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DVD-Kritik: „Born to be Wild“ (USA 2007)

Oktober 3, 2008

Midlifecrisis. Das Schreckenswort aller Männer und Frauen „mittleren“ Alters. Symbolträchtig für eine Sinneskrise zur Halbzeit des Lebens. Berühmt berüchtigt in ihrem Auftreten. Doch an diesen Punkt kommen wir alle einmal, egal wie sehr wir uns auch dagegen sträuben mögen. Irgendwann ist es so weit, dass wir nicht umhin kommen werden uns Gedanken zu machen darüber, was wir in unserem Leben eigentlich vollbracht haben. Und noch viel wichtiger dabei ist die Frage, wie die Zukunft aussehen soll. Eine Perspektive zu haben, in der „letzten“ Hälfte des Lebens und zu leben um zu leben. Nicht Stillzustehen und die Zeit an uns vorbeiziehen zu lassen, nur um am Sterbebett einmal sagen zu können: Ich war und bin immer noch glücklich. Leben und Freiheit, das sind zwei wichtige Indikatoren für ein glückliches Dasein in den viel zu geringen Zeitraum, der uns auf dieser Welt wandeln lässt. Die einen verfolgen diese Philosophie von Jugendalter an, andere wiederum erreicht die Erleuchtung erst zu dieser magischen Grenze. Denn auch im „mittleren“ Alter kann noch viel passieren und ist das Leben noch lange nicht vorbei. Doch was tun, um solch einen drastischen Wandel herbeizuführen. Nun, würden wir die „Wild Hogs“ fragen, so bekämen wir sicherlich eine einheitliche Antwort: Löse dich von all den Verpflichtungen deines jämmerlichen Alltages, setzt dich auf deine Harley und fahre einfach los. Ohne Ziel, ohne Route, Freiheit lautet die Devise. Natürlich die regelmäßigen Pinkelpausen nicht vergessen, doch das ist wieder eine andere Geschichte. Doug, Woody, Bobby und Dudley alias Tim Allen, John Travolta, Martin Lawrence und William H. Macy sind diese “Wildschweine”, die beschließen all ihre Probleme mit Frau, Haus und Kind daheim zu lassen und sich auf einen Trip begeben, der ihr aller Leben wieder in Schwung bringen soll. Der die Lethargie vergangener Tage vergessen macht und den vieren neue Lebensfreude beschert.

Doug ist Zahnarzt, derzeit auf Diät, verheiratet und hat einen Sohn der ihn als Weichei sieht. Früher einstmals ein Rebell, ist er zu einem lammfrommen Spießer verkommen, den die Familie nicht mehr ernst nehmen kann. Woody, im Grunde ein Playboy wie er im Buche steht, wurde von seiner Frau verlassen und ist finanziell ruiniert. Bobby steht unter der Pantoffel seiner herrschsüchtigen Ehefrau und arbeitet als Klempner, zu dessen Aufgaben nicht nur Rohre verlegen gehört, sondern auch diese und andere Sanitäranlagen wieder keimfrei zu machen. Wahrlich ein „beschissener Job“. Der letzte im Bunde, Dudley, ist ein biederer Programmierer, der Angst vor Frauen hat und auch sonst von einem Fettnäpfchen ins nächste tappt. Eine komische Gang also, diese „Wild Hogs“. Als Woody vorschlägt eine Woche lang einfach mal die Sau herauszulassen und mit der Maschine bis zum Pazifik zu cruisen ist nach anfänglicher Skepsis die gesamte Bande mit von der Partie. Doch ein neurotischer Streifenpolizist, eine knallharte „echte“ Bikergang, ein beschauliches kleines Wüstenkaff und Dudleys womöglich große Liebe stellen das Quartett nicht nur einmal auf die Probe. Doch ihre Freundschaft, der Drang nach Freiheit und der nötige Galgenhumor hält sie zusammen…

Stellvertretend für die Altherrengeschichte steht zugegebenermaßen auch der Cast. Allesamt sind die vier in die Jahre gekommen, haben zwar im Laufe ihrer Karrieren so manches Highlight abgeliefert, doch der Zahn der Zeit nagt an jedem. Besonders bei Travolta und Allen sind ein paar Pfunde mehr deutlich zu sehen. Ein Vorteil auf diese „alt“bekannten Gesichter zu setzen ist aber der, dass sie ihre Rollen der gebeutelten Männern sehr glaubhaft dem Zuschauer vermitteln können und zu keinem Zeitpunkt unglaubwürdig erscheinen. Denn sind wir einmal ehrlich, die realen Pseudo-Biker sind den filmischen Abbildern ganz und gar nicht unähnlich. Nun gut, dass „Pulp Fiction“ John Travolta zuweilen ein wenig zur Übertreibung neigt und seine überzogenen Grimassen schon nah ans Over Acting grenzen, das gefällt wiederum weniger. Und auch Tim Allen, der TV-Star aus „Hör mal wer da hämmert“ bleibt verhältnismäßig blass. Zum Vergleich, haut Martin Lawrence wie eh und je in seinen unzähligen Komödien einige gute Gags in die Welt hinaus, genauso wie William H. Macy durch seine typisch-trottelige Art sehr zu gefallen weiß. Im Großen und Ganzen aber nehmen sich die Kerle nichts. Der in Scrubs als Dr. Cox bekannte John C. McGinley sorgt außerdem für den einen oder anderen Klamauk als schwuler Streifenpolizist, der dem Quartett zweimal einen recht zweifelhaften Besuch abstattet. Leider wird diese lustige Figur gen Ende einfach vergessen, findet aber zumindest im alternativen Ende noch einmal den Weg ins Geschehen. Daneben gibt es noch drei amüsante Gastauftritte zu bestaunen. Kyle Gass, Sänger der Band „Tenacious D“ gibt sich bei dem Chiliwettbewerb als Musicact die Ehre. Und auch Paul Teutul sr. sowie auch Paul jr. von Orange County Choppers sind mit zwei kleinen Cameos mit von der Partie. Wenn wir jetzt schon die Namen der Reihe nach aufzählen, dürfen wir natürlich auch Ray Liotta nicht vergessen, der den zwielichtigen Antagonisten der „Wild Hogs“ darstellt. Seinem typischen Badboy-Image gleich versucht er den Jungs die Hölle heiß zu machen.

Denn seiner Ansicht nach sind nur er und seine Gang richtige Biker, die Geldsäcke aus der Vorstadt hingegen nicht mehr als Witzfiguren. Und als Woody die Explosion der Bierbar teils mit verschuldet, ist Jack (Liotta) nicht mehr zu bremsen. Ohne Frage baut die Geschichte auf gängigen Klischees und ist stellenweise arg vorhersehbar. Das kann man auch durchaus als herbes Manko ansehen, doch stehen diese Klischees nicht sogar stellvertretend für einen wahrgewordenen Männertraum? Loszuziehen, frei zu sein, nebenbei die Bösen zur Strecke zu bringen und nicht zu vergessen, auch noch eine dich liebende Frau zu finden. Nunja, das ist wie so oft Auslegungssache und ich wiederum sehe es dieses Mal weniger eng mit dem kaum überraschenden Plot. Er genügt und man darf auch nicht aus dem Auge verlieren, dass man es eben „nur“ mit einer Komödie zu tun hat, die sich der streitbaren Vorstellung hingibt, dass das Biken einen, wenn nicht gar DEN Weg zur Selbstverwirklichung darstellt. Mal ganz abgesehen davon, dass die Freiheit ethisch gesehen ein äußerst ambivalenter Begriff ist, werden wahre Mottoradfreaks Walt Becker sicherlich zustimmen. Majestätische Highways überquerend, vorbei an Wüste und tiefen Schluchten zieht es die Gang zum Pazifik und die Bilder die Robbie Greenberg auf dem Weg dahin eingefangen hat lassen wahrlich mehr als einmal den Atem stocken. Wenngleich Realismus selbstredend vermisst wird, packt einen doch irgendwie das Reisefieber und der Wunschgedanke sich auch baldigst auf die Route 66 zu begeben. Stets aufgelockert durch gute Wortgefechte und viele skurrile Situationen vergeht die Zeit wie im Flug. Kurzweil wird hier ganz groß geschrieben. „I-Cat“, die improvisierte „Sitting Bull-Sequenz“ in der Bar oder auch der stets missglückte „Faustabklatscher“ von Dudley, dass alles sind Szenen die gerne auch ein zweites oder gar drittes Mal zum Lachen anregen, ohne jemals der Redundanz zu verfallen.

Vor allem sind es die verulkten typischen Biker-Klischees, die der Komödie ihre Würze geben. Ein bisschen erwachsenenfreudiger hätte es aber trotzdem zu gehen können. Zusammengefasst, kommt der Streifen beinahe zu kinderfreundlich daher, was aber hinsichtlich des Sujets eine eher unpassende Entscheidung darstellt. Wenden wir uns aber dem großen Showdown und somit einem weiterem positiven Aspekt hinzu, so rückt der Rest schnell in den Hintergrund. Gewiss driftet an dieser Stelle das Geschehen zeitweise arg in pathetische Bahnen ab, dennoch ist die Moral dahinter klar erkennbar. Freundschaft bis zum bitteren Ende. Zusammenhalt, Mut und sich nicht unterkriegen lassen, so die Botschaft. Nimmt man sich dies zu Herzen kann man jeder noch so beängstigenden Gefahr obsiegen. Als schließlich Peter Fonda als Biker der alten Schule auftritt und die „Del Fuegos“ von „Captain America“ höchstpersönlich zu Recht gewiesen werden, ist es dann vielleicht doch so etwas wie eine Bestätigung für den heilsames Geist des Bikens. Einen Geist,  den mit den Schlägern nichts mehr eint, bis sich diese wieder auf die Straße zurückbegeben und versuchen sollen, zu ihren ehemaligen Wurzeln zurückzufinden. Zum Guten bekehrt zu werden Großartig im Übrigen, der später nachfolgende Szenenausschnitt einer „Familie in Not-Sendung“ im Abspann, dessen Beteiligte für die „Del Fuegos“ ein neues Zuhause gebaut haben. So setzt man eine letzte große Veräppelung für die bösen Jungs, die auf einmal wieder Kind sind und ganz und gar nicht mehr die harten Biker. Und ehe es wir vergessen, sollten wir nun noch kurz auf die Musik im Film eingehen, die einen gewaltigen Spaßbonus bereithält. Ganz auf das wilde Thema zugeschnitten dröhnen einem, wie sollte es auch anders sein, immer wieder erstklassige Rocknummern entgegen, von Bon Jovi bis hin zu Steppenwolfs unverzichtbarer Rock-Hymne „Born to be Wild“ und untermalen das Treiben äußerst adäquat. Und während die vier Männer so auf den Straßen dahin brettern und diese unvergleichliche Mucke erklingt, ja dann will man selbst so schnell wie möglich auf seine Maschine steigen, den nächstgelegenen Highway aufsuchen und einfach nur eins sein: Frei.

Walt Becker hat mit „Born to be Wild“ sicherlich keine komödiantische Offenbarung geschaffen, doch dieser charmanten Altherrenrunde bei ihrem Abenteuer zuzusehen sorgt dennoch für recht viel gute Laune und ist für ein kurzweiliges Vergnügen immer gern gesehen.

Bewertung: 7/10 Punkten

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3 Kommentare leave one →
  1. Oktober 3, 2008 12:35 pm

    Ich hatte den damals in der Sneak gesehen und fand ihn eher durchschnittlich. Hat nicht weh getan, war aber auch weit davon entfernt wirklich gut zu sein.

  2. Oktober 3, 2008 2:36 pm

    Kann deine Meinung absolut nachvollziehen – hatte glaube auch mal deine Kritik zum Film gelesen. Aber ich denk, bei Komödien scheiden sich eh die Geister. Humor ist wirklich eine der wenigen Sachen wo man nicht pauschal sagen kann, ob er gut oder schlecht sei, denn jeder Mensch empfndet in dieser Sache anders. Eigentlich bespreche ich aus diesen Gründen so gut wie nie Komödien, doch bei „Born to be Wild“ machte ich mal eine Ausnahme 😉 .

  3. Oktober 3, 2008 2:55 pm

    Klar, Humor ist absolute Geschmackssache. Und nicht nur Humor. Wäre ja auch langweilig, wenn alle die gleichen Kritiken schreiben würden… 😉

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