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DVD-Kritik: „Desperado“ (Mexico/USA 1995)

November 7, 2008

desperado

Nachdem Robert Rodriguez mit „El Mariachi“ eindrucksvoll bewiesen hatte, zu was er in seiner Funktion als Regisseur imstande ist, bekam er 1995 die Gelegenheit, um mit „Desperado“ an den Erfolg seines Amateur-Streifens anknüpfen zu können. Das Budget: 7 Millionen Dollar. Eine gewaltige Steigerung zu den mageren 9.000 seines Erstlings. Und da „Desperado“ ebenso von dem namenlosen Mariachi handelt, ging er logischerweise als offizielles Sequel in Produktion.

Natürlich war es dabei keine Frage, dass neben dem größeren Finanzspielraum auch ansehnlichere Darsteller engagiert wurden, die dem Massenmarkt noch den einen oder anderen Anreiz mehr zum Kinogang gewährleisten sollten. Das dabei vielleicht der gerade so geschätzte „Billig-Look“ unwiderruflich verloren gehen musste, daran dachte wohl keiner. Denn unter Fankreisen war es gerade dieses Faktum, was den Kult um Film und Regisseur rechtfertigte. Carlos Gallardo, ehemaliger Hauptprotagonist, wurde zumindest nicht ganz vergessen und bekam eine kleine Nebenrolle zugesprochen.

Ein kleines Städtchen in Mexiko. Ein namenloser Fremder (Antonio Banderas) mit seinem Gitarrenkoffer ist angekommen, auf der Suche nach einem gewissen Bucho (Joaquim de Almeida). Er will Rache nehmen an diesem Mann für die eiskalte Ermordung der Frau, die er liebte. Was er aber nicht weiß, ist, dass die gesamte Bevölkerung in den Diensten des Drogenbarons steht und nur die hübsche Carolina (Salma Hayek) erscheint ihm mehr oder weniger vertrauensvoll. Als sich diese dem nach einer Schießerei schwer verletzten Mariachi annimmt und lieben lernt müssen sich die beiden, um überleben zu können, Bucho stellen. Aber der ist schon auf der Jagd…

Einem Nadelstich gleich bemerkt der Kenner des Vorgängers postwendend, wie unlogisch der Plot doch geraten ist. Bösewicht Moco, jetzt Bucho genannt, wurde bereits der Garaus gemacht, ist eine rätselhafte Reinkarnation Schuld am wiederholten filmischen Dasein? Die Rückblende zu „ El Mariachi“ wurde passender Weise verfälscht, Antonio Banderas an Stelle Gallardos eingesetzt und die Tötungssequenz des Drogenbarons geschnitten. Dessen Darsteller aber unverändert gelassen, obwohl der Drogenbaron nun von Joaquim de Almeida verkörpert wird. Verwirrend, nicht? Eine noch zweifelhaftere Daseinsberechtigung des Sequels mag einem nur schwerlich in den Sinn kommen, denn „Desperado“ ist weder als teurer Neuaufguss des Altbekannten, noch sinngemäß anschließendes Sequel zu erachten – eine Mischung aus beiden trifft es am ehesten. Den Grund dahinter, weiß wohl nur Robert Rodriguez selbst. Diese fehlende Stringenz in der Narration stellt auch schon einen ersten der Gründe dafür dar, warum der Film im Endeffekt nichts Halbes und nichts Ganzes darstellen wird. Schlimm genug das dieses verwirrende Storykonzept aber mal so gar nicht plausibel erscheinen mag, der unrythmische Szenenaufbau wirkt da keineswegs überzeugender.

Eine Explosion jagt die nächste, wird dann abrupt abgebremst, wieder etwas Fahrt aufgenommen und abermals die Reißleine gezogen. Irgendwie ernüchternd das Ganze. Und erweckt die große Schießerei gen Ende den Anschein eines bleigeladenen Showdowns, so finden sich nachfolgend wieder viel zu lange, zwar inhaltlich wertvolle, aber in ihrer Erscheinen strukturell unpassende Szenen ein, die das Feuer des vorangegangenen Massakers eiskalt erlöschen lassen. Der Aufbau des Filmes ist zu vielen Höhen und Tiefen unterworfen, als das dieser in seiner Konstellation zueinander wirklich homogen erscheinen will. Wie man es dreht und wendet, was bei „El Mariachi“ so grandios funktionierte läuft hier aus den Bahnen. Keine Frage, für sich allein genommen lassen sich einige tolle Sequenzen vorfinden. So etwa der von Steve Buscemi famos gespielte Prolog, die abwechslungsreiche und originell inszenierte Bahrschießerei oder eben auch der Kampf der drei Mariachis gegen Buchos Schergen. Aber das stets nur isoliert aufblitzende Genie von Rodriguez ist beileibe zu wenig, um Freunde des Vorgängers ernsthaft an der Stange halten zu können. Das „Desperado“ im Genreeinheitsbrei der 90er verschwindet, kann man wiederum auch nicht sagen, denn seinen Status als guter, eigenständiger Actioner, hat er durchaus verdient. Als Sequel jedoch versagt er auf beinahe ganzer Linie. Unter heutigen Gesichtspunkten lassen sich zumindest einige, kleinere Details ausmachen, die in Robert Rodriguez späteren Schaffen von großer Bedeutung waren.

So etwa, dass sein Freund Quentin Tarantino bereits hier, wie auch in drei nachfolgenden Projekten einen amüsanten Gastauftritt hinlegt, der wohl jedes Mal aufs Neue als kleines Highlight zu verstehen ist.  Auch für seinen Cousin Danny Trejo sollte die Darbietung des messerwerfenden Gringo nicht die letzte Rolle in einem Film seines Verwandten sein. Selbst Cheech Marin wurde seinerzeit in die Familie aufgenommen und fand sich wenig später in mehreren Projekten wieder. Und nicht nur für diese drei Freunde von Rodriguez sollte sich der Weg ebnen, auch für die noch recht unbekannte Salma Hayek begann durch „Desperado“ ein gewaltiger Hollywooddurchbruch. Wie sollte es anders sein, wurde auch sie beim späteren „Hausschauspieler-Schaulaufen“ des Regisseurs im Jahr 1996 gedrehten Film „From Dusk Till Dawn“ gecastet, wo alle obig genannten Namen von mehr oder weniger großer Bedeutung auf der Besetzungsliste vertreten waren. Aber um wieder zum Sequel zurückzukehren, selbst die Band „Tito & Tarantula“, die für „Desperado“ einen Teil des wohlklingenden Soundtracks beisteuerte, fand sich im späteren Roadmovie-Vampirspektakel wieder. Wie nicht zu übersehen,  baut der mexikanische Regisseur also gerne auf Altbewährtes, was natürlich auch einen gehörigen  und vor allem einkalkulierbaren Unterhaltungsbonus bei den Fans mit sich bringt.

Aber das steht wiederum auf einem anderen Blatt. Rodriguez stilsichere Handhabe für den Aufbau einer Szene gilt es auch dieses Mal wieder zu bewundern. Mithilfe von Videostoryboards anstatt der skizzierten Pendants plante er einige Szenen bis ins kleinste Detail perfekt im Voraus und ließ die anfolgende Arbeit dementsprechend um einiges leichter von Statten gehen.Denn die Drehtage waren recht knapp bemessen, sodass jeder Cut sitzen musste. Die Bar-Schießerei gilt mit zum Besten was das Actiongenre in den 90zigern hervorgebracht hat. Aber obgleich solch beeindruckender Momente fällt das Gesamtpaket dann doch eher ernüchternd, wenn nicht gar überflüssig aus. Aus „El Mariachi“ eine Trilogie machen zu wollen, ein verständliches Anliegen, durchaus. Das dies aber nur Sinn macht, wenn Geschichte, Charaktere und so weiter analog fortgesetzt werden, was dabei infolge des im Grunde abgeschlossenen Ende des Vorgängers sicher nicht leicht zu bewerkstelligen gewesen wäre, ist nicht schwer zu verstehen. Aber so, in diesem Zustand, erscheint „Desperado“ einfach unnötig.

Eine stramm auf Hollywood getrimmte Verpackung des altbekannten Stoffes. Vielleicht aufgrund Salma Hayeks und Antonio Banderas etwas hübscher anzusehen, aber nicht einmal deren Schauspielkunst überzeugt in solchem Maße, als das ein begeisterter Anhänger von „El Mariachi“ Gefallen daran finden kann, an diesem zwar ambitionierten, aber mitnichten die hohen Erwartungen erfüllenden Projekt.

Bewertung: 6/10 Punkten

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23 Kommentare leave one →
  1. November 7, 2008 6:10 pm

    Das „Desperado” im Genreeinheitsbrei der 90er verschwindet, kann man wiederum auch nicht sagen, denn seinen Status als guter, eigenständiger Actioner, hat er durchaus verdient.

    Aha, aber den Film dann im Wertungseinheitsbrei versinken lassen. 😉 Ich verstehe deine Kritikpunkte, gerade bezüglich des fehlgeleiteten Seuqel-Charakters, doch ist „Desperado“ ohne Zweifel auch als eine Art von Neustart des Mariachi zu verstehen. Aber du hast natürlich Recth, die Stringenz der Narration vom Ersten zum Zweiten ist nicht wirklich gegeben. Imho ist dies aber nicht wirklich störend, weswegen ich durchaus mehr als 5,5 Punkte vergeben wollen würde.

  2. November 7, 2008 6:16 pm

    Das hängt damit zusammen, da er nun mal primär ein Sequel ist 🙂 und kein eigenstandiger Actionfilm…wenn das so wäre, läge die Bewertung deutlich höher. So aber hat mich das doch sehr gestört. Und wenn es ein Neustart wäre, so hätte man die drei Filme nicht als Trilogie anpreisen dürfen. Denn darunter verstehe ich eben, wie im Text genannt, eine logische Fortführung des Bekannten. Und auch das liegt eben leider nicht vor 😦 . Spaß macht der Film ja trotzdem, doch der fahle Beigeschmack bleibt. Früher, als ich „El Mariachi“ noch nicht kannte, war mir das noch nicht mal so arg aufgefallen, dass die Narration derart brüchig daher kommt. Aber so… 😦

  3. November 7, 2008 6:20 pm

    PS:Iich hab mir erlaubt, deine Formulierung bezüglich der fehlenden narrativen Stringenz in den Text zu übernehmen. Ich hab die ganze Zeit über immer gedacht, wie könnte ich das treffend formulieren, es wollte mir partout nicht einfallen. Du hast mich erhellt, danke C.H. 🙂

  4. November 7, 2008 6:45 pm

    Diese fehlende Stringenz in der Narration stellt auch schon einen ersten der Gründe dafür dar, warum der Film im Endeffekt nichts Halbes und nichts Ganzes darstellen wird.

    Und das ist das Hauptproblem des Films. Schlechter als El Mariachi, aber 5,5? 😀

  5. November 7, 2008 7:54 pm

    Den mangelnden Zusammenhang darf man nicht so ernst nehmen. Schließlich ist El Mariachi eine Legende, von der immer einmal wieder berichtet wird und jeder erzählt die Geschichte etwas anders… insofern passt für mich der fehlende Sequelcharakter sogar ganz gut. Man muss wohl mit dem Film aufgewachsen sein um ihn über die Standardactionkost zu stellen.

  6. November 7, 2008 10:04 pm

    Wäre ein Gesichtspunkit, aber nichtsdestotrotz ist „Desperado“ für mich ein Sequel 🙂 und daher wiegen für mich diese Mängel so schwer.

    BTW: Hab die Wertung nach reiflicher Überlegung auf 6/10 angehoben 😉 ….aber mehr geht nicht 🙂

  7. November 7, 2008 10:33 pm

    Morgen bist du dann bestimmt bei 9/10 und so weiter und so fort. 😉

  8. November 7, 2008 10:58 pm

    Setz den anderen doch keine Flausen in den Kopf 😀

  9. November 7, 2008 10:20 pm

    6 ist doch perfekt und angemessen für den Film 🙂

  10. November 8, 2008 12:27 am

    @Kaltduscher: Sag nur, du hattest wegen einem halben Pünktchen gemeckert 😀

  11. November 8, 2008 1:43 am

    Klar 😀

  12. November 8, 2008 3:46 pm

    Hab die Wertung nach reiflicher Überlegung auf 6/10 angehoben 😉 ….aber mehr geht nicht 🙂

    6,5 ?

  13. November 8, 2008 4:46 pm

    Ich stimme auch fün eine bessere Bewertung… 😀

    Das liegt daran, dass der Fokus bei mir nicht darau liegt, dass es sich um ein Sequel handelt, sondern auf dem Film selbst, aber das wurde ja weiter oben auch schon andiskutiert.
    Sieht man das ganze aus diesem Blickwinkel, können die geschnittenen und neu aufgenommenen Mariachi-Rückblenden sogar positiven Charakter erlangen… 😉

  14. November 8, 2008 8:12 pm

    Ist ja wie auf dem Basar hier 😀 . Ne, 6/10 sind für mich das höchste der Gefühle. Ich habe die Eigenheit die verschiedenen Teile einer Filmreihe natürlich a) für sich selbst zu bewerten, was ich oben ja auch hab mit in die Wertung einfließen lassen, und b) ihre gegenseitige Qualität und Stringenz zueinander. Letzteres vor allem bei einer offiziell angepriesenen Trilogie. Ähnlich halte ich es mit HDR, Matrix, Indiana Jones, Lethal Weapon usw. Wenn schon ein Sequel, Prequel oder was weiß ich, dann muss ich es zu gewissen Teilen auch mit den Verwandten Parts messen. 🙂 . Sehe ich das vielleicht zu hart? 😛

  15. November 8, 2008 8:34 pm

    Nein. Mehr Punkte hat der Film nicht verdient, egal wie man ihn betrachtet 😉

  16. November 9, 2008 11:34 am

    Komm, mach ne 7 draus. Dann sind wir alle glücklich, sonst wird dein Blog von mir höchst persönlich geschlossen.

  17. November 9, 2008 12:12 pm

    Hör nicht auf den fincher, der hat eh keine Ahnung 😀

  18. November 9, 2008 3:15 pm

    Wem sagst du das 😀

  19. November 10, 2008 5:41 pm

    Ich weiß nicht wer Euch eingetrichtert hat, daß Desperado das Sequel zu Mariachi ist. Es ist lediglich das Remake von Mariachi. Zusammen mit Irgendwann in Mexico ergeben die drei Filme Rodriguez Mexico Triologie. Kommt ja auch niemand auf die Idee 21 Gramm als Sequel zu Amores Peros zu betrachten, auch wenn es der zweite Film in Inarritus Schicksalstriologie ist. Und wenn Oliver Stone von seiner Präsidenten Triologie spricht kommt auch keiner auf die Idee Nixon als Sequel zu J.F.K. zu sehen.;)

  20. November 11, 2008 4:39 pm

    Für mich besitzt der Film aber viel mehr Sequel Charakter, als das eines Remakes. Ist eine gewisse Mischung aus beidem, ach, das ist ja aber auch nicht der einzige Punkt gewesen, wo ich zu bemängeln hatte. 🙂

  21. Flo Lieb permalink
    März 14, 2010 12:11 am

    DESPERADO ist das Sequel zu EL MARIACHI. Ist doch klar wie Kloßbrühe, sieht man allein an den Rückblenden. Und der Anhebung hätte es auch nicht bedarft, der Film ist eine 5,5/10 und nicht mehr und nicht weniger. Eigentlich hat er, wie auch ONCE UPON A TIME IN MEXICO ohnehin keine Daseinsberechtigung.

  22. März 14, 2010 2:48 pm

    Einigen wir uns darauf, dass es bei „El mariachi“ ruhig hätte bleiben können 🙂

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