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Kritik: „Happy-Go-Lucky“ (GB 2008)

April 8, 2009

Bekanntlich hat jeder Mensch einmal einen schlechten Tag. Mies gelaunt durch die Gegend stampfend und mit dem Schicksal ob seiner so selbst geglaubten Benachteilung hadernd. Schlimmer noch, wenn sich dies nicht bei einem momentanen Zustand begrenzt sondern auf Dauer und unbestimmte Zeit Einzug findet in das Leben des bemitleidenswerten Individuums. Von Sorgen geplagt und von unerfreulicher Laune gezeichnet, wird das Dasein als enttäuschend und frustrierend empfunden. Umso wichtiger aber dann, wenn es Menschen gibt, die mit all der Griesgrämerei nichts am Hut haben und lieber nur die Sonnenseite des Lebens sehen, dementsprechend positiv in die Zukunft schauen und jederzeit nur das Gute aus allem ziehen wollen.

Poppy (Sally Hawkins) ist so eine. Stets gut gelaunt lebt sie ihr Leben genauso so, wie es ihr gefällt. Von eine immerwährenden Heiterkeit geprägt übersteht sie stressige Alltagssituationen, wie sie ebenso auch nicht den Mut und die Wagnis zu neuen Erfahrungen und Erkenntnissen vermissen lässt. Durch ihre beinahe schon kindliche Naivität stößt sie aber nicht nur auf freudige Resonanz ihrer Mitmenschen, viele fühlen sich gestört von der ewig freudig aufgelegten Polly und ihren verrückten Marotten, für andere wiederum ist sie ein Lichtblick in all der Tristesse und Vereinsamung der heutigen Gesellschaft…

Mit „Happy-Go-Lucky“ ist Mike Leigh wirklich der perfekte Film für die Miesepeter unserer Zeit gelungen. Soviel positive Energie und Lebensfreude zusammen gab es bislang nur selten auf Zelluloid zu sehen. Das Poppy dabei aufgrund ihrer unbändigen Frohnatur selbst dem Zuschauer bisweilen ein wenig den Nerv raubt, wenn er denn nicht gerade wieder einmal herzhaft lachen muss, ist dabei leider die Kehrseite der Medaille. Polly kann man lieben und hassen zugleich, wie die Protagonisten im Film selbst. Dabei nimmt sie uns trotz aller Widrigkeiten mit auf eine aufgenöffnende Reise durch den Alltag, in der wir uns selbst unlängst ohne Probleme wieder erkennen können.

Wir begegnen den verschiedensten Charakteren, die alle auf ihre ganz eigene Weise mit ihrem Frust und Unbehagen umzugehen wissen – oder eben nicht. Das Pollys „Feel Good-Feldzug“ dabei nicht unbedingt auf aller Ohren stößt, das muss sie leider nicht nur einmal feststellen. Dabei heißt es doch immer so schön: „Lache und die Welt lacht mit dir“. Aber vielleicht ist Mike Leighs persönlicher Ansatz zugegebener Maßen schon ein wenig realitätsfreundlicher, als die allseits beliebte Floskel. Hauptdarstellerin Sally Hawkins ist es dabei allen voran zu verdanken, dass der Film auf Internationaler Bühne so erfolgreich war. Sie IST Polly in Person. Man mag es zwischenzeitlich kaum glauben, dass zwischen Schauspielerin und Rolle noch ein Unterschied bestehen mag, so kongruent harmonieren diese beiden Parts miteinander. Das dem Geschehen bedauerlicher Weise nach circa einer Stunde merklich die Luft ausgeht und alsbald Redundanz vorherrscht ist nunmehr weniger schön.

Die Botschaft des Filmes ist verkündet, der Ausgang der Geschichte bereits nach kurzer Zeit klar. Und doch zerrt Mike Leigh den Stoff bis zur allerletzten Sekunde in die Länge und ist somit für den deutlichen Abstieg in der zweiten Hälfte des Streifens verantwortlich zu machen.

„Happy-Go-Lucky“ ist ein netter Gute-Laune-Film für zwischendurch, der unterhaltsam wie auch lehrreich daherkommt. Vorausgesetzt, der Zuschauer besitzt zum Zeitpunkt der Sichtung selbst ein recht sonniges Gemüt, andernfalls würden die Verrücktheiten seitens Polly nach nicht allzu langer Zeit heftigst an seinem Nervenkostüm zehren. Trotzdem, Sally Hawkins sollte man durchaus für die Zukunft im Auge behalten, denn ihre Leistung in „Happy-Go-Lucky“ ist nicht nur herausragend, nein, geradezu umwerfend und wird ihr mit Sicherheit noch das eine oder andere gute Angebot einbringen.

Bewertung: 7/10 Punkten

Originaltext ist erschienen bei: sneakfilm

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2 Kommentare leave one →
  1. Mai 24, 2009 3:45 pm

    Hier ist auch nicht mehr viel los. 😦

  2. Mai 25, 2009 2:10 pm

    Das war ein temporärer Zustand, der sich jetzt in Zukunft wieder ändern wird. Hatte privat einiges um die Ohren. Schule, Beziehungssachen und dergleichen, musste mir ersteinmal wieder klar machen, wo meine Prioritäten liegen und naja, da musste das Schreiben leider erst einmal hinten anstehen. Aber es geht wieder aufwärts, versprochen.

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