde Gesichter. Luke Ford, ein noch sehr unbekannter Akteur mimt ja bekanntlich den Sohn des Ehepaares. Und einmal mehr sorgt die mangelnde Homogenität für zweifelnde Gemüter. Er mag sich genauso wenig passend ins Gefüge einzuordnen, wie schon Miss Bello. Entweder liegt es daran, dass die Eindrücke aus den vorangegangenen Filmen so unveränderbar sind, dass man die Rollen fest mit Fraser, Weisz und dem noch kleinen Sprössling verbindet, oder es wurde schlicht falsch gecastet. Jet Li als Bösewicht „Kaiser Han“ ist dagegen eine superbe Wahl gewesen und mir fiele auf die schnelle auch keine passende Alternative als zu diesem altgedienten Martial Arts Spezialisten ein.

Durch seine einsilbige Mimik und dem sichtlich in die Jahre gekommenen Äußeren verleiht er seinem filmischen Ego eine beachtliche Präsenz. Das diese ihm jedoch im weiteren Verlauf auch nicht mehr allzu viel nützen soll, dazu später mehr. Denn von all diesen Ungereimtheiten ward auch die eigentliche Geschichte nicht verschont geblieben. Ohne erkennbaren Fluss stolpern die Charaktere auf narrativer Eben von einem Ereignis zum nächsten. Machen Sprünge von Handlungsort zu Handlungsort und lassen vielfältige Erzählebenen vermissen. Das im Laufe der grobgeschätzten zwei Stunden sehr viel passiert, steht außer Frage, aber es ist nur ein Anzeichen von überzeugender Arbeit wenn diese auch, ungeachtet ihres vollgepackten Auftretens vernünftig präsentiert werden. Ferner stellt das ungewohnte Szenario des alten und neuen Chinas vor ganz neue Herausforderungen. Wo bei den Vorgängern noch jeder Ägypten mit Mumien, Pharaonen, Pyramiden und Archäologie ohne weiteres assoziieren konnte, ist dies im Land der großen Mauer deutlich schwerer zu bewerkstelligen. Dem ersten Anschein nach, fragt man sich, ob es hier denn überhaupt Mumien gab. Aber ja, die gab es in der Tat, doch im eigentlichen Film sucht man sie, unter herkömmlichen Gesichtspunkten, vergebens. Wiederauferstanden Tote sind an der Tagesordnung und ob man diese wirklich als mumifizierte Geschöpfe bezeichnen kann – eine gewagte These. Aber ob nun dennoch alles der historischen Korrektheit entsprechen muss, bei diesem Sommerblockbuster, sei mal so dahingestellt. Das Auftreten der Football spielenden Schneemenschen wirkt da schon um einiges verblüffender. Von der Metamorphose Hans in einen mehrköpfigen Drachen mal ganz abgesehen. Aber es ist ein fantastisch angehauchter Abenteuerstreifen, was erwartet man also, als das die gesamte Trick- und Fantasiekiste der Macher geöffnet wurde, um möglichst viel Bombast hervorzurufen. Abwechslungsreichtum und Langeweile, das sind zwei Dinge, die man „dem Grabmahl des Drachenkaisers“ nicht vorwerfen darf.

Fürs Auge bekommt man einiges. Seien es geschmackvolle Special Effekts oder die oben angesprochen, unterschiedlichsten Wesen, die auf guter und böser Seite kämpferisch ihren Teil beitragen. Fehlerhaft hingegen aber auch hier wieder, ist die Ausgestaltung der Person Hans. Allzu machtvoll und unbesiegbar stolziert sie daher. Stets sich selbst und ihrer grenzenlosen Überlegenheit gewiss, arten die Fights nicht selten in ein wenig überraschendes Durcheinander aus, wenn es dem Gefolge in bester Schießbudenmanier an den Kragen geht. Doch sobald der Kaiser höchstpersönlich erscheint, heißt es die Arme in die Beine zu nehmen. Herrscher über alle Elemente, dazu noch die Fähigkeit zu morphen und die Beherrschung der altasiatischen Kampfeskünste – das ist eindeutig zu viel des Guten. Umso herber dann die Enttäuschung hinsichtlich des viel zu kurzen, belanglosen und unzufrieden stimmenden Endkampfs. Ein Highlight zum Schluss sieht eindeutig anders aus. Seine überwältigenden Martial Arts-Fähigkeiten kann Jet Li leider viel zu selten ausspielen. Erschwerend kommt noch hinzu, dass die beiden anderen asiatischen Schauspielerkollegen, Michelle Yeoh und Isabella Leong, verdammt blass bleiben und trotz ihrer zuweilen wahnwitzigen Akrobatik nicht so recht zur Geltung kommen.

Die aufgesetzt wirkende Lovestory zwischen Alex (Luke Ford) und Lin (Isabella Leong) setzt den Negativ-Trend dann noch fort. Eine klischeebeladene und vorhersehbare Stümperarbeit von den Drehbuchschreibern, denen wohl die Ideen ausgegangen zu sein scheinen. Aber wohlgemerkt, den Bonus des Popcornmovies behält „Die Mumie 3“ auch noch weiterhin. Aber nur noch bis zu dem letzten, entscheidenden Fehler, der diesen geldeinbringenden Status vielleicht noch gerade so aufrechterhält, jedoch seinen Stand in der Trilogie vollends verhunzt. Das, was die beiden vorherigen Teile ausmachte, diese beinahe schon etwas „billig“ und „angestaubt“ wirkende, trashige, aber sehr liebevolle Ausstattung, die einen, wenn nicht gar den größten Reiz darstellte, ist einfach nicht mehr vorhanden. Auf ein Haar wie bei „xXx“ und seinem Autogedöns hat Rob Cohen seinem Werk auch noch das letzte Fünkchen Seele entwendet. Eine tolle Aufmachung, keine Frage, doch statt humorvollem Wortwitz erwarten einen platte Dialoge, anstatt einer schwunghaften Mann-Frau Geschichte, ein gestelzter und leicht durchschaubarer Liebespart, statt abgefahrenen Charakteren, schablonenhafte Gestalten die fest in ihren Bahnen agieren. Einzig John Hanna sorgt mit seiner unverändert großspurig-trotteligen Art und Weise für nennenswerte Lacher, doch das ist einer der letzten verbleibenden Lichtblicke einer Filmreihe, die vor allem durch ihren nostalgischen Charme zu punkte wusste. Einem Charme, den man nun vergebens suchen muss. Da schaffen es auch die ordentliche Musik, eine Mischung aus traditionell fernöstlichen Klängen und britischem Folklore und die dynamische, doch mitunter viel zu schnell agierende Kamera nicht mehr, das Ruder herumzureißen. Denn selbst die als Höhepunkt geltende Große Schlacht der Untoten, mag zwar in ihrer Gewaltigkeit punkten, doch aufgrund der viel zu häufig deplaziert eingesetzten humoristischen Ergüssen der Verantwortlichen nimmt man dem Geschehen auch noch den letzten Wind aus den Segeln und lässt es bis zum fahlen Ende betröpelt vor sich hin dümpeln.

Möchte man den zweideutigen Aussagen gen Ende eine Bedeutung zusprechen, so können sich die Kinogänger sicherlich auf ein weiteres Abenteuer „freuen“. Maria Bello hat bereits unterschrieben und zusätzliche Teile sind bisweilen noch nicht auszuschließen. Aller Voraussicht nach wird wohl Alex die Geschäfte seiner Eltern weiterführen. Dann vielleicht in Südamerika? Hoffen wir nur, dass diese Nachfolger wieder die eigentliche Mumie in das Zentrum rücken werden, denn darauf wurde von Rob Cohen aufs schmerzlichste verzichtet. Was bleibt, ist ein enttäuschender Neuaufguss der altbekannten Thematik, mit fahrlässigen Fehlern behaftet, das sein Geld zwar einspielte, doch in seiner vorliegenden Form auch nicht zu mehr taugen tut.

Bewertung: 3,5/10 Punkten

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4 Kommentare leave one →
  1. September 16, 2008 10:55 am

    Warst Du doch noch im Kino?!?! Wenigstens hast Du so Geld für die DVD gespart 😀

    Ich muss Dir in allen Punkten zustimmen, auch wenn ich die Special Effects lausig fand. Aber die reißen es auch nicht mehr raus.

  2. September 16, 2008 11:51 am

    Schöner Veriss, und Respekt das du trotzdem im Kino warst, obwohl du ja sicher gewustst hast, was dich da für ein Desaster erwarten wird….;-)

  3. September 17, 2008 7:55 pm

    Japs, ich habs nicht lassen können und bin trotz aller Bedenken gegangen. Was ich dann sah, stimmte mich wirklich traurig. Schade um den kultigen Namen. Aber der Kaltduscher hat Recht, so hab ich mir zumindest das Gled für die DVD gespart^^. Und das chinesisch essen gehen davor war auch mal wieder was schönes 😛 .

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  1. Die Mumie - Das Grabmal des Drachenkaisers (2008) « isinesunshine

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