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Kurz reingeschaut: „El Mariachi“ (Mexiko/USA 1992)

September 19, 2008

Ein Mariachi (Carlos Gallardo) zieht mit seinem schwarzen Gitarrenkoffer von Stadt zu Stadt um mit seiner unbändigen Leidenschaft für das musikalische Spiel seinen Lebensunterhalt zu sichern. Doch in dem kleinen, mexikanischen Städtchen, in welcher er sich derzeit aufhält, scheint ihn das Glück verlassen zu haben. Fälschlicherweise wird er mit einem anderem, berühmten Banditen verwechselt, der genau wie er als Markenzeichen stets seinen Koffer mit sich trägt, welcher aber statt eines Musikinstrumentes ein Arsenal der verschiedensten Schusswaffen beherbergt. Nicht wissend, was die schießwütigen Gesellen von ihm wollen, versucht er auf mithilfe der verführerischen Bardame Domino (Consuelo Gómez) Klarheit zu schaffen. Doch er hat die Rechnung ohne den eiskalten Gangster Moco (Peter Marquardt) gemacht. Und auch der eigentlich gesuchte Killer hat da noch ein kleines, bleihaltiges Wörtchen mitzureden…

Nicht selten fragt man sich ja, wo so manch grandioser Regisseur seine Anfänge hat. Wie ist er überhaupt zum filmen gekommen. Waren alle seine bisherigen Werke so überzeugend, oder musste er sich erst hocharbeiten. Nicht sehr viele können von sich behaupten, wirklich mal ganz klein begonnen zu haben und allein aufgrund ihrer Leidenschaft, Talent und Engagement zu einem der ganz Großen geworden sind. So einer ist aber der Mexikaner Robert Rodriguez, der 1992 mit „El Mariachi“ eine delikate Ballade über geschossenes Blei und sinnliche Gitarren- Musik schuf. Ja, richtig gehört. Der Mann, der solch moderne Klassiker wie „From Dusk Till Dawn“, „Sin City“ und die hierzulande eher unbekannte „Spy Kids-Reihe“ auferstehen ließ, startete mit einem gerade einmal 7.000 Dollar gedrehtem Low-Budget-Filmchen ins Hollywood-Business, für das sich schon nach kürzester Zeit namenhafte Studios interessierten und dem Regisseur einen ruhmreichen Aufstieg bescheren sollten. Die Geschichte, so simpel sie auch sein mag, ist da beinahe Nebensache, denn die wohl größte Faszination folgert aus der gelungenen Schnitttechnik, varianten- und vor allem trickreichen Kameraeinstellungen und eben aus dem Hintergedanken, dass der Film nur 7.000 Dollar gekostet hat. Mithilfe unzähliger, im Grunde absolut schlichter Zooms, Schwenks und kleinerer Raffinessen bei der Standortbeleuchtung suggeriert er dem Zuschauer den Eindruck eines hochdotierten Actionreißers in Spe, dessen Blende einzig durch die grottige Bildqualität und dem leider unvermeidbaren „Trashcharakter“ zu bröckeln beginnt.

Dennoch ist die Liebe zu jedem noch so kleinem Detail anhand der gesamten Ausgestaltung des Szenarios bis hin zur musikalischen Untermalung unentwegt zu sehen und wirkt in nicht unerheblichen Maßen sehr beeindruckend. Ein weiteres Beispiel dafür, wie wichtig Rodriguez sein Projekt war, ist die Tatsache, dass er ein Drittel des Gesamtbudgets mit Selbstversuchen neuer Medikamente erwirtschaftet hat. Ferner besetzte er diverse Rollen geldsparend mit den Drehortsansässigen Nachrichtensprechern und selbst die Kamera war nur geliehen. Für alle Probleme gibt es eben Lösungen und wenn sie wenig bis gar nichts kosten, dann umso besser, so die Devise. Nun, über die rein filmischen Qualitäten lässt sich ohne Frage streiten, denn das, was sich da auf dem Bildschirm abspielt, ist bei eingehender Betrachtung unverkennbar „Low Budget“ inszeniert. Und dass solch eine, als äußerst speziell geltende Machart bekanntlich nicht unbedingt jedermanns Sache ist, gilt ja weithin als bekannt. Sieht man den Film jedoch unter dem Aspekt eines Erstprojektes in Verbindung mit dem, man kann es nicht häufig genug erwähnen, beinahe lächerlich anmutenden finanziellem Spielraum und Mangel an professionellen Darstellern, so lässt sich ein kultiger Faktor des Ganzen nicht wirklich abstreiten.

Alleine schon als Lehrstunde über das Filmemachen an sich, ist „El Mariachi“ geradezu prädestiniert, wenn nicht gar das Exempel schlechthin für junge, ambitionierte Regisseure. Ein Beweis dafür, was auch mit geringen Mitteln so alles möglich ist, wenn man nur mit Leidenschaft und vollem Einsatz bei der Sache ist.

Bewertung: 7/10 Punkten

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4 Kommentare leave one →
  1. September 19, 2008 3:42 pm

    Da gibts nichts hinzuzufügen 🙂 Mal gucken, wie Du die anderen Teile bewertest 😀

  2. September 19, 2008 4:05 pm

    Dem möchte ich mich anschließen… 😉

  3. September 19, 2008 5:49 pm

    Für mich der beste Teil der Reihe. Da hat Rodriquez noch ordentlich auf den dreckigen, mexikanischen Putz gehauen! 😀

  4. September 21, 2008 1:45 pm

    Hehe, die anderen beiden werden im Laufe der nächsten Zeit rezensiert werden 🙂 . Aber soviel kann ich schonmal verraten, auch ich finde “ El Mariachi“ am besten von der Trilogie.

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