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DVD-Kritik: „Hot Fuzz“ (GB 2007)

Dezember 21, 2008

hotfuzzParodien, oder auch Filme, die andere ihrer Art gehörig aufs Korn nehmen sind heutzutage beileibe keine Seltenheit mehr im Geschäft. Von so großartigen Klassikern wie „Loaded Weapon“, „Hot Shots“ oder auch der „Die Nackte Kanone“-Reihe geht die weitreichende Palette bis hin zu den neuartigen Vertretern a la „Superhero Movie“, „Date Movie“ etc. pp., die bei hinreichender Betrachtung jedoch nur zu einem zu gebrauchen sind: Einem gepflegten Wurf in die Mülltonne. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen etwa „Scary Movie“ noch Spaß bereitet hat oder Charlie Sheen mit Hühnern seinen Bogen spann. Doch es besteht Anlass zur Hoffnung. Ein kongeniales Trio aus England machte sich 2004 mit der Zombiefilm-Parodie „Shaun of the Dead“ auf,  die Lachmuskeln der Zuschauer neu zu erobern, was ihnen schlussendlich auch in bemerkenswerter Art und Weise gelingen sollte.

Diese niveauvolle Mischung aus parodistischen Elementen und nicht übersehbaren Kritik an unserem Gesellschaftswesen in Verbindung mit Splatter und gekonnten Wortwitzeleien wusste zu überzeugen und nahm etwa George A. Romeros legendäre Reihe der lebenden Toten gekonnt auf die Schippe. Die Männer vor und hinter der Kamera waren Simon Pegg, Nick Frost und Regisseur Edgar Wright. 2007 dann folgte der nächste Streich, „Hot Fuzz“ betritt die Kinoleinwände und vereint Hommage und Veräppelung der goldenen Actionfilme unserer Zeit zugleich. Ganz getreu ihrem begonnen Stile stellt „Hot Fuzz“ den zweiten Teil der „Blood and Ice Cream Trilogy“ dar und macht dabei seinem kuriosen Namen alle Ehre. Denn Unmengen an Blut und das berühmte Cornetto-Eis sind wie schon bei „Shaun of the Dead“ wieder mit von der Partie, ebenso das bekannte Darstellerduo sowie einige andere Charaktere in kleineren Rollen, die schon beim Vorgänger mitwirkten.

Nicholas Angel (Simon Pegg) ist ein Superbulle wie er im Buche steht. Eine  400%ige Verhaftungsrate, Mitglied in einer Anti Terror-Einheit und eine Vielzahl an Auszeichnungen. Er ist so in den Beruf vernarrt, dass seine Freundin ihn verlässt und Kollegen sowie Vorgesetzten ihn weil seines penetranten Gerechtigkeitsbestrebens ächten. Versetzt in das idyllische Sandford, einem beschaulichem kleinen Dörfchen im Niemandsland, dessen wohlklingendes Bestreben das Wohl aller ist, hat er es nun mit Problemen der ganz anderen Art zu tun. Unfähige Dorfpolizisten, sein filmverrückter Partner Danny (Nick Frost) und  ein entlaufener Schwan erschweren ihm die Aufklärung einer mysteriösen Serie von Unfällen. Und die blutige Spur führt schnurstracks zum ortsansässigen Supermarktleiter Simon Skinner (Timothy Dalton)…

Zu gute halten muss man Edgar Wright wirklich, dass all die kleinen Details, wo „Shaun of the Dead“ ausgemacht haben auch hier wieder Verwendung gefunden haben. Seien es die schnellen Szenensprünge, wie besonders hervorgehobene Geräusche oder auch die allseits präsente, unbehagliche Atmosphäre in bestimmten Situationen, die das nahende Unheil unmissverständlich ankündigen. Die Geräuschkulisse ist ein großer Pluspunkt des Filmes und birgt in ihrem Wirken immer wieder aufs Neue immens lustige Einfälle. So etwa auf musikalischer Ebene das Radioprogramm von Skinner, welches ähnlich wie bei der Jukebox in der Zombiepersiflage geradezu sarkastische Seitenhiebe auf das gerade ablaufende Geschehen austeilt. Und auch das Pub ist wieder mit dabei und bildet einen zentralen Handlungspunkt der Geschichte. Aber „Hot Fuzz“ wäre kein Sammelsurium des Actionfilmes, wenn nicht auch essentielle Bestandteile und Markenzeichen dieser Filme vorhanden sein würden. So finden sich zahllose Anspielungen an etwa „Leon der Profi“, „Lethal Weapon“, „Bad Boys II“, „Gefährliche Brandung“ und andere. Seien es Zitate, Kinoplakate, ausliegende DVD-Cover oder dem Vorbild nachempfundene Szenen, all diese sind zu Hauff vorzufinden und veranlassen unweigerlich zu einem heiterem Ratespiel, was denn nun welcher Film gewesen sein könnte. Ein nicht zu unterschätzender Spaß-Boni, der einen großen Reiz des Filmes ausmacht und auch zu mehrmaligem Ansehen einlädt.

Ganz ihren großen Vorbildern nacheifernd schnüffeln die beiden Cops sich dabei durch das Dorf und lassen keinen Stein umgedreht, um die geheimnisvolle Unfallserie aufzuklären. Was anfangs noch als frustrierende, da von allen Seiten entgegenwirkende Suche nach der Wahrheit beginnt, endet mit einem bleigeladenen Schlussakt voller Waffen- und Men-Power, dass es kracht. Ohne Rücksicht auf moralisch fragwürdige Verluste ballern die beiden alles weg was nicht Niet- und Nagelfest ist, entsprechend blutig in Szene gesetzt inklusive. Vor allem die Morde sind, wenn auch arg übertrieben, äußerst grob geraten und lassen, ganz nach den Vorlagen, an Realitätssinn und Glaubwürdigkeit arg vermissen. Aber beides wäre in „Hot Fuzz“ auch gänzlich fehl am Platze, denn der Spaß am Zitieren und Kopieren steht ganz klar im Vordergrund und das sollte auch bei solch einer Hommage das angestrebte Ziel sein. Selbst an die neuste Marotte der Filmschaffenden, ihre Werke in einer epileptische Anfälle verursachenden Kamera- und Schnittgeschwindigkeit zu visualisieren wurde gedacht und entsprechend überspitzt verwendet. Inmitten dieser Flut an visuellen und audiophilen Reizen kann es zuweilen etwas schwer fallen allem so recht Folge leisten zu können, ein adrenalinförderndes Highlight folgt auf das nächste, zumindest zur zweiten Hälfte des Streifens.

Exposition samt Laufzeit bis hin zur Mitte des Filmes sind noch recht entspannt geraten – leider zeitweise etwas zu „entspannt“,  will heißen hätte durchaus etwas gestraffter sein können – und orientieren sich mehr an Witz und Sarkasmus, denn an Explosionen und Shoot Outs. Vor allem die Kritik am Gemeindewesen und Kleinkariertheit der Bürger aus ländlichem Gefilden kommt nicht zu kurz, offeriert aber gleichzeitig ein Bild, das sich dem Zuschauer auch in der Realität nicht selten entblößt. Kontrollsüchtige Sitten- und Moralwächter im Auftrag der Bürgerwehr und das zwanghafte Bestreben das schönste Dorf darzustellen in dem einfach alles perfekt ist, mögen einem nichtmal so fernab des Denkbaren erscheinen. In wie weit die Bewohner von Sandford dies in die Tat umsetzen, weiß in seiner Drastik und Sorglosigkeit dann doch ein wenig zu schockieren und mit den normalen Erwartungshaltung des Betrachters zu spielen. Ebenso ergeht es aber auch Nicholas und Danny, die sich in ihrer Fassungslosigkeit über das Geschehene nahe dem Erstaunen des Zuschauers wieder finden. Simon Pegg und Nick Frost bilden wie bereits schon bei „Shaun of the Dead“ ein gut harmonierendes Gespann, dass in all seinen Aktivitäten zum Dauerschmunzeln anzuregen weiß. Wirklich große Gag-Kracher sucht man zwar auch hier wieder vergebens, doch der bewusste Verzicht auf Slapstickeinlagen macht durchaus Sinn, da insofern genügend Freiraum für eine entkrampfte und lockere Unterhaltung vorhanden ist, ohne dem ständigen Drang zu unterstehen auf Hau-Drauf witzig erscheinen zu müssen.

Im Endeffekt freut man sich nun schon auf den dritten und letzten Teil der Reihe und hofft ebenso gut unterhalten zu werden, wie es bereits diese beiden Vorgänger in respektabler Manier geschafft haben. Mal schauen, was sich die Drei dieses Mal so ausdenken werden.

Bewertung: 8,5/10 Punkten

PS: Bei isinesunshine gibt es einen informativen „closer look“ auf den Film und die von ihm rezitierten Streifen. Anschauen lohnt sich!

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2 Kommentare leave one →
  1. Dezember 21, 2008 9:30 pm

    Interressanterweise mochte ich „Shaun of the Dead“ ursprünglich nicht so sehr, was wohl vor allem an der Zombie-Thematik lag, die nicht wirklich die Meine ist. Mir hat der Film dann aber nach der zweiten Sichtung deutlich besser gefallen. Der Grund lag darin, dass ich in der Zwischenzeit „Hot Fuzz“ gesehen hatte, der mir für den Humor der Beteiligten druch die für mich interessantere Thematik die Türen geöffnet hatte. Was ich damit sagen will: Ich habe lange keine bessere Komödie gesehen, als „Hot Fuzz“ und es hat sich in der Summe mal wieder bestätigt, dass ich mehr als nur ein wenig emfänglich für den britischen Humor bin.

  2. Dezember 22, 2008 4:16 pm

    Ich kann mit dem britischen Humor auch vermehrt etwas anfangen, ist mir irgendwie geist- und nivauvoller als so manche Ami-Comedy, die eh immer nur nach dem gleichen redundanten Muster abläuft. Aber „Hot Fuzz“ ist wirklich ein starkes Stück.

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