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DVD-Kritik: „Thursday – Ein mörderischer Tag“ (USA 1998)

Januar 24, 2009

thursday1Dem Versuch Quentin Tarantino, seines Zeichens der meisterhafteste Ideenkopierer der Filmwelt schlechthin, selbst nachzustellen erwiesen sich schon viele Regisseure als nicht imstande. Auch Skip Woods wollte wie es den Anschein hat in den End90ern auf dessen Schiene aufspringen und mit seinem Film „Thursday – Ein mörderischer Tag“ ist ihm  das auch in Teilen gewissermaßen gelungen.

Der Plot ist dabei schnell erzählt, Casey Wells (Thomas Jane) lebt mit seiner Frau ein gutbürgerliches Leben in einem Vorzeigehaus der amerikanischen Upperclass. Sie weiß nicht, dass der jetzige Architekt früher seinen Lebensunterhalt mit Drogengeschäften bestritten hat. Doch diese Zeiten sind vorbei. Bis zu dem Tag, an dem der ehemalige Kumpel und Geschäftpartner Nick (Aaron Eckhart) daheim anruft und sein Kommen ankündigt. Unter einem Vorwand leiht er sich Caseys Auto und hinterlässt zudem noch einen kleinen, metallenen Koffer dessen Inhalt sich dem lebensgewandelten Mann erst später offenbart: Heroin. Als Nick sich weigert die Drogen zurückzunehmen, spült Casey den Stoff kurzerhand einfach den Abfluss hinunter. Doch damit fangen die Probleme erst an, denn ein Pizzabote, eine sexgeile Schlampe (Polina Porizkova), ein folterversessener Psychopath und ein zwielichtiger Cop (Mickey Rourke) machen neben dem gescheiterten Gespräch mit einem Adoptionsvermittler diesen Donnerstag zu einem Tag des Schreckens…

Eine Tarantino-Imitation, mehr lässt sich zu Geschichte, wie auch dem finsteren Humor nicht sagen. So sehr Woods vielleicht auch versucht, seinen Film eigenständig wirken zu lassen, stets bleibt der Gedanke am Meister höchstpersönlich hängen. Ein Schicksal bzw. Vergleich der wohl jedem artverwandten Film jemals anhaften wird, denn das was der Freund von Robert Rodriguez zu jenen Zeiten mit „Pulp Fiction“ oder etwa „Jackie Brown“ ablieferte war ganz groß. Und auch etwas neues, etwas stilbildendes, in einer Qualität wie es bisher einzig nur Tarantino erreicht hat. „Thursday“ ist für sich allein genommen ein ordentlicher Streifen mit pechschwarzen Humor, makaberen Situationen und aberwitzigen Charakteren, der eben dem harten Vergleich mit obig genannten Titeln nicht standhält.

Kultverdächtig jedoch ist die Anfangssequenz im Supermarkt, die schon früh einen Einblick dessen gewährt, was den Zuschauer in der darauf folgenden Zeit an wohl so an allerlei Skurrilitäten erwarten wird. Auch die handlungsrelevanten Personen sind zu großen Teilen recht interessant gestaltet, die nymphomanische Dallas aber sticht aufgrund ihrer lüsternd-knisternden Erscheinung dabei besonders hervor, auch wenn sie angezogen um einiges appetitlicher anzusehen ist, als wenn sie später entkleidet auf Caseys Schoß hockt. Mickey Rourke hat dann zusätzlich auch noch einen netten Gastauftritt als Cop spendiert bekommen und sorgt für einen gewissen Promibonus. Insgesamt hatte die Darstellerriege hinsichtlich ihrer im Großen und Ganzen überzeugenden Leistungen offenkundig ihren Spaß an den überdrehten Wortgefechten und Actioneinlagen. Dabei ist Action hierbei das Stichwort, denn der Film verläuft im Grunde sehr leise, nur zwei oder dreimal kommt etwas Leben ins Geschehen und dies aber dann richtig. Bluteinsatz und Schussanzahl der entsprechenden Szenen entzücken das Zielgruppen-Herz und trösten mitunter auch über Aaron Eckharts ausgesprochen farblose Performance hinweg.

Auf die extrem kurze Laufzeit hin gesehen, ist „Thursday“ ein kurzweiliges Vergnügen für Fans von Filmen der tarantinoschen Machart. Alle anderen können getrost einen großen Bogen um ihn machen, denn wer schon mit dem großen Bruder nichts anzufangen wusste, braucht es mit dem kleinen Enkel erst gar nicht zu versuchen.

Bewertung: 7/10 Punkten

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5 Kommentare leave one →
  1. Januar 24, 2009 8:43 pm

    Ist in der Tat eine sehr kleine, schöne, bitter-böse Komödie. Definitiv einen Blick wert. Damals war der Jane-Thomas ja auch noch recht unbekannt, wenn ich mich recht entsinne bzw. erinnere.

  2. Januar 25, 2009 11:02 am

    Jup, da war er noch nicht sehr populär. Sehe den aber sehr gerne.

  3. Januar 25, 2009 1:28 pm

    Hm, den Film kenne ich gar nicht. Hört sich aber gut an. 😉

  4. Januar 25, 2009 9:12 pm

    So, nachdem ich jetzt doch wieder Luft bekomme, obwohl mir die Bezeichnung Ideenkopierer für Tarantino (da hilft auch meisterhaft nix) immer noch sehr starke Kopfschmerzen bereitet: Ja, ein netter Film.:D

  5. Januar 26, 2009 2:40 pm

    Was stört dich denn daran, es ist doch weithin bekannt, dass Tarantino sich sehr gerne an diversen Streifen bedient. Das „Ideenklauer“ war ja nicht im negativen Sinne gemeint, denn dadurch schuf er ja schon die eine oder andere grandiose Hommage an diverse Werke oder Genres. Im Gegensatz zu manch tölpelhaften Regisseuren weiß er, wie er mit all dem Zeug umzugehen hat 🙂

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